• Bis Jahresende kostenlos: Brandenburgs erste Elektro-Buslinie fährt in Werder (Havel)

Bis Jahresende kostenlos : Brandenburgs erste Elektro-Buslinie fährt in Werder (Havel)

In Werder kann man dieses Jahr kostenlos mit dem E-Bus fahren - vermutlich nicht das letzte Mobilitätsexperiment in der Havelstadt. Es wird bereits über weitere Projekte nachgedacht.

Zwei batteriebetriebene Minibusse fahren ab Dienstag in Werder (Havel).
Zwei batteriebetriebene Minibusse fahren ab Dienstag in Werder (Havel).Foto: Sebastian Gabsch

Werder (Havel) - Lautlos durch die Altstadt: Mit dem E30 ging am Freitag in Werder (Havel) Brandenburgs erste komplett elektrische Buslinie an den Start. Der E-Vito für maximal sechs Fahrgäste soll ab Dienstag zwischen Plantagenplatz, Markt und Insel-Altstadt verkehren. „Nach der Einweihung der E-Ladesäulen auf unserem Altstadtparkplatz und der Ausstattung der städtischen Fahrzeugflotte mit zwei E-Autos ist dieses tolle Pilotprojekt im Land Brandenburg ein nächster Schritt zur Elektromobilität in der Region“, sagte Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) anlässlich der Vorstellung des Busses. „Kostenlos macht das Ausprobieren sogar noch mehr Spaß.“ Tatsächlich ist die Benutzung von E30 in diesem Jahr gebührenfrei, um die Attraktivität des Angebots zu steigern, ab 2021 gilt der normale VBB-Tarif.

Den Bus hat die Stadt Werder mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und der Regiobus Potsdam Mittelmark GmbH für eine zweijährige Testphase geleast. Die monatliche Miete liege bei 800 bis 1000 Euro, so Regiobus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig. Die Batterie des Kleinbusses habe eine Reichweite von etwa 150 Kilometern. Ein neues Modell, das das jetzige in einem halben Jahr ersetzen soll, werde sogar 420 Kilometer Reichweite haben.

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Lob vom Staatssekretär

Die Vorzüge lobte auch Rainer Genilke, Staatssekretär im brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur: „Elektromobilität ermöglicht einen leisen und sauberen ÖPNV und bietet damit eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Antriebsarten. Davon profitieren besonders die Innenstädte.“ Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD) hob die vorzeitige Umsetzung des Projektes hervor: „Im neuen Nahverkehrsplan ist das Themenfeld elektrisches und autonomes Fahren mit dem Testfeld Altstadtinsel Werder (Havel) noch als eine zukünftige Maßnahme aufgenommen. Wir sind stolz, dass der Landkreis diese Maßnahme bereits jetzt umsetzen kann.“

Die Altstadt von Werder sei nicht nur geeignet für die touristische Erschließung durch Elektro-Busse, sondern auch für weitere Mobilitätsexperimente prädestiniert, so Hennig: „Unser Erfolgsprodukt Powerbus wird so fortgeführt und verspricht in Kooperation mit der TU Dresden ein interessantes Prüflabor für autonomes Fahren unter realen Bedingungen zu werden.“ Auch über Projekte mit Wasserstoff-Antrieben und weiteren Hybrid-Antrieben denke man bei Regiobus weiter nach, sagte Hennig.

Linie verkehrt im 30-Minuten-Takt

Mit der neuen Linie werden in Werder auch Orte für den Öffentlichen Nahverkehr erschlossen, die bislang nicht von Bussen angefahren wurden: Mit dem E30 gelangt man etwa zum Alten Rathaus, zum Sportplatz, zum Ruderclub und zum Schützenhaus. Die Befahrung mit dem bisher auf die Insel führenden Linienbus 630 war nur bis zum Markt möglich. 

Durch E30 entfällt nun der Halt des Busses 630 an der Haltestelle „Werder (Havel), Markt“. Auch wird der Abschnitt von „Am Gutshof“ bis „Strengbrücke“ samstags nicht mehr von der Linie 630 bedient. Die Linie E30 verkehrt von Montag bis Samstag jeweils von 9.10 bis 12.40 Uhr und von 13.40 bis 16.40 Uhr im 30-Minuten-Takt in einem Rundkurs mit acht Haltestellen von der Post durch die Altstadt auf der Insel und zurück.

Hintergrund

Der E30 ist nicht die einzige Innovation bei Regiobus: Zur Flächendesinfektion nutzt Regiobus ab Mitte Juni ein neuartiges Mittel namens Dyphox, mit dem laut Hersteller Bakterien, Viren, Pilze und sogar multiresistente Keime bis zu zwölf Monate lang unschädlich gemacht werden sollen. Dazu wird eine Schicht mit Aktivsauerstoff aufgetragen. 

Die Langzeitwirkung ergibt sich, da der Aktivsauerstoff durch Tageslicht oder Kunstlicht immer wieder neu entsteht. Das Mittel enthalte weder Biozide noch andere giftige Stoffe und sei für den Menschen unschädlich. Regiobus sei bundesweit erst das dritte Verkehrsbetrieb, der das Mittel für seine 150 Busse nutze, so Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig: „Kollegen aus Regensburg und Tübingen haben bereits gute Erfahrungen mit dem Desinfektionsmittel gesammelt. Mit ihm entfällt das aufwendige tägliche Auftragen bisher verwendeter Mittel.“ Die Wirkung sei im Klinikeinsatz erprobt und von verschiedenen Prüflaboren zertifiziert worden.

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