Die Lieblinge zum Abschied : Galerie Töplitz eröffnet letzte Saison

Die Galerie Töplitz eröffnet ihre neue Saison. Allerdings zum letzten Mal. Kuratorin Marianne Kreutzberger und ihr Mann werden Ende des Jahres aufhören.

Die Werke und Arbeitsweisen der drei Künstler R. Atfeh, J. Plodek und S. Harwardt (v.l.) haben sich seit ihrer ersten Ausstellung in der Galerie im Jahr 2013 weiterentwickelt.
Die Werke und Arbeitsweisen der drei Künstler R. Atfeh, J. Plodek und S. Harwardt (v.l.) haben sich seit ihrer ersten Ausstellung...Foto: O. Winter

Töplitz - Nach 16 Jahren ist Schluss: Marianne Kreutzberger und ihr Mann Hans-Joachim Walter, die mit viel Herzblut und Engagement seit 2003 Ausstellungen in der Galerie Töplitz organisiert und kuratiert haben, werden Ende des Jahres aufhören. Das kündigte Kreutzberger am Donnerstag bei einem Pressegespräch zum diesjährigen Saisonauftakt in der Galerie an.

„Alles hat seine Zeit“, so Kreutzberger. Dem Verein Havel-Land-Art Töplitz, den sie 1994 mitgründeten, haben sie ihre Entscheidung bereits mitgeteilt. Nun soll bis Ende des Jahres eine Nachfolge für die beiden gefunden werden. Denn die Galerie, in der Kreutzberger und Walter stets spannende junge Künstler präsentierten, soll weiterhin bestehen bleiben.

Die Arbeit für die Galerie sei mit viel Aufwand verbunden gewesen, wie Kreutzberger erzählt. „Wir fahren zu den Universitäten, den Diplomstudiengängen und Ausstellungen und schauen uns die Nachwuchskünstler genau an.“ Außerdem bieten sie den Künstlern ihr eigenes Heim als Unterkunft an, bekochen und verpflegen sie in dieser Zeit.

Mit dieser besonderen Hingabe und ihrem Gespür für moderne Nachwuchskünstler haben die beiden es geschafft, dass sich die Galerie mit den Jahren einen kleinen, aber feinen Namen erarbeitet hat. So verschlug es 2005 auch den renommierten internationalen Künstler Johannes Grützke in die Räume.

Ein letzter Wunsch

Für die letzte Saison haben sich Kreutzberger und Walter einen Wunsch erfüllt: Zwei ihrer persönlichen Lieblingsausstellungen werden noch einmal, allerdings mit aktuellen Arbeiten der Künstler, in die Galerie geholt. Einmal Männer, einmal Frauen. Den Auftakt dazu machen ab dem morgigen Samstag April Rawad Atfeh, Sebastian Harwardt und Julian Plodek. Ihre Arbeiten stellten die drei Künstler, die sich vom Studium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle kennen, 2013 zum ersten Mal in Töplitz aus.

Der 36-jährige Harwardt zeigt vor allem großformatige Stillleben und Holzschnitte. Eines seiner Werke, zeigt die Auktion des Gemäldes "Nu couché" von Amedeo Modigliani im Jahr 2015. Das Bild erzielte damals beim Auktionshaus "Christie's" in New York rund 170 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 158,5 Millionen Euro. Die Welt des derzeitigen Kunstmarktes, in der Werke zu immer absurderen Höchstpreisen in den teuren Auktionshäusern versteigert werden, stoße ihn ab, sagt der Künstler. Die von ihm gemalten Auktionatoren, unter dem Modigliani-Bild stehend, scheint das Werk gar nicht zu interessieren. Sie blicken zu den Käufern oder hängen an ihren Mobiltelefonen, um den Meistbietenden zu finden. Unehrlich nennt Harwardt diese Welt.

"Ich wollte die Ehrlichkeit zeigen“

Seine anderen Bilder sieht er als Kontrast dazu. Auf Holzschnitten hat er Ansichten von Halle festgehalten. An den Gebäuden und Straßen finden sich Risse, bröckelnder Putz, kaputte Dächer, fehlende Steine im Gemäuer. „Dieser Verfall ist auch ein wichtiger Aspekt der Gegenwart. Ich wollte die Ehrlichkeit zeigen.“

Julian Plodek hat sich vor einigen Jahren vor allem an Stadtansichten und Landschaftsmalerei probiert. Vom Balkon seines Ateliers in Leipzig hat er sehr detailliert den Ausblick auf Häuserfassaden und Dächer auf die Leinwand gebracht. Heute malt er Landschaften nur noch auf Glas. Denn mit der Glasmalerei verdiene er vor allem sein Geld, erzählte der 35-Jährige. In seinen Gemälden hat er sich hingegen den Porträts verschrieben. Sein Großvater, ein Bildhauer, dem er bereits als Kind über die Schultern schauen durfte, war einer der ersten, der für ihn Porträt saß. Zwei Wochen hätten sie täglich sechs bis sieben Stunden gearbeitet, erzählt der Künstler. Das lebendige Gesicht des Großvaters, in dessen Falten und Linien sich das vergangene Leben abzeichnet, blickt zur Seite. Nur wenige Details sind im Hintergrund zu sehen. Plodek hat sich auf das Wesentliche konzentriert. „Ich dachte mir, die Bilder könnten reicher sein, wenn sie nicht mehr so viele Details enthalten“, erklärt er seinen Wandel. Eine unbekannte Frau, deren Foto er in einer Zeitung entdeckte, malte er im Stil der holländischen Barrockmalerei. Die moderne Trainingsjacke wir da zum edlen Pelz, die unechte Goldkette glänzt wie feinste Perlen.

Fleckige Arbeitsweise

Auch der 35-jährige Rawad Atfeh hat einen Wandel vollzogen. Hatte er auf früheren Bildern ebenfalls noch versucht, recht detailliert die Wirklichkeit zu reflektieren, arbeitet er heute klarer. „Ich versuche mir vorher bereits eine Vorstellung von meinem Werk zu machen, sie zu interpretieren“, sagt Atfeh, der 2008 zur Weiterbildung von Damaskus nach Deutschland kam. Luftig oder fleckig nennt er seine Arbeitsweise. Formen werden dargestellt, bleiben aber bis zu einem gewissen Grad immer abstrakt. Der Farbauftrag ist oft pastös, grob. Einer seiner Vorbilder sei Lucian Freud, der für seine unkonventionellen Porträts weltbekannt wurde. Eines von Freuds Bilder, das der 2011 verstorbene britische Maler nicht mehr fertigstellen konnte, hat Atfeh als Inspiration genutzt: Ein Hund, der zu schlafen scheint. Die Tiefe und das Plastische hat Atfeh durch die Bearbeitung der Nebenflächen, nicht der Formen selbst, herausgearbeitet. 

Rawad Atfehs von Lucian Freud inspirierter Hund.
Rawad Atfehs von Lucian Freud inspirierter Hund.Foto: O. Winter

Ein anderes Werk zeigt den weißen Tisch in seinem Atelier und die Dinge, die darauf zu finden sind: Schere, Gipsschädel, ein Rembrandt-Kunstbuch, zerknülltes Papier und vieles mehr. „Die Dinge sind eigentlich banal. Ich wollte schauen, ob sie von einem Betrachter anders wahrgenommen werden“, erklärt Atfeh.

Die Vernissage am morgigen Samstag wird traditionell um 16 Uhr mit einem Konzert in der Dorfkirche neben der Galerie eröffnet. Das Rossini-Quartett Magdeburg mit Marco Reiß (Violine), Ingo Fritz (Violine), Marcel Körner (Violoncello), Wolfram Wessel (Kontrabass) und der Mezzosopranistin Undine Dreißig spielt Werke von unter anderem Clara Schumann, Rossini, Mozart und Sarasate. Ab 17 Uhr öffnet die Galerie die Schau dann in Anwesenheit der Künstler. Die Ausstellung ist bis zum 14. April jeweils von Montag bis Freitag zwischen 16 und 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung mit den Künstlerinnen folgt dann im August.