Debatte um Pflichtdienst : Diakonie: Freiwilligendienste besser stellen

Diakonie spricht sich gegen Dienstpflicht im Gesundheitswesen aus, drängt aber auf eine bessere Finanzierung der Freiwilligen.

Benjamin Lassiwe
Im Bundesfreiwilligendienst geht es darum, soziale Kompetenzen zu stärken. 
Im Bundesfreiwilligendienst geht es darum, soziale Kompetenzen zu stärken. Foto: Guido Kirchner/dpa

Potsdam - In der von Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) losgetretenen Debatte um eine allgemeine Dienstpflicht im Gesundheitswesen und dem Katastrophenschutz hat sich nun auch die Diakonie zu Wort gemeldet. Die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Pfarrerin Barbara Eschen, betonte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass das derzeit bereits angebotene „Freiwillige Soziale Jahr“ jeder Dienstpflicht vorzuziehen sei. „Unsere Einrichtungen der Diakonie machen gute Erfahrungen mit den Freiwilligen, die oft mit hoher Motivation in Kita, Altenhilfe, Krankenhaus, Wohnungslosenhilfe oder anderen sozialen Feldern arbeiten“, sagte Eschen. „Von Anfang an ist klar, dass es um eine Win-Win-Situation geht: Die jungen Erwachsenen geben ihre Zeit und sie erhalten begleitete Erfahrungen mit einem guten und interessanten Bildungsprogramm.“

"Freiwilligkeit ist das A und O"

Viele Menschen würden die Zeit zur persönlichen Orientierung etwa nach dem Schulabschluss nutzen. Darin würden sie in den Einrichtungen und durch die Referentinnen und Referenten des Diakonischen Werks unterstützt. „Wir legen Wert darauf, dass die Freiwilligen vor Ort gut begleitet werden“, so Eschen. „Sie sollen keine Fachkräfte ersetzen, sondern mit ihren Fähigkeiten das Leben dort bereichern.“ Dabei lernten sie viel und vertiefen soziale Kompetenzen.

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Wichtig sei der Diakonie aber, dass sich die jungen Leute freiwillig für einen Dienst entschieden. „Die Freiwilligkeit, die eigene Entscheidung ist das A und O dafür und muss erhalten bleiben“, sagte Eschen. „Die hohe Zahl der Bewerbungen spricht ebenfalls dafür.“ In der Diakonie versuche man, Freiwillige aus allen Bevölkerungsgruppen zu gewinnen, beispielsweise auch junge Geflüchtete oder Jugendliche mit einer schwierigeren Schullaufbahn. Das ist in der letzten Zeit auch oftmals gelungen. „Gut war auch die Einführung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD), der Menschen jeden Lebensalters den Einsatz als Freiwilligen ermöglicht“, sagte Eschen. Das nutzten Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen für neue Erfahrungen. „Auch hier wirkt das begleitende Bildungsprogramm bereichernd.“ Wichtig sei aber eine bessere Finanzierung. „Für alle Freiwilligen würde ich mir eine Erhöhung des Taschengeldes wünschen, zumal gerade die Kosten für die Unterkunft steigen“, sagte Eschen. „Das Mindeste ist die Freie Fahrt - also das kostenlose Ticket im Öffentlichen Nahverkehr.“ 

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