Baupläne in Stahnsdorf : 2000 neue Wohnungen am künftigen S-Bahnhof

Planer rechnen mit einem Zuzug von 5000 Menschen, wenn Stahnsdorf einst einen Anschluss an die S-Bahn bekommt. Es gibt bereits erste Pläne für das neue Wohnareal.

Auf dem Stahnsdorfer Areal nahe der neuen Landesstraße 77 könnten einmal 2000 Wohnungen entstehen. 
Auf dem Stahnsdorfer Areal nahe der neuen Landesstraße 77 könnten einmal 2000 Wohnungen entstehen. Foto: Andreas Klaer

Stahnsdorf - Es sind große Pläne für das wachsende Stahnsdorf: Stadtplaner Siegfried Reibetanz hat im jüngsten Bauausschuss zum ersten Mal aufgezeigt, wie die Kommune das Areal rund um den möglichen S-Bahnhof der Kommune entwickeln könnte.

Wo jetzt noch grüne Wiese und Äcker sind, könnte am Stahnsdorfer Blumenviertel ein neues Quartier mit bis zu 2000 Wohnungen entstehen, das 5000 Menschen Platz bieten soll. Die Vision des Planers: ein Mischgebiet mit Mietwohnungen, Immobilien im Eigentum und Gewerbe. Entstehen könnte nahe des S-Bahnhofes auch ein Bürgerzentrum, ein Bildungscampus und Stahnsdorfs neue Ortsmitte mit Einkaufsmöglichkeiten und Cafés.

Passivhäuser und wenig Autoverkehr

Wie die künftige Bebauung der Fläche aussehen könnte, dazu gibt es schon recht konkrete Vorstellungen: Reibetanz spricht davon, dass es zum Ortsrand hin eine kleinteilige Bebauung geben könnte, die sich nach innen verdichtet. Ein Wohnriegel soll das neue Quartier vom Autolärm der bereits im Bau befindlichen Landesstraße 77 schützen. Das Quartier könnte nachhaltig, mit Häusern in Passivbauweise und mit wenig Autoverkehr errichtet werden. Eine Idee ist auch, genossenschaftliches Bauen in Form von Baugruppen zu fördern.

S-Bahn-Pläne. Rot ist die Verlängerung nach Stahnsdorf. 
S-Bahn-Pläne. Rot ist die Verlängerung nach Stahnsdorf. Grafik: Tsp/Klöpfel

Dass Reibetanz bereits so weitreichende Pläne erstellt hat – obwohl noch nicht einmal klar ist, ob und wann die S-Bahnverlängerung bis Stahnsdorf kommt, liegt an dem Lebensmitteleinzelhändler Edeka. Das Unternehmen hat eine Fläche auf der grünen Wiese, nahe der derzeit entstehenden Landesstraße 77, gekauft. Sobald die Stahnsdorfer Ortsumfahrung, die im Süden an die Landesstraße 40 angebunden ist, fertiggestellt ist, verspricht sich der Konzern an seinem neuen Standort viele Kunden. Um jedoch Baurecht zu bekommen, reicht es in solchen Fällen nicht aus, einfach nur einen Bauantrag zu stellen, erklärt Reibetanz.

Supermarktkette Edeka hofft auf Baurecht für neuen Markt

Eine Erschließung auf der grünen Wiese sei nicht ohne weiteres möglich. Möchte ein Supermarkt Baurecht erlangen, müsse der Antragssteller zumindest eine mögliche Entwicklung des Areals von einem Planer skizzieren lassen, so Reibetanz. Er verweist auf die Landesplanung der Hauptstadtregion. Darin ist festgeschrieben, dass „die Entwicklung des großflächigen Einzelhandels räumlich geordnet und zu diesem Zweck regelmäßig auf zentrale Orte konzentriert wird“.

Planungsprojekte wie in Stahnsdorf würde Reibetanz im gesamten Umland für Einzelhandelsunternehmen durchführen, sagte der Berliner Planer gegenüber den PNN. Auch einer der Flächeneigentümer in Stahnsdorf hat sich mit Reibetanz zu einer möglichen Planung zusammengesetzt.

„Wichtig ist aus meiner Sicht, dass Stahnsdorf die Gesamtentwicklung der Fläche aufeinander abstimmt“, betont der Planer. Immerhin handele es sich um ein Areal, das sowohl an den Öffentlichen Nahverkehr wie auch an die Landesstraßen gut angebunden ist und dadurch für viele mögliche Bauherren und Wohnungssuchende attraktiv sein wird.

"Berliner Modell" für Stahnsdorf

Ohne Gesamtplanung könnte die Kommune einen Bebauungsplan nach dem anderen aufstellen, die Investoren nach ihrem Wunsch die Flächen bebauen – und damit im Zweifelsfall alles zubauen. Reibetanz hingegen spricht vom „Berliner Modell“, das ihm in Stahnsdorf vorschwebt. So sieht das „Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung“ als festen Bestandteil jedes größeren Neubauvorhabens Miet- und Sozialwohnungen vor. Der Investor muss ebenso die Kosten für die soziale und technische Infrastruktur tragen, also anteilig den Ausbau von Kita- und Grundschulplätzen oder für Grün- und Spielplatzflächen mitfinanzieren.

Die Entwicklung des neuen Quartiers rund um den Bahnhof sollte laut Reibetanz im demnächst anlaufenden integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) zusammen mit den Stahnsdorfer Bürgern diskutiert werden.

Bürger sollen mitdiskutieren

Das sieht auch die Verwaltung so. Sie hat vor wenigen Tagen die Ausschreibung für das Zukunftskonzept gestartet, in vier Wochen sollen Ergebnisse vorliegen und die Gemeinde einen Anbieter aussuchen, mit dem sie den rund 15 Monate dauernden Prozess angeht. Auf die Frage, was die Verwaltung von den Plänen halte, sagte Gemeindespecher Stephan Reitzig: „Den Insek-Diskussionen ist nicht vorzugreifen.“ Klar sei bisher lediglich, dass an dem möglichen S-Bahnhof der neue zentrale Busbahnhof für die Teltower Region entstehen soll. Reitzig sagte zur Ansiedlung des Edekas, dass sich Vollsortimenter eigentlich nur in Mittelzentren ansiedeln dürften – dazu zählt Stahnsdorf aber nicht, sondern nur der Nachbar Teltow.

Wie geht es mit den S-Bahn-Plänen weiter?

Wann und ob die S-Bahn-Verlängerung von Teltow nach Stahnsdorf kommen wird, ist derzeit noch offen. Auf Anfrage im Infrastrukturministerium und bei der Deutschen Bahn hieß es dazu, dass weder mit der Detailplanung begonnen worden ist, noch ein Zeitrahmen oder eine Kostenschätzung bereits stehen. „Wir befinden uns aktuell in Verhandlungen mit dem Ministerium in Bezug auf die Finanzierung weiterer Planungsschritte“, sagte Gisbert Gahler, Sprecher der Deutschen Bahn. Die Verlängerung der Strecke ist Teil des Investitionsprogrammes i2030, in dessen Rahmen mehrere Streckenneu- oder Ausbauten rund um Berlin geprüft werden.