Potsdam-Mittelmark : „Der Schaden ist nicht zu heilen“

Wasserstraßen-Neubauamtschef Rolf Dietrich über die Pläne für die marode Rammrath-Brücke

Foto: Solveig Schuster

Herr Dietrich, die Rammrath-Brücke hat Betonkrebs, das klingt dramatisch. Ist es das auch?

Die Rammrath-Brücke hat wie viele in den 1970er-Jahren errichtete Bauwerke ein Problem mit der Alkali-Kieselsäure-Reaktion, umgangssprachlich Betonkrebs. Infolge einer langsam ablaufenden chemischen Reaktion vergrößern die dem Beton bei der Herstellung beigemischten Zuschlagstoffe ihr Volumen und sprengen den Beton. Dadurch entstehen kontinuierlich fortschreitende Schäden wie Risse, die schon gut zu sehen sind.

Wie gefährlich ist das?

Der Schaden ist nicht zu heilen, irgendwann fällt die Brücke auseinander. Wann es soweit ist, lässt sich nicht prognostizieren. Es ist aber nicht auszuschließen, dass solch ein Ereignis plötzlich eintritt und sie kurzfristig gesperrt werden muss.

Daher wurde sie bereits gesichert.

Sie wurde präventiv von unten durch eine Hilfskonstruktion abgestützt, sodass die Autos nicht in den Kanal stürzen, wenn etwas passiert. Warum sperren Sie nicht schon jetzt?

Im Moment ist keine Gefahr im Verzug. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, das für die Unterhaltung der Brücke zuständig ist, prüft die Anlage jedes Jahr und führt bei Bedarf auch weitere Sicherungsmaßnahmen durch. Uns ist es wichtig, den Ersatzneubau, der unvermeidlich ist, gut vorzubereiten und zu planen, sodass er dann zügig umgesetzt werden kann, um die Nachteile für die Kommunen zu begrenzen. Wir müssen schnell vorankommen, da auch die benachbarte Knesebeckbrücke die gleichen Probleme hat und über kurz oder lang ersetzt werden muss. Wir wollen unbedingt vermeiden, dass beide Brücken gleichzeitig gesperrt werden müssen.

Wie weit sind Sie in der Vorbereitung?

Nach intensiven Gesprächen mit der Stadt Teltow und der Gemeinde Kleinmachnow haben wir die Bau- und Genehmigungsplanung wieder aufgenommen und planen die Baumaßnahme jetzt bis zur Ausschreibungsreife durch.

Das heißt, es bleibt bei einem Ersatzneubau, den der Bund zahlt?

Die Brücke wird etwa dreieinhalb bis vier Millionen Euro kosten, die der Bund als Eigentümer der Anlage zu 100 Prozent zahlt.

Damit behält sie ihre bisherige Breite?

Wir sind an gesetzliche Regelungen gebunden, da gibt es keinen Ermessensspielraum. Eine breitere Brücke wäre kein Ersatz und käme der Verbesserung des Verkehrswegs gleich. Hier gibt es klare Vorgaben der Kostenteilung. Eine Brücke, die über das bisherige Maß hinausgeht, müsste Teltow bezahlen. Die Stadtverordnetenversammlung von Teltow hatte aber bereits im Jahr 2011 einen Beschluss zum Ersatzneubau gefasst. Dieser ist weiter gültig.

Und der Radweg?

Es gibt eine Gefahrenquelle – an der Stelle, wo der Radweg auf der Brücke auf die Fahrbahn geführt wird. Die werden wir beseitigen. Wir werden dazu die Fahrbahn von acht auf sechs Meter verengen und dafür den Geh- und Radweg auf beiden Seiten auf drei Meter verbreitern. Das ist die Variante, für die sich auch die Stadt Teltow damals ausgesprochen hatte.

Wird es für die Dauer des Baus eine Behelfsbrücke geben, wie von den Kommunen gewünscht?

Für eine solche Brücke käme zu den Baukosten noch einmal eine Million Euro hinzu. So hohe Bauausgaben für einen Baubehelf können wir zu Lasten des Bundes nur finanzieren, wenn dafür eine zwingende Notwendigkeit gutachterlich nachgewiesen werden kann. Dieser Nachweis konnte aber trotz intensiver Bemühungen nicht erbracht werden. Gemeinsam ist es uns aber gelungen, eine Lösung für Fußgänger zu finden. Für die Dauer der Bauphase muss für die Leitungen eine Brückenkonstruktion geschaffen werden, hier kann man kostengünstig einen Steg für Fußgänger oben auflegen.

Und die Autos?

Der Durchgangsverkehr wird sich verteilen. Autofahrer von und nach Berlin oder Potsdam werden die Baustelle großräumig, etwa über die Autobahn, umfahren. Daneben haben wir vor Ort eine hohe Brückendichte, sowohl Friedens- als auch Knesebeckbrücke sind in Sichtweite. Der Anliegerverkehr soll im Wesentlichen über die Friedensbrücke umgeleitet werden, wie auch die beiden die Brücke überquerenden Buslinien 620 und N43.

Probleme fürchten die Kommunen vor allem beim Rettungsverkehr...

Die Rettungsdienste in der Region sind hervorragend organisiert. Es wurde gutachterlich nachgewiesen, dass ärztliche Notdienste auch bei einer Sperrung der Brücke die gesetzlich vorgegebenen Einsatzfristen einhalten können. Hier besteht kein Handlungsbedarf. Für den Brandschutz gibt es keine solchen Fristen. Die aktuell realisierbaren Einsatzzeiten der Feuerwehren können sich während der Sperrung an einigen Orten um bis zu einer oder zwei Minuten verlängern. Ob und wie hier noch gegengesteuert werden muss, wird noch diskutiert.

Noch bis Ende 2018 wird voraussichtlich an der Ruhlsdorfer Straße gebaut. Verkraftet Teltow noch eine Baustelle?

Soweit wir bis dahin alle erforderlichen Genehmigungen haben, könnte die Rammrath-Brücke ab dem Jahr 2018 abgerissen und relativ zügig ersetzt werden. Wir rechnen mit einer Bau- und Sperrzeit von 18 Monaten. Über einen genauen Zeitplan können wir aber erst reden, wenn die Brücke ausschreibungsreif ist. Wir haben aber zugesichert, die Bauleistungen so auszuschreiben, dass zeitgleich keine anderen großen Baumaßnahmen auf den Umleitungsstrecken stattfinden. Sollte das so sein, verschieben wir.

Das Gespräch führte Solveig Schuster

Rolf Dietrich, 54, ist seit 2008 Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes. Seine Ausbildung in der Wasserstraßenbautechnik absolvierte er an der Wasserbauschule in Kleinmachnow.

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