• Einbrüche in Potsdam-Mittelmark: Schutz gegen Einbrecher: Kleinmachnower sollen sich selbst helfen

Einbrüche in Potsdam-Mittelmark : Schutz gegen Einbrecher: Kleinmachnower sollen sich selbst helfen

In Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf wird immer häufiger eingebrochen. Aufgeklärt werden die wenigsten Taten. Bei der Prävention nehmen Polizei und Politik die Bürger in die Pflicht.

Martin Anton
Einfach aufgehebelt. Einbrecher kommen in den Speckgürtel-Gemeinden oft tagsüber, die Hälfte der Taten wird zwischen 6 und 21 Uhr begangen.
Einfach aufgehebelt. Einbrecher kommen in den Speckgürtel-Gemeinden oft tagsüber, die Hälfte der Taten wird zwischen 6 und 21 Uhr...Foto: D. Bockwoldt / dpa

Kleinmachnow - Die Gemeinden im Berliner Umland werden immer häufiger Ziel von Einbrechern. Während sowohl in Brandenburg als auch im gesamten Bundesgebiet die Zahlen im vergangenen Jahr zurückgingen, gab es in Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf einen drastischen Anstieg. Da passte es, das am Dienstagabend das Bürgerforum „Albtraum Einbruch, Albtraum Diebstahl" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung im Rathaus Kleinmachnow Halt machte. Vertreter von Politik, Verwaltung und Polizei berichteten den etwa 60 Gästen von den Entwicklungen bei der Einbruchskriminalität und versuchten, Lösungen aufzuzeigen.

Ingolf Niesler, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Potsdam, hatte die Zahlen parat. Demnach gab es in Kleinmachnow 2016 insgesamt 147 so genannte Wohnungseinbruchsdiebstähle - eine Steigerung von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Stahnsdorf waren es 44 Einbrüche, beziehungsweise Einbruchsversuche – 42 Prozent mehr als 2015. Wie die PNN bereits berichteten, stieg in Teltow die Zahle der Einbrüche sogar um 69 Prozent auf 137 Fälle. Anders sieht die Entwicklung in Werder oder der Gemeinde Schwielowsee aus. In Schwielowsee sank die Zahl der Einbrüche von 2015 auf 2016 um 39 Prozent auf elf Fälle. In Werder betrug der Rückgang acht Prozent, von 53 auf 49 Einbrüche. Mindestens die Hälfte der Einbrüche wird zwischen 6 Uhr und 21 Uhr, also tagsüber, begangen.

Mehr Einbrüche in Kleinmachnow: Gute Infrastruktur für eine schnelle Flucht

Als Gründe für die drastisch gestiegenen Zahlen etwa in Kleinmachnow führte Katrin Lange, Staatssekretärin im Brandenburger Innenministerium, die gute Infrastruktur für eine schnelle Flucht an. 65 Prozent der Wohnungseinbruchsdiebstähle in Brandenburg ereigneten sich im Speckgürtel. Außerdem mache der Zuzug gut verdienender Menschen die Gemeinden rund um Berlin attraktiv für Einbrecher.

Als Gegenmaßnahme habe die Landesregierung die Polizeipräsenz erhöht, die Zusammenarbeit mit der Berliner Polizei intensiviert. Außerdem solle die Polizei in den kommenden Jahren personell verstärkt werden. Manja Schüle von der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik Brandenburg und SPD-Bundestagskandidatin für den Wahlkreis 61, stellte Förderungsmaßnahmen des Bundes für die Prävention von Einbrüchen vor. So habe der Bundestag 100 Millionen Euro zusätzlich für kommunale Prävention beschlossen. Die bundeseigene Förderbank KfW vergebe Zuschüsse zu Maßnahmen zum Einbruchschutz. Außerdem sehe ein Gesetzentwurf eine höhere Bestrafung von Einbruchdiebstählen vor.

Schwierige Aufklärung

Polizeioberrat Niesler bestätigte die erhöhte Polizeipräsenz in den betroffenen Gemeinden, besonders in den Wintermonaten. Die niedrige Aufklärungsquote bei Einbrüchen in Brandenburg – in Kleinmachnow werden nur 5,4 Prozent der Fälle werden aufgeklärt – begründete er mit den speziellen Herausforderungen bei Einbruchdiebstählen. „Das ist in der Regel eine beziehungslose Tat mit diffuser Spurenlage.“ Die Suche nach und die Auswertung von Spuren sei eine Sisyphusarbeit. Gerade wenn von den Nachbarn keine Hinweise kämen, sei eine Aufklärung schwierig.

So riefen dann auch alle Podiumsteilnehmer am Dienstagabend die Kommunen und die Bürger selbst dazu auf, sich in der Einbruchsprävention zu engagieren. Dazu gehöre zum Beispiel, das eigene Haus „widerstandsfähiger“ gegen Einbrecher zu machen, wie Polizist Niesler es formulierte – etwa durch sicherere Fenster und Türen. Meist werden die nämlich von den Einbrechern einfach mit einem Schraubenzieher aufgehebelt.

„Die Polizei braucht die Bürger als Partner“

Außerdem helfe ein Wir-Gefühl, eine Identifizierung mit dem Wohnort. „Wenn es den Nachbarn nicht interessiert, wenn an Ihrem Gebäude etwas passiert, dann nützt auch die Alarmanlage nichts“, gab Niesler zu bedenken, und bekam Unterstützung von Staatssekretärin Lange: „Die Polizei braucht die Bürger als Partner.“

Wie die Zusammenarbeit zwischen Kommune, Polizei und Bürgern ablaufen kann, zeigte Janina Meyer-Klepsch vom Ordnungsamt der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin in ihrer Präsentation. Hier hatte die Verwaltung nach eine Häufung von Einbrüchen das Präventionsprojekt „Sichere Adresse Neuenhagen“ gestartet. Dabei stand laut Meyer-Klepsch nicht nur die Sicherung gegen Einbrüche im Blickpunkt, sondern auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger. Anstatt sich von den Meldungen über Einbrüche verunsichern zu lassen, sollten die Menschen ihre eigene Situation „objektiv hinterfragen“.

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Die Einbruchszahlen in Teltow sind wieder deutlich gestiegen - zuletzt um fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Polizeioberrat Ingolf Niesler erklärt im Interview, was die Diebe anzieht und was die Kommunen tun können.

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