Beelitzer Spargel : Buntes zwischen Folien

Die Spargelsaison ist eröffnet: Zum Start geben sich die Bauern umweltbewusst mit Blühstreifen oder experimentieren mit Heizspargel. Der Konkurrenzdruck wächst.

Weiße Wüste. Die Spargelfelder rund um Beelitz liegen derzeit unter Folie. Die Planen haben eine weiße und eine schwarze Seite, so kann die Temperatur im Damm reguliert werden. An den Ständen soll das erste Edelgemüse Anfang kommender Woche angeboten werden, für weniger als zehn Euro pro Kilogramm.
Weiße Wüste. Die Spargelfelder rund um Beelitz liegen derzeit unter Folie. Die Planen haben eine weiße und eine schwarze Seite, so...Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Beelitz - Feld an Feld, Folie an Folie: Was Naturschützern ein Dorn im Auge ist, haben die Beelitzer Landwirte in diesem Jahr zum Saisonauftakt am gestrigen Donnerstag in Schlunkendorf zum Thema gemacht. Es gehe nicht ohne Folien, die die Temperatur im Spargeldamm regulieren und so die Erntemenge steuerbarer machen, so Spargelbauer Jürgen Jakobs. „Aber als Landwirte sind wir auch Umweltschützer.“ Und deshalb hätten sich die Bauern der 14 Spargelhöfe rund um Beelitz dazu verpflichtet, insgesamt bis zu 100 Hektar für Blühstreifen zur Verfügung zu stellen.

Die Spargelbauern kooperieren dabei mit dem Beelitzer Verein Blühstreifen, der sich seit März 2017 dafür einsetzt, dass der Sommer nicht nur grün, sondern auch wieder bunter wird. Saatmischungen mit bis zu 50 heimischen Wildpflanzenarten wie Kornblume, Färberkamille oder Flockenblume sollen gegen das Insektensterben helfen.

„Das Problem sind nicht die Folien an sich, sondern die Menge an Folien.“

Den Naturschützern indes geht das nicht weit genug: „Die Blühstreifen sind ein erster wichtiger Schritt“, sagte die Geschäftsführerin des Brandenburger Naturschutzbundes Nabu, Christiane Schröder, den PNN. Jedoch appellierte sie erneut an die Landwirte, den Einsatz von Folien mit Augenmaß zu betreiben. Laut Schröder seien in den letzten fünf bis sechs Jahren die Anbauflächen für den Spargel rund um Berlin stetig gewachsen. Mit der Folge, dass ein folienbedecktes Spargelfeld sich an das nächste reihe. Schröder wirbt dafür, zwischen den Spargelfeldern auch andere Ackerkulturen anzupflanzen, das Folienmeer zu durchbrechen. So würde die in Brandenburg schon stark dezimierte Vogelpopulation auch wieder mehr Futter finden.

„Das Problem sind nicht die Folien an sich, sondern die Menge an Folien“, so Schröder. Besonders ärgerlich sei der Folienanbau in Vogelschutzgebieten – gegen Landwirte in Mötzow bei Brandenburg/Havel sei der Nabu bereits vorgegangen und habe die Untere Naturschutzbehörde auf den Plan gerufen. Mit dem Ergebnis, dass die Folien erst im März und nicht schon im Oktober auf die Felder kommen. Die Beelitzer Felder liegen zwar nicht in einem Vogelschutzgebiet, aber im Landschaftsschutzgebiet Nuthe-Nieplitz. Auch hier sollte, so der Appell der Naturschützer, der Einsatz von Folien auf ein Minimum beschränkt werden.

Die Spargelsaison begann mit zwei Wochen Verspätung

Dass dies auf den Beelitzer Feldern bereits der Fall sei, betonte Manfred Schmidt vom Beelitzer Spargelverein. Die Folien mit ihrer weißen und schwarzen Seite dienen dazu, das Wachstum des Spargels zu steuern. Bis zum Johannistag, dem 24. Juni, wird traditionell Spargel gestochen. Danach kommen die Folien von den Feldern und aus den Dämmen schießen grüne Büsche, durch die das Wurzelgemüse seine Energie für die nächste Saison erhält. Bis zum ersten Frost sind es so mindestens hundert Tage, an denen die Pflanze Fotosynthese betreiben kann.

Die diesjährige Spargelsaison hat zwei Wochen verspätet begonnen, der März sei zu kalt gewesen. Im Vorjahr sah das noch anders aus: Gab es 2017 schon Ende März den ersten Spargel, wurde es danach nochmal fünf Wochen lang kalt, danach gab es Spargel im Überfluss. Auch durch den späteren Saisonstart in diesem Jahr befürchtet Spargelbauer Jürgen Jakobs einen Preisdruck. Ab kommender Woche soll es die ersten Stangen im Handel geben. Dann soll der Preis für das Kilo bereits unter zehn Euro liegen, kündigte Spargelbauer Ernst-August Winkelmann an.

Heizspargel: 30 Euro pro Kilogramm

Beelitz größter Spargelbetrieb Buschmann & Winkelmann hat in diesem Jahr indes einen ersten Versuch mit sogenanntem Heizspargel gestartet. Auf einem rund drei Hektar großen Feld bei Gottow im Landkreis Teltow-Fläming nutzt der Spargellandwirt die Abwärme aus einer Biogasanlage, um dem Stangengemüse einzuheizen. Rund vier Wochen vor offiziellem Saisonstart gebe es Spargel aus den bis auf 25 Grad angewärmten Dämmen. Laut Winkelmann würde es sich um ein lohnendes Geschäft handeln. „Warum soll aus Südamerika Spargel importiert werden, wenn wir ihn hier auch schon früher anbauen können?“

Wie berichtet hatte Winkelmann unter anderem den frühen Spargel in das Berliner Kaufhaus KaDeWe geliefert – für 30 Euro pro Kilogramm. Sollte der Versuch erfolgreich laufen, will er den Anbau von Heizspargel ausbauen. Auch ein Landwirt aus Luckenwalde (Teltow-Fläming) setzt bereits auf die Fußbodenheizung in den Spargeldämmen und nutzt die Wärme seiner Anlage, in der Kuhmist zu Metangas vergährt.

Für die anderen Beelitzer Landwirte ist der Heizspargel keine Konkurrenz: Spargel vor dem Saisonstart bleibe ein Nischenprodukt, bestätigen gleich mehrere Bauern am Donnerstag. Nur wenige Kunden seien bereit, so viel Geld für die Stangen zu zahlen. Auch die Naturschützer haben keine Einwände, der Anbau auf kleinen Flächen sei ökologisch nicht weiter bedenklich.

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HINTERGRUND: Erster Spargelroboter in Frankreich unterwegs

Ein niederländisches Hightech-Start-up will die Spargelernte revolutionieren und hat Ende März einen Spargelernteroboter präsentiert. Eingesetzt werden soll er erstmals auf Feldern in Frankreich.

Drei Jahre lang wurde an der Maschine getüftelt. Die Firma Cerescon hat ihren Roboter nach eigenen Angaben in enger Zusammenarbeit mit Spargelanbaubetrieben in Deutschland und den Niederlanden entwickelt. Das Besondere an dem Roboter: Er erfasst den Spargel unterirdisch und erntet ihn während der Fahrt. Im Vergleich zur Ernte mit der Hand soll dass die Kosten halbieren und die Stangen sollen sogar besser schmecken. Denn beim Spargelstechen von Hand werde die ein oder andere Stange nicht erfasst und rage bei der nächsten Ernte zu weit aus dem Damm heraus. Der Spargelvollernter erntet auf bis zu 50 Hektar pro Saison und soll laut dem Hersteller rund 70 Saisonarbeitskräfte ersetzen, die sich aufgrund der Schwere der Arbeit immer schwerer finden lassen. 

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