Bad Belzig : Letzter Kreißsaal in Potsdam-Mittelmark schließt

Zu wenig Geburten im Bad Belziger Krankenhaus. Als Ausgleich soll im Potsdamer Klinikum ein fünfter Kreißsaal eröffnet werden.

Andreas Koska

Bad Belzig - Den Schwangeren rund um Bad Belzig dürfte es wie ein schlechter Aprilscherz vorkommen, es ist aber keiner: Der Kreißsaal im örtlichen Krankenhaus wird am 1. April um 0 Uhr geschlossen. Damit ist die letzte Geburtshilfestation im Landkreis Potsdam-Mittelmark nach 53 Jahren Geschichte. Dass es keine Zukunft gab, war für Wolfgang Blasig (SPD) absehbar. „Das Thema haben wir seit fünf Jahren auf der Tagesordnung“, so der Landrat. „Auch wenn es kein glücklicher Tag ist, musste aufgrund der Zahlen eine Konsequenz gezogen werden.“

Der Landkreis hält noch 25,1 Prozent an der Klinik und ist somit Mitgesellschafter. Die anderen Anteile sind vor einem Dreivierteljahr von den Johannitern ans Potsdamer Bergmann-Klinikum verkauft worden, das damit das Sagen im Kreiskrankenhaus hat. Tatsächlich erblickten in der Kreisstadt immer weniger Kinder das Licht der Welt. Waren es im Jahr 2011 noch 257 Geburten, so sank die Zahl im Vorjahr auf 185 Neugeborene. Für den Potsdamer Gesellschafter zu wenig. „Es ist uns nicht gelungen, die Qualität anzubieten, die wir uns gewünscht hätten“, betonte Klinikums-Geschäftsführer Steffen Grebner.

Er sieht mehrere Gründe für den Niedergang. Zum einen sei es der Klinik nicht gelungen, Fachpersonal in den ländlichen Raum zu locken: Weder Fachärzte noch Hebammen habe man vom Standort überzeugen können. „Doch steht für uns die Qualität in der Gesundheitsversorgung an erster Stelle, die wir ohne Fachärzte und Hebammen nicht gewährleisten können“, so Grebner. Zum anderen wird von ihm der demografische Wandel ins Feld geführt.

Ob dies auch in der Region zutrifft, mag man zumindest anzweifeln. Betroffene Hebammen verweisen darauf, dass die Kindertagesstätten der Umgebung zum Bersten voll sind, wie seit Jahren nicht mehr. „Es wurde auch politisch gesteuert“, glaubt zumindest Andrea Hennig. Sie ist eine von vier Hebammen, die im Verbund mit der Klinik zusammenarbeiten.

„Die Strukturen vor Ort sind schwierig, ein Kinderarzt ist nicht immer vor Ort“, so ihre Erfahrung. „Die Wartezeit kann dann bis zu eineinhalb Stunden betragen.“ Hennig räumt ein, dass die Geburtenzahl zu gering ist. „Für viele Gebärende war es jedoch wichtig, hier zu sein“, so die Geburtshelferin. Jetzt werden die werdenden Mütter in Potsdam, Brandenburg an der Havel und im sachsen-anhaltinischen Wittenberg entbinden müssen. Zumindest mit Brandenburg und Potsdam sind schon Kooperationsgespräche geführt worden. „Mit Wittenberg werden wir jetzt das Gespräch suchen“, so Grebner.

Für die leitende Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe, Gudrun Schwerdtfeger, geht eine Ära zu Ende. „Ich bin stolz auf meine kleine, familiäre Geburtshilfe“, so die Ärztin, die seit 21 Jahren im Hause arbeitet und am Mittwoch Tränen in den Augen hatte. Allerdings sieht auch sie, dass eine Notfallversorgung von Risikogeburten in Bad Belzig nicht mehr gewährleistet werden kann und eine Verlagerung unumgänglich ist. So wird im Potsdamer Mutterhaus jetzt ein fünfter Kreißsaal eröffnet und werdende Mütter können schon vor dem Geburtstermin ein Appartement in einem der klinikeigenen Potsdamer Boarding-Häuser beziehen.

Um trotzdem auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, werden jetzt alle Rettungsärzte und -sanitäter mehrere Schulungen absolvieren, um bei Spontangeburten die Erstversorgung zu übernehmen. Danach werden die Gebärenden mit Notarzt und Krankenwagen in eines der Perinatalzentren gefahren, kündigte der Ärztliche Leiter der Belziger Klinik, Reinhard Engel, an. „Im Februar finden zwei Lehrgänge statt, diese werden danach alljährlich wiederholt.“

Dass den Verantwortlichen die Entscheidung nicht leichtgefallen ist, zeigte die Anwesenheit der brandenburgischen Gesundheitsministerin, der die Aufgabe zufiel, die Entscheidung zu verkünden. „Die Sicherheit für Mutter und Kind steht an erster Stelle, dies ist unter den Rahmenbedingungen der Geburtshilfe in Bad Belzig ab dem 1. April 2015 nicht mehr gegeben, deshalb hat die Klinik in Bad Belzig ihren Versorgungsauftrag jetzt zurückgegeben, über diese Nachricht bin ich alles andere als glücklich“, so Diana Golze (Linke). Immerhin soll der Standort Bad Belzig als solcher gestärkt werden. Auch die Gynäkologie wird ausgebaut.

Am heutigen Donnerstagnachmittag werden die Bad Belziger in einer Infoveranstaltung über die Schließung informiert, Beginn ist 16.30 Uhr, Speisesaal der Belziger Klinik, Niemegker Straße