Potsdam-Mittelmark : Entrechtet, ermordet

In Bergholz-Rehbrücke, Kleinmachnow, Stahnsdorf und Caputh werden neue Stolpersteine verlegt

Potsdam-Mittelmark - Mit neuen „Stolpersteinen“ wird in Bergholz-Rehbrücke, Kleinmachnow, Caputh und Stahnsdorf an das Schicksal von Nazis ermordeter Menschen gedacht. Die Idee hatte 1993 der Kölner Gunter Demnig. Vor dem jeweils letzten freiwillig gewählten Wohnort von Opfern der NS-Diktatur will er die Erinnerung an diese Menschen bewahren. „Man stolpert mit Kopf und Herz“, sagt der Künstler, „und will man die Inschriften lesen, so geht das nicht ohne Verbeugung vor dem Opfer“. Rund 15 000 Stolpersteine hat er in mehr als 300 deutschen Orten bereits verlegt. Auch in Österreich, Ungarn und Holland sind sie mittlerweile zu finden.

Weitere „Stolpersteine“ werden Montag in Bergholz-Rehbrücke und am Dienstag in Kleinmachnow, Stahnsdorf und Caputh verlegt. In Bergholz-Rehbrücke soll an Margarete Beyer und Richard Kuckuck erinnert werden. Bereits im vergangenen Jahr war hier ein erster Stolperstein für die Jüdin Alice Bloch verlegt worden. Mit ihrer jüdischen Freundin Margarete Beyer hatte sie ein Dokument ohne den von den Nazis verlangten Zwangsvornamen „Sara“ unterzeichnet, mit verheerenden Folgen. Beide wurden denunziert, Alice Bloch in Auschwitz ermordet. Margarete Beyer starb am 12. April 1945 an den Haftfolgen im Vernichtungslager.

Mit der Verlegung des Steins für Richard Kuckuck wird an einen Kommunisten erinnert, der in der Nazi-Zeit in einem Arbeitslager umkam. Vor seinem letzten Wohnhaus in der Arthur-Scheunert-Allee 70 wird am Montag gegen 14.30 Uhr der erste Stein verlegt. Anschließend wird Margarete Beyer vor ihrem letzten Wohnsitz in der Jean-Paul-Straße 22 gedacht, Gunter Demnig nimmt daran teil.

Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Am Dienstag ist der Künstler in Kleinmachnow. Begonnen wird um 9 Uhr am Erlenweg 2, wo einst Kurt Sahlmann lebte. Anschließend werden für Regina, Tana und Norbert Horst Leonhard Pohl (Geschwister-Scholl-Allee 54), für Friedrich Siegfried Daus (Zehlendorfer Damm 90), Wally Schlesinger (Auf der Drift 12), Kurt Schmeidler (An der Stammbahn 41) und für Hermann Hertzberg (Ernst-Thälmann-Straße 120) Stolpersteine verlegt. Die Junge Gemeinde hatte zu deren Schicksal recherchiert.

Im Anschluss geht es in Stahnsdorf weiter. Einer der mit einer Messingplatte belegten Steine wird in der Lindenstraße 10 zur Erinnerung an den jüdischen Textilhändler Hermann Scheidemann und dessen Frau Jeanette Scheidemann verlegt. Das Ehepaar war 1942 von den Nazis nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet worden. In Caputh wird um 15 Uhr ein Stolperstein für die 1943 in Auschwitz ermordete Reformpädagogin Gertrud Feiertag in der Potsdamer Straße 1 gesetzt. Sie hatte 1931 am Standort des heute nach ihr benannten Kinderheims ein Jüdisches Landschulheim gegründet. Beim Pogrom vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Heim überfallen und die Bewohner vertrieben. kau/hkx