Potsdam-Mittelmark : Bundesverdienstkreuz geht nach Michendorf

Der in Wilhelmshorst lebende Clemens Stroetmann wird für sein Engagement in Hilfswerken geehrt

Thomas Lähns

Michendorf - Erneut erhält ein Bürger aus der Gemeinde Michendorf eine hohe Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement. Clemens Stoetmann, von 1987 bis 1994 CDU-Staatssekretär im Bundesumweltministerium, bekommt heute das Bundesverdienstkreuz von Ministerpräsident Matthias Platzeck in Potsdam verliehen. Stroetmann arbeitet als Rechtsanwalt in einer Berliner Kanzlei und lebt seit sechs Jahren in Wilhelmshorst. Für die Auszeichnung vorgeschlagen hatte ihn die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete, zu deren Mitbegründern Stroetmann gehört.

Noch immer würden mehrere Zehntausend Menschen auf der Welt unter Lepra leiden, sagte Stroetmann gestern im PNN-Gespräch. „Man kümmert sich immer zuerst um deren Gliedmaßen – dabei sind auch die Zähne wichtig, damit die Erkrankten Nahrung zu sich nehmen können“, erläuterte er. Das Hilfswerk sammle Geld und sorge für die nötige Ausrüstung von Zahnärzten, die in Leprastützpunkten in Asien, Afrika und Lateinamerika arbeiten. Die Mediziner sind meistens Einheimische. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, so Stroetmann. Die Mittel dafür werben deutsche Kollegen ein, indem sie ihren Patienten raten, gezogene Goldkronen zu spenden. Jährlich würden so 600 000 bis 800 000 Euro zusammenkommen, bilanzierte er.

Es ist eines von vielen Ehrenämtern, die der frühere Politiker inne hat. Er ist Kanzler des christlichen Lazarus-Ordens, der sich unter anderem um Waisenkinder in Rumänien kümmert, und Geschäftsführer des Bundes der Dualen Systeme in Deutschland sowie der Stiftung „Initiative Mehrweg“. Hinzu kommen diverse umweltpolitische Engagements. In Wilhelmshorst, am Hang des Ravensberges, hat er sich mit seiner Frau ein Refugium geschaffen. Die Villa aus dem Jahre 1907 ist eines der ältesten Häuser im Ort. Stoetmann hat sie erworben und saniert, nachdem seine Kanzlei sich in Berlin niedergelassen hatte. Durch einen früheren Mitarbeiter im Umweltministerium, selbst gebürtiger Wilhelmshorster, sei er auf die Waldgemeinde als Wohnort gekommen.

Stroetmann ist längst Wilhelmshorster geworden. Die Menschen im Ort hätten ihn willkommen geheißen, er ist gleich nach dem Umzug Mitglied des hiesigen CDU-Ortsverbandes geworden. Der Union hält er die Treue – obwohl ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel 1994 aus dem Amt entlassen hatte. Er war der damals noch jungen Umweltministerin offenbar zu profiliert gewesen. Denn als Staatssekretär hatte Stroetmann eine bahnbrechende Reform auf den Weg gebracht: Die Einführung des Grünen Punktes. Hatte es anfangs noch skeptische Stimmen gegeben, würden die Bürger heute die Mülltrennung als persönlichen Beitrag zum Umweltschutz begreifen, erläuterte er. Der Grundgedanke sei jedoch auch ein volkswirtschaftlicher gewesen: Das so genannte „urban mining“, also Bergbau in den Städten. Die Verpackungsberge in den Haushalten sollten zur Rohstoffgewinnung „abgebaut“ werden. „Mittlerweile sparen wir dadurch einen erheblichen Teil neuer Rohstoffe“, so Stroetmann. Heute habe sich dieser Gedanke europaweit durchgesetzt.

Der aktuelle Streit um die Gelbe Tonne im Landkreis kümmert ihn deshalb kaum: „Es geht ja nur um den Sammelbehälter“, sagt Clemens Stroetmann. Er hat die Tonne nach wie vor neben dem Haus zu stehen und sammelt darin die Wertstoffsäcke, bevor er die dann alle zwei Wochen an die Straße stellt – mit dem Wissen, dass es ihm Millionen Deutsche gleichtun. Thomas Lähns

Außerdem bekommen heute die Behindertensportlerin Marianne Buggenhagen und Joachim Wolff, Chefredakteur der Super-Illu, das Bundesverdienstkreuz.

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