Frühere Volksbankfiliale : Neue Tagespflege für Senioren in Werder

In Werders frühere Volksbankfiliale zieht nun eine Tagespflegeeinrichtung für Senioren. Es gibt sogar noch freie Plätze - eine seltene Gelegenheit.

In Bad Belzig betreibt das DRK bereits eine Tagespflege. Jetzt kommt eine Einrichtung in Werder dazu.
In Bad Belzig betreibt das DRK bereits eine Tagespflege. Jetzt kommt eine Einrichtung in Werder dazu.Foto: DRK Potsdam/Zauch Belzig e.V.

Werder (Havel) - Noch wird in den Räumen in der Werderaner Eisenbahnstraße gemalert und gehämmert, auch der rutschfeste Bodenbelag muss noch verlegt werden: Wo einst Mitarbeiter der Volksbank ihre Kunden beraten haben, sollen künftig pflegebedürftige Senioren ausgefüllte Tage haben. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) richtet in den Räumen gegenüber des Plantagenplatzes eine neue Tagespflege ein. „Es ist toll, dass wir die Senioren hier mitten im Stadtzentrum betreuen können. Sonst werden sie leider sehr oft an den Rand gedrängt“, sagt DRK-Bereichsleiterin Jeanette Kritzel den PNN.

Noch gibt es freie Plätze

Die Bank ist eine Straße weitergezogen, zwölf Tagespflegestellen sollen nun in den 370 Quadratmeter großen Räumen im Altbau entstehen. „Da viele Menschen aber nur zwei Tage pro Woche betreut werden, können wir insgesamt 25 bis 30 Pflegebedürftige aufnehmen.“ Die Eröffnung sei für das zweite Quartal geplant, noch gebe es freie Plätze – eine seltene Gelegenheit, in Werder, Schwielowsee und Beelitz gibt es insgesamt nur vier Einrichtungen für die Tagespflege. Ihre Wartelisten sind lang.

Aus einem Umkreis von 15 Kilometern werden Menschen mit verschiedenen Pflegegraden aufgenommen. Abgeholt und zurückgefahren werden sie vom DRK-Fahrdienst. Ab Pflegegrad 2 wird die Tagespflege für zwei Tage pro Woche fast vollständig von der Kasse bezahlt. Bei Pflegegrad 3 wird die tägliche Betreuung übernommen. Der Pflegebedürftige selbst muss pro Tag noch eine Pauschale von 20 Euro zahlen. Davon wird das Essen bezahlt, aber auch die etwa 90.000 Euro Sanierungskosten für die gemieteten Räume sollen sich so refinanzieren. „Dafür gibt es bei uns aber auch Frühstück, Mittagessen und Kaffee“, sagt Jeanette Kritzel.

Geplant sind Öffnungszeiten von 8 bis 16 Uhr. „Wenn mehrere Menschen Bedarf anmelden, können wir aber auch bis 17 Uhr offenlassen.“ Mittelpunkt der Einrichtung ist ein großer, lichtdurchfluteter Raum im hinteren Bereich des barrierefreien Erdgeschosses. Er soll mit einer offenen Küche ausgestattet werden, dazu soll es Sessel und ein Sofa geben. „Das Leben strukturiert sich ums Essen herum, das haben wir in unseren anderen Einrichtungen gesehen“, so die Bereichsleiterin, die auch für Tagespflegestellen in Bad Belzig und Falkensee (Havelland) zuständig ist. 

Die Pflegebedürftigen sollen am Alltag teilhaben

Nach dem Frühstück werde vielleicht etwas gelesen. Dann würden aber auch schon die Vorbereitungen fürs Mittagessen beginnen. „Die Pflegebedürftigen sollen am Alltag teilhaben, etwa beim Kartoffelschälen helfen.“ Auch würden viele Menschen, die die Einrichtungen besuchen, zu Hause zu wenig essen. Teils leben sie allein, teils arbeiten die Angehörigen den ganzen Tag und teils seien die Angehörigen auch einfach überfordert. „Da ist die Motivation, sich hinzusetzen und sich ein Brötchen zu schmieren, nicht groß“, so Jeanette Kritzel. Teilweise würden die Menschen dann in der Einrichtung freitags vier Brötchen essen, weil sie wissen, samstags gibt es weniger.

Neben dem Essen sind auch Anspruch und Bewegung wichtig, so sollen Sportübungen und Spielenachmittage angeboten werden. Auch zu Kitas in der Nachbarschaft oder dem Treffpunkt Freizeit, einer Sozialeinrichtung des Bergmann-Klinikums am Plantagenplatz, gebe es Kontakt. Wer Ruhe braucht, kann sich aber jederzeit in eines der beiden an den Großraum angrenzenden Nebenzimmer oder den kleinen Garten zurückziehen. „Nicht jeder will immer zu zwölft sein. In Falkensee haben wir beispielsweise drei Männer, die sich nach dem Essen immer zum Skat zurückziehen“, so die Bereichsleiterin.

Ehrenamtler gesucht

Für Leben im Haus sollen indes nicht nur die Bewohner sorgen. So gibt es zwei Büros im Eingangsbereich, in denen der ambulante Pflegedienst des DRK einziehen soll. Er sitzt derzeit in der Kellermannstraße. Zudem gibt es einen Raum für Schulungen, etwa für Erste-Hilfe-Kurse. Die finden derzeit noch fünf Häuser entfernt statt. „Wir hoffen aber auch, dass sich noch Ehrenamtliche finden, die gern Zeit mit den Pflegebedürftigen verbringen wollen.“ Kritzel hofft, dass durch die Lage im Zentrum viele Werderaner auf die Einrichtung aufmerksam werden und sich beteiligen wollen. „Auch Menschen, die vielleicht noch nicht in die Tagespflege müssen, aber mal für eine Stunde Gesellschaft wollen, sind willkommen.“ Bei Fragen rund um die Pflege könnten sie auch vor Ort beraten werden.

Auch Personal wird noch gesucht

Für die Tagespflege sollen stets eine Fachkraft und eine weitere Betreuerin anwesend sein, insgesamt fünf Menschen würden gesucht. „Bei uns können sich auch Mütter bewerben, die ihr Kind nur wenige Stunden in der Kita betreuen lassen und vier Stunden täglich arbeiten möchten“, so Kritzel. Fürs Kochen oder Spielen brauche man schließlich keine Pflegefachausbildung. Gezahlt werde trotzdem mindestens der Pflegemindestlohn von 10,55 Euro pro Stunde. „Wir versuchen aber, dass die Mitarbeiter durch Fortbildungen schnell auf einen Stundenlohn von zwölf oder 13 Euro kommen.“

Wer einen Tagespflegeplatz sucht, kann sich unter Tel.: 0151/18218489 melden.


+++ Hintergrund: Zu wenig Pflegestellen im Landkreis:

Im gesamten Landkreis gibt es derzeit lange Wartelisten für Tagespflegestellen. Laut dem Mittelmärkischen Pflegestützpunkt, der Pflegebedürftige und deren Angehörige am Werderaner Gutshof berät, steigt die Attraktivität von Tagespflege für Pflegebedürftige deutlich an, weshalb der Bedarf an Plätzen steigt. Derzeit gibt es im gesamten Landkreis 15 Einrichtungen für die Tagespflege. Sie bieten jeweils maximal zwölf Plätze. Die Einrichtungen sind nahezu gleich über die vier Planregionen des Kreises verteilt. In der Region Teltow/Nuthetal gibt es derzeit ebenso vier Einrichtungen wie in der Region Werder (Havel)/Schwielowsee/Beelitz. Auch im Fläming gibt es vier Einrichtungen, im Bereich von Kloster Lehnin bis Ziesar drei. Da aber in den Regionen innerhalb des Autobahnringes wesentlich mehr Menschen leben als im Fläming, ist dort der Bedarf deutlich höher.