Flüchtlingsprojekte in der Teltower Region : Danke fürs Durchhalten

Mit dem Einzug der ersten Flüchtlinge in Teltow begann auch das ehrenamtliche Engagement. Die meisten Projekte der Helfer gibt es auch nach fünf Jahren noch.

Der Teltower Fußballverein hat dem örtlichen Flüchtlingsheim Fußbälle gespendet.
Der Teltower Fußballverein hat dem örtlichen Flüchtlingsheim Fußbälle gespendet.Manfred Thomas

Kleinmachnow - Sie wollten einfach mal Danke sagen für fünf Jahre ehrenamtliche Flüchtlingshilfe und zeigen, dass Integration funktionieren kann. So beschreibt der Teltower Diakon Martin Bindemann die Motivation für den Empfang im Kleinmachnower Bürgersaal, zu dem am Mittwochabend etwa 50 Helfer und Geflüchtete gekommen waren. „Die Arbeit der Helfer hat sich in den vergangenen Jahren extrem verändert. Statt Geflüchteten zu zeigen, wo sich was im Ort befindet, geht es jetzt darum, ihnen beim langwierigen Kampf um eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle zu helfen“, sagt Bindemann den PNN. Zudem gebe es auch nicht mehr so viele Ehrenamtliche wie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.

Um das Engagement der Aktiven zu würdigen und ihnen eine Gelegenheit zum Austausch zu geben, haben Bindemann, die Flüchtlingshelferin der Gemeinde Kleinmachnow und die Ehrenamtskoordinatorin des Landkreises das Treffen organisiert, zu dem Vertreter mehrerer Initiativen aus Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf und Berlin kamen. Neben Dankesreden wurde gemeinsam gebastelt und Erfahrungen ausgetauscht. Geflüchtete, die sich im Teltower Begegnungscafé engagieren, haben ein Buffet mit Gerichten ihrer Heimatländer aufgebaut.

Die Heimleitungen waren anfangs überfordert

2013 wurde in Teltow das erste Flüchtlingswohnheim eröffnet. Nahezu zeitgleich gründete sich die erste Hilfsinitiative. Doch deren Start war schwierig: „Die Mitarbeiter im Heim waren anfangs überfordert, das muss man zugeben. Sie konnten die Helfer nicht gleich in den Ablauf innerhalb der Unterkunft integrieren“, so die Ehrenamtskoordinatorin Steffi Wiesner. Nach und nach hätten sich dann aber von Ehrenamtlichen geleitete Deutschkurse oder Bastelnachmittage etabliert. Als später die zweite Unterkunft in Teltow und die beiden Stahnsdorfer Heime geöffnet wurden, sei die Koordination der Helfer aufwendiger geworden. Deshalb wurde ein Netzwerk gegründet, das bis heute besteht.

In Kleinmachnow betreibt die Union Sozialer Einrichtungen noch immer eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge.
In Kleinmachnow betreibt die Union Sozialer Einrichtungen noch immer eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge.Björn Stelley

Wie viele der Helfer von 2013 heute noch dabei sind, kann Wiesner nicht beziffern. Einen Großteil der ehrenamtlichen Projekte gibt es aber auch nach mehreren Jahren noch, auch wenn manch Bastelnachmittag inzwischen eingestellt worden sei. So hat in Kleinmachnow die Fahrradwerkstatt der Union Sozialer Einrichtungen überlebt, auch die „Schatzkammer“ in den Räumen Am Fuchsbau 47 mit gespendeter Kleidung und Schuhen gibt es noch. Die Beratung für geflüchtete Familien im Stahnsdorfer Club an der Bäke wurde sogar ausgedehnt. Inzwischen werden dort auch Familien unterstützt, die außerhalb der Teltower Region etwa in Werder (Havel) leben. Auch die Patenvermittlung in Kleinmachnow sucht Wiesner zufolge noch immer nach Menschen, die gezielt einem Geflüchteten helfen wollen, in der Region Fuß zu fassen.

Die Begegnungscafés sind noch immer gut besucht

Zu einem Dauerbrenner haben sich Martin Bindemann zufolge die Begegnungscafés in Teltow und Kleinmachnow entwickelt. „40 bis 60 Teilnehmer kommen jeden Sonntag in Räume am Zehlendorfer Damm schräg gegenüber der Kirche.“ Einer von ihnen ist Dietrich Rudorff. Seit drei Jahren gehe der Landtagskandidat der CDU regelmäßig zu den Treffen. Der Rechtsanwalt berate unter anderem bei Fragen des Migrations- oder Arbeitsrechts. „Ein einschneidendes Erlebnis war, als ich dort Kameruner getroffen habe, die in ihrer Heimat schlicht keine Universität haben und hier sind als Bildungsflüchtlinge.“ Doch auch er selbst habe von einem Syrer gelernt, der ihm seinen Computer eingerichtet hat. „Er wollte Informatik studieren. Ich habe ihm dann alte Rechner geschenkt, die er wieder auf Fordermann gebracht und sich mit ihnen auf das Studium vorbereitet hat“, so Rudorff. Inzwischen habe der Syrer das Informatikstudium begonnen. „Die Menschen brauchen schlicht etwas zu tun in den Unterkünften. Es ist ja frustrierend, Jahre lang auf einen kleinen Schritt vorwärts zu warten.“

Die Zukunft der Helfer ist ungewiss

Auf den nächsten Schritt wartet auch Leila Rahmani. Seit dreieinhalb Jahren lebt die Geflüchtete mit ihrem kleinen Sohn in Stahnsdorf in der Gemeinschaftsunterkunft, seit Monaten sucht sie eine eigene Wohnung. „Eine Helferin aus Kleinmachnow kommt zu mir, hilft beim Schreiben von Mails und begleitet mich bei Besichtigtungsterminen.“ Auch, wenn dies bisher erfolglos war, ist Rahmani dankbar für diese Unterstützung.

Wie diese Hilfe ab dem kommenden Jahr gestaltet wird, ist jedoch offen. Wie berichtet soll die Unterkunft in Teltow dann geschlossen werden, auch für ein Stahnsdorfer Wohnheim läuft der Mietvertrag aus. „Es ist noch schwer zu sagen, ob sich die jetzigen Ehrenamtlichen dann auch engagieren werden, wenn die Flüchtlinge etwa in Werder wohnen werden“, so Steffi Wiesner. In vielen Fällen habe sich inzwischen aber eine echte Freundschaft zwischen Helfern und Geflüchteten entwickelt, die einen Umzug überstehen könne. Und auch in Werder gibt es bereits Hilfsnetzwerke, obwohl dort bisher nur wenige Geflüchtete in Privatwohnungen untergekommen sind.

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