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Brandenburg : Holländischer Jäger erschießt Wolf

Ein holländischer Jäger hat einen Wolf bei einer Jagd im Fläming erschossen, weil dieser seine Hunde angegriffen haben soll. Nun muss geklärt werden, ob es Notwehr war.

In Brandenburg leben laut Landesumweltamt 37 Wolfsrudel.
In Brandenburg leben laut Landesumweltamt 37 Wolfsrudel.Foto: Holger Hollemann/dpa (Archiv)

Rädigke - Ein Jäger hat am Freitag bei einer Jagd im Fläming einen Wolf erschossen. Einen entsprechenden Bericht des Jagdportals jawina bestätigte das Landesumweltamt am Montagmittag den PNN. „Wir haben keinen Zweifel, dass das getötete Tier ein Wolf ist“, so Amtssprecher Thomas Frey. Zum genauen Hergang habe das Landesumweltamt noch keine Erkenntnisse. Ein Rissgutachter sei am späten Freitagnachmittag von der Polizei in den Wald bestellt worden, der Tierkörper sei inzwischen im Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin zur Untersuchung. Dies geschehe mit allen toten Wölfen.

Wolf habe Jagdhunde angegriffen

Wie ein Sprecher der Polizeidirektion West mitteilte, sei die Polizei gegen 17 Uhr vom Jagdverantwortlichen darüber informiert worden, dass um 12 Uhr ein holländischer Jäger bei einer Treibjagd den Wolf erschossen hat. Der Schütze habe angegeben, dass der Wolf zuvor Jagdhunde angegriffen hat. Auf einen Warnschuss habe der Wolf nicht reagiert, daher habe der Jäger ihn erschossen. „Warum die Polizei erst fünf Stunden nach dem Vorfall informiert wurde, wird nun Gegenstand der Ermittlungen sein“, so der Sprecher auf PNN-Nachfrage. In den kommenden Tagen werde der Vorfall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die entscheiden müsse, in welche Richtung weiter ermittelt wird. Es wurde zunächst eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen. Ob es sich beim Verantwortlichen der Jagd um den Jagdpächter handelt, konnte die Polizei nicht klären.

Laut Jagdportal Jawina ist der Vorfall bei einer Drückjagd passiert. Zuvor soll der Wolf etwa zehn Meter am holländischen Jagdgast vorbeigegangen sein. Anscheinend habe das Tier Rehe gewittert, die auf einer nahen Lichtung zu sehen waren, und zog in einem Bogen um die Jagdgesellschaft herum. Jedoch hatten auch die Jagdhunde die Fährte der Rehe aufgenommen. Der Wolf sei daraufhin umgedreht und habe die Hunde angegriffen. Der Jäger habe laut Jawina-Bericht durch Schreien und Pfeifen erfolglos versucht, den Wolf zu vertreiben. Um seine Hunde zu retten, habe er den Wolf dann erschossen.

Ob dies rechtens war, werden nun die weiteren Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft klären müssen. Laut Landesumweltamt war der Wolfsbeauftragte vor Ort und habe den Fall begutachtet. Das Amt werde nicht gegen den verantwortlichen Jäger vorgehen. „Im Verlauf des Verfahrens werden wir höchstens als Gutachter gehört“, so Sprecher Thomas Frey.

Natuschützer fordern neue Jagdmethoden

Beim Naturschutzbund Brandenburg (Nabu) zeigt man Verständnis für das Handeln des Jägers, kritisiert aber die Jagdmethode. „Wenn der Wolf wirklich nicht auf den Warnschuss reagiert hat und sich auch sonst nicht vertreiben ließ, war möglicherweise der Notstand gegeben“, so Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder gegenüber den PNN. Der Wolf habe in diesem Fall womöglich den Respekt vor Schusswaffen verloren gehabt. Aus Tierschutzgründen könne der Jäger dann nicht zusehen, wie seine eigenen Hunde getötet werden.

Allerdings hätte Schröder zufolge gar keine Jagd mit nicht angeleinten Hunden in dem Revier stattfinden dürfen. „Es ist bekannt, dass im Fläming Wolfsrudel heimisch sind, und derzeit ist die Paarungszeit der Wölfe.“ Dementsprechend müssten Jäger davon ausgehen, auf einer Jagd Wölfen zu begegnen. Anscheinend sei da noch zusätzliche Sensibilisierung nötig, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Der Vorsitzende des für die Region zuständigen Belziger Jagdverbandes, Martin Bassüner, hält diesen Vorschlag aber für nicht praktikabel. „Im Dickicht kann man nicht mit angeleinten Hunden jagen“, so Bassüner. Überhaupt sei die Jagd in den großen Fläminger Wäldern mit angeleinten Hunden nicht durchführbar. Die ausgebildeten Hunde, die dabei zum Einsatz kommen, würden auch stets in Sichtweite der Jäger bleiben. Zum Vorfall selbst konnte er sich nicht äußern, da er selbst nicht vor Ort war und auch nicht weiß, wer die Jagd durchgeführt hat. 

Auch beim Landesjagdverband kannte man den Vorfall am Montag nur aus den Medien. „Sollte sich der Fall aber so zugetragen haben, ist es für uns durchaus nachvollziehbar, dass der Jäger seine Hunde retten wollte“, so Verbandssprecherin Anja Semmele. Die weiteren Ermittlungen müssten nun ergeben, ob es sich um Notwehr gehandelt habe. 

Bauernbund fordert Abschuss von hundert Wölfen

Auch der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes, Reinhard Jung, kann den Abschuss des Wolfes nachvollziehen. „Der Jäger hat absolut korrekt gehandelt. Gleich ob Jagdhund oder Zuchtkalb - es ist das Recht jedes Tierhalters, besonders wertvolle Tiere in Notwehr gegen angreifende Wölfe zu verteidigen.“ Jung wiederholte die Forderung des Bauernbundes an die Landesregierung, in diesem Jahr mindestens hundert Wölfe zum Abschuss freizugeben, damit die Population nicht weiter wächst.