Finanzielle Notlage wegen Coronakrise : Teltows Vogelpark vor dem Aus?

Die Einnahmen brechen weg, die Kosten bleiben. Lothar Lübeck weiß nicht, wie er künftig seinen Familienbetrieb halten soll. Ab Mai drohen Entlassungen.

Den Teltower Vogelpark und Streichelzoo gibt es seit fast 30 Jahren, er ist der einzige seiner Art in der Region. 
Den Teltower Vogelpark und Streichelzoo gibt es seit fast 30 Jahren, er ist der einzige seiner Art in der Region. Foto: Ottmar Winter PNN

Teltow - Wegen der Coronakrise brechen die Einnahmen weg, bald könnte das endgültige Aus drohen: Seit beinahe drei Wochen hat der Vogelpark Teltow geschlossen. Für Familie Lübeck und ihre Mitarbeiter bedeutet das einen erheblichen Einnahmeverlust. Wenn nicht bald wieder geöffnet werden darf oder es finanzielle Hilfe gibt, wird der Familienbetrieb nicht mehr lange durchhalten. „Wir sind von den Besuchern abhängig“, sagt Inhaber Lothar Lübeck. Bereits der Februar sei wegen der Coronakrise und zum Teil auch wegen des schlechten Wetters nicht sehr gut gelaufen. Zuerst hatte die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Im Juni feiert der Vogelpark sein 30-jähriges Jubiläum 

Pro Monat hat der Familienbetrieb rund 7000 Euro an Ausgaben zu stemmen. Die Einnahmen liegen sonst bei etwa 10 000 Euro im Monat, sagt Lübeck. Hinzu kommt, dass Einnahmen aus der Vermietung von Ställen wegfallen. Zwei Pferde hätten eingeschläfert werden müssen, ein Besitzer ist mit seinem Tier weggezogen. Die freien Boxen könnten in der aktuellen Situation nicht einfach schnell wieder vermietet werden, so Lübeck. Mit den Pferdeboxen für zwölf Tiere finanziert sich der Betrieb auch im Winter.

Lothar Lübeck fehlen nicht nur Besucher, auch Pferdebesitzer. 
Lothar Lübeck fehlen nicht nur Besucher, auch Pferdebesitzer. Foto: Ottmar Winter PNN

Der Vogelpark und Streichelzoo in Teltow feiert diesen Juni eigentlich sein 30-jähriges Jubiläum. Horst Lübeck, der 2007 verstorbene Vater von Lothar Lübeck, hatte den Familienbetrieb einst gegründet. Rund 230 Tiere beherbergt der Betrieb: Von Affen über Damwild, Papageien und Ziegen bis hin zu Alpakas. 100 bis 120 Besucher kommen an den Wochenendtagen, sagt Lübeck. Außerdem kann der Vogelpark auch für Feste und Feiern gebucht werden. 

Vor der Coronakrise habe es keine finanziellen Probleme gegeben. Auch die Querelen wegen fehlender Baugenehmigungen und Ausgleichszahlungen konnte Lübeck klären. Wie berichtet hatte es jahrelang Probleme mit der Baugenehmigung etwa der Pferdeboxen gegeben. Horst Lübeck, der die Boxen einst aufstellen ließ, hatte es vor Jahren versäumt, eine nötige Ausgleichszahlung für einen der Pferdeställe von rund 2000 Euro zu begleichen. Die Baugenehmigung war deshalb verfallen. Eine Mahnung erhielt er nie. 

Erst nach Jahren forderte die Bauaufsicht des Kreises Lothar Lübeck auf, der nach dem Tod seines Vaters den Betrieb übernommen hatte, die illegal errichteten Ställe abzureißen. Nach langem Hickhack sei ihm mitgeteilt worden, dass die Genehmigung nun durch sei. Eine schriftliche Bestätigung habe er noch nicht erhalten. Der Landkreis hat eine Anfrage zum aktuellen Stand der Genehmigung am Donnerstag nicht mehr beantwortet. 

Rund 230 Tiere beherbergt der Vogelpark. Besonders bei Familien ist er als Ausflugsziel beliebt. 
Rund 230 Tiere beherbergt der Vogelpark. Besonders bei Familien ist er als Ausflugsziel beliebt. Foto: Ottmar Winter PNN

Wenn nicht bald wieder geöffnet werden kann, drohen Entlassungen

Lübeck hat wegen der Coronakrise nun Kurzarbeit für seine Mitarbeiter beantragt, drei arbeiten Vollzeit bei ihm, einer Teilzeit. Doch wenn der Vogelpark noch länger geschlossen bleiben muss, werde er wohl Anfang Mai seine Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen müssen. Der 62-Jährige hat bereits privates Geld in den Betrieb gesteckt, um das Schlimmste abzuwenden. Doch ohne eine baldige Öffnung für Besucher könne der finanzielle Verlust nicht wieder aufgeholt werden.

Am meisten ärgert Lübeck, dass es deutschlandweit keine einheitlichen Lösungen für die Hilfen für Betriebe und Unternehmen gibt. „Ich sehe immer nur neue Bestimmungen. Jedes Bundesland macht sein eigenes Ding“, so Lübeck. Ganz anders sei das in Frankreich, wo die Zahlung der Steuern und Sozialabgaben erst einmal aufgeschoben wurden. „Das würde auch mir helfen.“ Einen Kredit müsse er zurückzahlen. In der derzeitigen Situation wisse er nicht, wie und wann er das stemmen soll.

Lübeck hat Finanzhilfe beantragt und die Krankenkasse angeschrieben. Bislang ohne Antwort. Hilfsangebote von der Stadt Teltow habe er bislang noch nicht bekommen. Nur der Stadtverordnete Mirko Schlossarczyk (FDP) hatte reagiert und dem Betrieb 300 Euro gespendet, seine Aufwandsentschädigung als Stadtverordneter. Auch einige Privatpersonen hätten gespendet. Lübeck hofft auf weitere Hilfe. Er will durchhalten und versucht positiv zu bleiben.


Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.