Beelitz : Spargel wird nach Ostern günstiger

Die Beelitzer Spargelsaison ist am Montag offiziell eröffnet worden. Die Ernte lief bisher gut an. Doch die Nachfrage nach dem Gemüse bereitet auch Probleme.

Spargelkönigin Kristin Reich.
Spargelkönigin Kristin Reich.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Beelitz - Mit beiden Händen buddelt Ernst-August Winkelmann die ersten Spargelstangen frei, damit sie gestochen werden können. In dem Meer aus weißen Folien und märkischem Sand stehen der brandenburgische Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) und die neue Spargelkönigin Kristin Reich mit ihren Spargelmessern bereit. Ein kurzer Ruck und schon halten sie die edlen weißen Stangen in ihren Händen. 

Bis 12.000Tonnen Spargel

Am Montag war die offizielle Eröffnung der Beelitzer Spargelsaison. Bei strahlendem Sonnenschein lud der Spargel- und Erlebnishof Klaistow zahlreiche Gäste auf seine Felder zum Spargelstechen und zum Probieren vor Ort in sein Hofrestaurant ein. Die Ernte sei gut angelaufen, sagt Jürgen Jakobs, der Vereinsvorsitzende des Beelitzer Spargelvereins. Er schätzt, dass zwischen zehn bis zwölf Tausend Tonnen Spargel in diesem Jahr geerntet werden. Die Saison startet wegen des milden Frühlings rund eine Woche früher als erwartet.

Spargelbauer Ernst-August Winkelmann.
Spargelbauer Ernst-August Winkelmann.Foto: Sebastian Gabsch PNN


Damit die Stangen rechtzeitig in den Supermärkten und auf den Tellern landen, sind rund 2500 bis 3000 Saisonarbeiter aus Polen und Rumänien in der Region um Beelitz im Einsatz. Alleine auf seinem Spargel- und Erlebnishof Klaistow sind es 800, erzählt Spargelbauer Winkelmann. „Sie sind das Rückgrat unseres Betriebes“, sagt er. Ohne sie würde es nicht gehen. „Der Spargel ist ein schweres Geschäft“, sagt auch Jürgen Jakobs. Es sei daher nicht mehr ganz so einfach, Arbeiter für die Saison zu finden. „Wir müssen mit anderen Branchen konkurrieren, wie etwa den Versandunternehmen.“ Noch würden die Spargelbauern aber genug Leute in Polen und Rumänien für ihre Ernte finden. 9,19 Euro bekommen die Saisonarbeiter die Stunde. Zudem werden sie kostenlos untergebracht und verköstigt. In Einsatz dauert etwa drei Monate, bis Ende Juni.

Einige Spargelhöfe reduzierten ihre Flächen

In Beelitz, der größten Anbauregion in Brandenburg, wächst das beliebte Gemüse auf rund 1700 Hektar. Der Spargel rund um die Region darf seit vergangenem Frühjahr das Siegel „geschützte geografische Angabe“ tragen – eine EU-Marke. Doch die Nachfrage nach dem Gemüse bereitet auch Probleme: Wie berichtet hatten einige Spargelhöfe, wegen des Überangebots im vergangenen Jahr und den damit einhergehenden sinkenden Preisen, einen Teil ihrer Spargelflächen reduziert. Laut Jakobs sind in der Region Beelitz rund zehn Prozent der Anbauflächen betroffen.

Auch Winkelmann hat seine Produktion um rund zehn Prozent reduziert. Die Reduzierung erreiche man, indem man Anbauflächen früher aus der Produktion nehme. Dafür setze der Betrieb nun stärker auf Heidelbeeren, die auf rund 280 Hektar angebaut werden. „Das passt sehr gut zusammen. Wenn die Spargelzeit vorbei ist, fängt die Heidelbeersaison an“, so Winkelmann.

Gäste werden zu den Anbaufeldern gefahren

In diesem Jahr hat der Spargelhof Klaistow außerdem eine neue Attraktion. Mit einem sogenannten Feldexpress können die Gäste zu den Anbaufeldern gefahren werden. Ein Trecker mit mehreren Sitzanhängern. „Wir wollen den Menschen unsere Gärten und Felder nahebringen“, sagt Winkelmann. Ein weiterer Express, der bald hinzukomme, werde durch den naheliegenden Wald fahren. Die Ausflüge werde es bis zum Herbst geben. Sie sollen pro Person 2 Euro kosten.

Umweltschützer kritisieren die Folienfelder.
Umweltschützer kritisieren die Folienfelder.Foto: Sebastian Gabsch


Thema, auch in diesem Jahr, waren die Folien, mit denen der Spargel auf den Feldern abgedeckt wird. Umweltschützer kritisieren immer wieder, dass dadurch der Lebensraum vieler Tier- und Insektenarten eingeschränkt wird. Wer den Folienanbau abschaffen wolle, schade den regionalen Bauern, sagte Landrat Wolfgang Blasig (SPD) bei der Eröffnung. „Das ist ein enormer Wirtschaftsfaktor. Sehr viele Arbeitsplätze hängen davon ab“, so Blasig. 

Auch Jakobs sieht die Kritik an der Anbauweise nicht berechtigt. Die Folien, die die Erddämme vor dem Austrocknen und Bodenerosion schützen, seien notwendig, um den weißen Spargel zu schützen. Zudem sei der Spargel ohne Folien deutlich arbeitsintensiver. „Wenn man ohne Folien anbaut, muss man den Spargel alle acht Stunden ernten“, sagte Jakobs. Sonst sei er nicht mehr brauchbar. Mit Folien werde rund alle 24 Stunden geerntet. Zudem wolle der Kunde lieber den weißen als den grünen Spargel auf seinem Teller.

Der Beelitzer Spargel wird bis Ostern 12 Euro pro Kilogramm kosten, sagte Jakobs. Erst nach Ostern werde der Preis dann auf unter 10 Euro sinken.