Fehlende Regelungen für Freibäder : Sommer ohne Strandbad?

Das Land Brandenburg hat bislang keine Regelungen für die Öffnungen der Freibäder getroffen, für Strandbäder sind die Kommunen zuständig. Nun herrscht Unsicherheit bei den Betreibern.

Das Strandbad Ferch ist geschlossen. Öffnen darf es vielleicht Ende Mai. 
Das Strandbad Ferch ist geschlossen. Öffnen darf es vielleicht Ende Mai. Foto: Ottmar Winter

Potsdam - In Berlin dürfen ab dem 25. Mai die Frei- und Strandbäder wieder öffnen. In Brandenburg bleiben sie bislang geschlossen. Bei den jüngsten Corona-Lockerungen, die seit Samstag gelten, hatte die Landesregierung keinerlei Regelungen für die Bäder getroffen. Die Betreiber von Strand- und Freibädern in der Mark kritisieren das. Gleichzeitig überlegen viele, wie sie einen Betrieb mit Corona ermöglichen können.

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Markus Schmidt.
Markus Schmidt.Foto: Andreas Klaer

„Wir sind vorbereitet, so dass wir das Bad öffnen können“, sagte Markus Schmidt, Geschäftsführer der Freibad Kiebitzberge GmbH, auf PNN-Anfrage. Gesellschafter der Freibad-GmbH sind die Kommunen Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf. Schmidt und sein Team warten dringend auf eine Entscheidung des Landes. „Es gibt so viele Ideen für das Hotel- und Gastgewerbe, aber mit unserem Bereich und damit, wie eine kontrollierte Öffnung der Freibäder aussehen könnte, hat man sich noch gar nicht auseinandergesetzt“, kritisiert Schmidt. Das Brandenburger Gesundheitsministerium bestätigte am Freitag auf PNN-Anfrage, dass es für die Freibäder und Hallenbäder noch kein Öffnungsdatum gebe. Für die Strandbäder wiederum seien die Kommunen zuständig. Das Baden an Badeseen ist jedoch nach Angaben des Landes mit den geltenden Abstandsregeln erlaubt, da es zum Sport an der frischen Luft gezählt wird.

Nur jeder zweite Schrank und jede zweite Dusche offen

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark geht bislang davon aus, dass die Freibäder trotz Corona Ende Mai öffnen dürfen. Im Freibad Kiebitzberge wäre die Saison jedoch normalerweise am 1. Mai gestartet. Dass sie sich nun nach hinten verschiebt, sei finanziell verkraftbar, sagt Geschäftsführer Schmidt. „Viel schlimmer wäre es, wenn wir im Juni, Juli und August nicht öffnen können.“ Schmidt ist zudem optimistisch, was die Saison angeht. „Wir haben 2018 auch erst später im Juni eröffnet. Es ist unsere bisher beste Saison geworden“, sagt der Bad-Chef. In den beiden zurückliegenden Jahren zählte das Freibad Kiebitzberge jeweils mehr als 100.000 Besucher.

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In den vergangenen Wochen haben die Mitarbeiter in Kleinmachnow das Bad auf die Saison vorbereitet, sich um das Grün gekümmert, die Freianlagen und die Becken gepflegt und gesäubert. Eine Wasserbeprobung sei bereits gemacht worden. Die Qualität stimme. Über Maßnahmen, wenn dann geöffnet werden darf, hat sich das Team ebenso schon Gedanken gemacht. So könne jeder zweite Schrank, jede zweite Umkleidekabine und jede zweite Dusche abgesperrt werden. Ein Mitarbeiter würde den Zugang zu den Sanitäranlagen und Umkleiden kontrollieren, so dass sich nur eine gewisse Anzahl an Gästen gleichzeitig dort aufhalten könne. Im Eingangsbereich sollen Abstandsmarkierungen auf den Boden angebracht werden. Außerdem soll der Ausgang vom Eingang getrennt werden, damit sich nicht zu viele Gäste begegnen. Auch die Wasserflächen selbst werden für eine festgelegte Anzahl von Badegästen begrenzt. Schmidt rechnet mit rund 200 Gästen für das Schwimmerbecken und rund 300 für das größere Nichtschwimmerbecken.

Zwölf Wochen Lieferzeit für Desinfektionsmittel

Regine Rejall, die allein das Strandbad in Ferch führt, kritisiert uneinheitliche Regelungen im Land. Während die einen Betriebe öffnen dürften, müssten andere geschlossen bleiben, so Rejall. Es sei nicht ersichtlich, warum es so viele Unterschiede gebe. Wann sie ihr Strandbad öffnen könne, sei völlig offen. Sie mache sich allerdings zurzeit auch mehr Gedanken um ihre Gastronomie. Rejall betreibt im Strandbad einen Pavillon mit Seeterrasse, der wegen der Coronakrise ebenfalls geschlossen ist. Eigentlich hätte sie bereits im März geöffnet. Die Inhaberin hat daher hohe finanzielle Einbußen. Derzeit bietet sie Essen und Getränke im Außer-Haus-Verkauf an. Zwar hat die Landesregierung festgelegt, dass die Gastronomie am 15. Mai wieder öffnen darf, doch Rejall weiß nicht, wie sie die Auflagen einhalten soll. „Es scheitert ja schon allein daran, dass es eine Lieferzeit von zwölf Wochen für Desinfektionsmittel gibt“, sagt sie. Den Außenbereich ihrer Gaststätte immerhin könne sie so gestalten, dass die geltende Abstandsregel eingehalten werden kann.

Auch in Beelitz, in der die Stadt ein Freibad betreibt, wird mit erheblichen Mindereinnahmen gerechnet, falls das Bad nicht öffnen kann, teilte Stadtsprecher Thomas Lähns auf PNN-Anfrage mit. Das Freibad in Beelitz würde normalerweise Ende Mai in seine Saison starten. Bei einer Öffnung könnte es eine Deckelung der Besucherzahlen umgerechnet auf die Fläche geben, teilte Lähns mit. Den Besuch des Freibades zeitlich zu begrenzen, etwa mit Zeitfenstertickets, hält die Stadt jedoch für schwierig. Auch das Erfassen von Daten sieht die Stadt kritisch, vor allem weil viele Besucher Kinder- und Jugendliche seien.

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