Frust in Pflegeeinrichtungen : Keine Impfung in Sicht

Die mobilen Impfteams impfen derzeit nur in der vollstationären Altenpflege. Andere Pflegeeinrichtungen, wie ambulante Wohngemeinschaften, wissen nicht, wie sie ihre Bewohner impfen sollen.

In Brandenburg sind 33 mobile Impfteams im Einsatz (Symbolbild).
In Brandenburg sind 33 mobile Impfteams im Einsatz (Symbolbild).Foto: dpa

Teltow - Alexander Fritz und sein Team versuchen seit Wochen alles, um einen Termin für ein mobiles Impfteam zu bekommen. Fritz ist einer der Geschäftsführer des Pflegedienstes Qualitas GmbH, der in Teltow eine Tagespflegestätte sowie Wohngemeinschaften betreibt. Doch die ambulanten Pflegeeinrichtungen werden derzeit nicht von den mobilen Impfteams angesteuert.

In den drei Wohngemeinschaften in Teltow werden rund 30 Personen, die meisten über 80 Jahre alt, betreut. Die Mehrheit der Bewohner ist an Demenz erkrankt und benötigt entsprechende Pflege und Hilfe. Das Pflegeteam versuchte über das Onlinetool des DRK-Landesverbandes Brandenburg, der die mobilen Impfungen koordiniert, einen Termin zu buchen, in der Annahme, das auch zu ihnen ein mobiles Impfteam kommen würde. 

Das gestaltete sich jedoch nach Angaben von Fritz als schwierig. Denn bei der Buchung des ersten Impftermins muss gleichzeitig auch die zweite Impfung drei Wochen später mitgebucht werden. Für einen freien Ersttermin im Januar gab es keinen möglichen Zweittermin. Und für den nächsten möglichen freien Termin im Februar hätte der Pflegedienst nur den Impfstoff bekommen. Den Arzt und die medizinischen Fachkräfte hätten sie selber organisieren müssen, so Fritz.

Termin kurz vorher wieder abgesagt

Von der Staatskanzlei habe er den Tipp bekommen, für die Bewohner einen Termin in einem Impfzentrum zu buchen. Sein Team habe diese Möglichkeit aber ausgeschlossen. Denn selbst wenn sie es schaffen würden, telefonisch einen Termin zu vereinbaren, sei unklar, wie das Team mit 30 Demenzkranken zum Impfzentrum gelangen soll. „Organisatorisch ist das einfach unmöglich“ sagt Fritz.

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Am Ende konnte das Pflegeteam schließlich doch ein mobiles Impfteam buchen – der Termin wurde aber rund zwei Tage später wieder abgesagt, wie Fritz erzählte. Denn aufgrund des limitierten Impfstoffes impfen die mobilen Impfteams zunächst nur die Bewohner und das Personal in der vollstationären Pflegeeinrichtung, danach in stationären Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung – in den ambulanten und teilstationären Einrichtungen bislang nicht. 

Alexander Fritz, einer der Geschäftsführer des Pflegedienstes Qualitas GmbH.
Alexander Fritz, einer der Geschäftsführer des Pflegedienstes Qualitas GmbH.Foto: Pflegedienst Qualitas GmbH

Teilstationäre Einrichtungen sollen später versorgt werden, heißt es aus dem Ministerium

Diese Reihenfolge ist in der Coronavirus-Impfverordnung des Bundes festgelegt worden und auch Brandenburg folgt dieser Priorisierung, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums Brandenburg bestätigte. Die Impfungen in den anderen Einrichtungen, wie der Wohngemeinschaft in Teltow, seien bereits in Planung. Ob dabei mobile Impfteams vorbeikommen oder Fahrdienste eingerichtet werden, sei aber noch offen, so der Sprecher. Die Impfstoffbeschaffung habe derzeit Priorität. Wie es für die Bewohner in Teltow weiter geht, ist daher noch unklar. „Wir hoffen jetzt, dass wir bald auf der Prioritätenliste nach oben rutschen“, so Fritz.

Die mobilen Impfteams impfen momentan nur in vollstationären Pflegeheimen.
Die mobilen Impfteams impfen momentan nur in vollstationären Pflegeheimen.Foto: Pflegedienst Qualitas GmbH

Derzeit würden viele betroffene Einrichtungen und Wohngruppen, wie die in Teltow, beim DRK-Landesverband anrufen und um Hilfe und Unterstützung bitten, berichtet Marie-Christin Lux, Pressesprecherin Landesverbandes. Die Impfteams würde man gerne losschicken. “Wir dürfen aber leider noch nicht vorbeikommen“, so Lux. „Wenn wir in allen vollstationären Einrichtungen geimpft haben, dann kommt die Planung für die ambulanten Pflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften“, sagte Lux.

Frustration macht sich breit

Auch in der gerontopsychiatrischen Tagesstätte des Seniorenzentrums „Negendanksland“ in Beelitz durfte das mobile Impfteam nicht impfen, erzählte Pfarrer Markus Kolbe, der das Seniorenzentrum des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin leitet. Neben einer vollstationären Pflege mit 32 Einzelzimmern, bietet das Zentrum in der Tagesstätte 23 Plätze für eine Tagesbetreuung für demente Menschen an.

Außerdem befinden sich auf dem Gelände Wohnungen für Betreutes Wohnen. Das deren Bewohner, allesamt Senioren, nicht mitgeimpft werden, wusste Kolbe als er ein mobiles Impfteam für Mitte Januar buchte. Denn sie sind eigenständige Mieter. Allerdings hatte er gedacht, dass die Tagesgäste der Tagesstätte mitgeimpft werden können. Das war jedoch nicht möglich, sagte Kolbe. „Das ist sehr frustrierend und unverständlich für die Betroffenen“, so Kolbe.

Markus Kolbe, Leiter des Beelitzer Seniorenzentrums "Negendanksland" des Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin.
Markus Kolbe, Leiter des Beelitzer Seniorenzentrums "Negendanksland" des Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin.Foto: Evangelisches Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin

33 mobile Impfteams in Brandenburg im Einsatz

Hervorragend lief dafür die Impfung in der vollstationären Pflege des Seniorenzentrums. Der DRK-Landesverband habe sie gut informiert, sagte Kolbe. Er hatte einen Termin mit einem Arzt und medizinischem Personal gebucht. „Der Impfarzt hatte sich einen Tag vor dem Impftermin gemeldet und gefragt ob wir noch etwas brauchen.“ 

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Auf dessen Rat hin, wurde in der Einrichtung von den Mitarbeitern eine Impfstraße mit verschiedenen Stationen eingerichtet. 31 Bewohner und 29 Mitarbeiter konnten in wenigen Stunden ohne Probleme geimpft werden. Der zweite Termin soll in der ersten Februarwoche stattfinden. 

Die derzeit 33 mobilen Impfteams des DRK in Brandenburg haben Ende dieser Woche bereits in den meisten der priorisierten Pflegeeinrichtungen mindestens die erste Impfung verabreicht, teilte der Landesverband mit. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben bis einschließlich vergangenen Freitag 16.268 Pflegeheimbewohner eine Erstimpfung erhalten.

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