Ausbau der Autobahn : Baustelle auf A10 bei Michendorf länger als geplant

Noch ein Jahr lang wird die A10 zwischen den Dreiecken Potsdam und Michendorf ausgebaut. Eigentlich sollten Autofahrer schon ab Mai 2020 freie Fahrt haben.

Enrico Bellin
Traktoren verteilen Wasser auf der Baustelle der A10 bei Michendorf, damit es nicht so staubt.
Traktoren verteilen Wasser auf der Baustelle der A10 bei Michendorf, damit es nicht so staubt.Foto: Andreas Klaer

Michendorf/Nuthetal - Auf der größten Baustelle des Landkreises gehen die Arbeiten sichtbar voran: Fast überall liegt zwischen den Autobahndreiecken Potsdam und Nuthetal bereits neuer Asphalt. Trotzdem wird der Stauschwerpunkt der Region die Autofahrer noch etwa ein Jahr lang belasten. Die PNN geben einen Überblick. 

Was wird gebaut?

Seit März 2016 wird die Autobahn auf neun Kilometern Länge von drei auf vier Fahrspuren pro Richtung ausgebaut. Im Herbst 2018 wurde der Abschnitt zwischen dem Dreieck Potsdam und der Eisenbahnbrücke zwischen Michendorf und Seddin fertig. Bis Jahresende soll der Abschnitt zwischen dem Dreieck Nuthetal und der Bahnbrücke fertig sein. Derzeit wird im Bereich der Raststätte Michendorf die südliche Fahrbahn gebaut. Der Autoverkehr verläuft komplett auf der nördlichen Fahrbahn, auf der es für jede Fahrtrichtung drei schmalere Fahrstreifen gibt. Autofahrer können dabei derzeit ein Kuriosum beobachten: Ein Traktor fährt regelmäßig über die Baustelle, um sie zu bewässern. So soll verhindert werden, dass Staub die Sicht behindert.

PNN/Pieper-Meyer

Wie lange bleibt die Baustelle?

Die Autobahn wird wohl noch bis in den Juli 2020 hinein eine Staufalle bleiben. Eigentlich sollte sie bereits im Mai nächsten Jahres fertig werden, wenn der letzte Abschnitt unter der Eisenbahnbrücke hergestellt ist. Die Fahrbahn wird bis dahin auch fertig, wie Holger Behrmann, Projektleiter für den Abschnitt bei der Planungsgesellschaft DEGES, den PNN beim Baustellenbesuch am Donnerstag erklärte. „Danach wird es allerdings noch sechs bis acht Wochen lang Einschränkungen geben.“ So müssen danach etwa noch Schilderbrücken aufgestellt werden, also Gestelle, die über die gesamte Fahrbahn reichen und für jede Fahrspur eine digitale Anzeige haben. Damit wird es auf dem Abschnitt ein sogenanntes Verkehrsbeeinflussungssystem geben, bei dem aus einer Leitstelle heraus – etwa bei zu hohem Verkehrsaufkommen – die Höchstgeschwindigkeit herabgesenkt wird. Derzeit sind selbst auf dem fertigen Abschnitt nahe dem Dreieck Potsdam nur 120 Stundenkilometer erlaubt. Nach Installation der Beeinflussungsanlage könne diese Beschränkung grundsätzlich aufgehoben werden. Als Zwischenschritt sollen Autofahrer ab Jahresende auch zwischen der Bahnbrücke und dem Dreieck Nuthetal mehr Spuren nutzen können. Ob dann drei oder vier Spuren zur Verfügung stehen, hängt Behrmann zufolge aber von der Witterung ab. Das könne man jetzt noch nicht sagen. 

Gab es Bauverzögerungen?

Überrascht wurden die Bauplaner von den Resten einer Tankstelle aus der Erbauungszeit der Autobahn um 1936: Sie befand sich unter der bisherigen südlichen Fahrbahn, Tanks mussten ausgebaut und verseuchter Boden aufwendig ausgetauscht werden. Laut Holger Behrmann wusste man nur von einer Tankstelle aus DDR-Zeiten auf einer Fläche, auf der neue Parkplätze entstehen sollten. Die alte Tankstelle unter der Fahrbahn kannte aber niemand. „Das hat uns in diesem Bereich etwa sechs bis acht Wochen zurückgeworfen“, so der Planer. Allerdings habe man die Zeit genutzt, um östlich der Raststätte schneller zu bauen. Deshalb ist dort die Fahrbahn jetzt fertig, derzeit werden daneben Lärmschutzwände gebaut.

Projektleiter Holger Behrmann ist für die Baustelle auf der A10 zuständig.
Projektleiter Holger Behrmann ist für die Baustelle auf der A10 zuständig.Foto: Andreas Klaer

Bleibt es bei 150 Millionen Euro?

Der Kostenrahmen von 150 Millionen Euro soll nach derzeitigem Stand gehalten werden, so Behrmann. Die Firmen seien bereits in den Jahren 2015 und 2016 beauftragt worden und hätten sich damals auch zu festen Preisen verpflichtet. Somit würden sie nun die Last gestiegener Rohstoffpreise tragen, und nicht der Steuerzahler.

Warum gibt es dort immer wieder Staus?

Die Autobahn war bereits vor dem Ausbau überlastet, wie der Projektleiter erklärte. Demnach kann man auf drei Fahrstreifen maximal 90.000 Fahrzeuge am Tag fahren lassen, doch bereits eine Zählung von 2015 habe 100.000 Fahrzeuge pro Tag und Richtung ergeben, darunter 20.000 Lastwagen. Das sei der Grund, warum es auch ohne Unfälle immer wieder zu zäh fließendem Verkehr komme. Prognosen zufolge soll der Verkehr bis zum Jahr 2025 auf etwa 125.000 Fahrzeuge täglich zunehmen.

Wie lange hält die Autobahn?

Wenn die Autobahn pünktlich fertig wird, sind es wohl nur noch acht Jahre, bis der Asphalt auf der nördlichen Fahrbahnseite wieder erneuert werden muss. Denn zwischen der Eisenbahnbrücke und dem Dreieck Nuthetal wird offenporiger Asphalt, auch Flüsterasphalt genannt, verbaut. Dieser hält Holger Behrmann zufolge etwa zehn Jahre, normaler Asphalt hält bei guten Bedingungen bis zu 25 Jahre. An diesem Autobahnabschnitt leben aber viele Menschen in Michendorfs Kerngebiet und in den Ortsteilen. Der Flüsterasphalt, dessen Struktur man sich schwammähnlich vorstellen kann, soll die Rollgeräusche der Autos minimieren und den Anwohnern so mehr Ruhe geben. Bei Regen soll er auch Autofahrern mehr Sicherheit bieten: So versickert auch ein Teil des Wassers in den Poren. Dadurch soll kein Wassernebel mehr hinter Autos entstehen. Unter dem Flüsterasphalt befindet sich eine feste Schicht, auf der das Wasser dann in eine spezielle Regenrinne läuft, die auch das Oberflächenwasser ableitet. Die feste Schicht hält länger, sodass nach zehn Jahren nur die oberste Straßenschicht erneuert werden muss und die Arbeiten nicht wieder monatelang dauern sollen.

Autobahnbaustelle A 10 im Bereich Michendorf. Offenporiger Asphalt (Flüsterasphalt) sol in Wohngebietsnähe die Fahrgeräusche verringern.
Autobahnbaustelle A 10 im Bereich Michendorf. Offenporiger Asphalt (Flüsterasphalt) sol in Wohngebietsnähe die Fahrgeräusche...Foto: Andreas Klaer

Warum fährt die Bahn bald nicht?

Ab dem 26. Juli merken auch Bahnfahrgäste die Bauarbeiten: Dann werden zwei Bahnbrücken über der südlichen Fahrbahn abgerissen und neue Brücken eingesetzt, die bereits neben den alten errichtet wurden. Bis zum 12. August wird daher wie berichtet der RE7 zwischen Beelitz-Heilstätten und Wannsee über Potsdam-Hauptbahnhof umgeleitet, alle Zwischenhalte entfallen. Zwischen Michendorf und Wannsee gibt es Pendelzüge, sonst Ersatzbusse. Die fahren auch für die Regionalbahn 33 zwischen Michendorf und Beelitz-Stadt sowie für die Regionalbahnlinie 23, die komplett ausfällt. Die neuen Brücken sind nötig, da unter den alten keine vier Fahrspuren pro Richtung durchgepasst hätten. Zudem zeigen die Bauwerke aus der Mitte des 20. Jahrhunderts auch schon einige Risse. Die neuen Brücken, über die insgesamt fünf Gleise führen, werden auf Stahlschienen in ihre endgültige Position gefahren und dann mit den Schienen nach Seddin und Michendorf verbunden. Diese Millimeterarbeit hat bereits 2017 funktioniert, als auf gleiche Weise die Brücken über die nördliche Fahrbahn der A10 ausgetauscht wurden.

Wann kommt die Fußwegbrücke?

Verzögerungen gibt es beim Bau der Fuß- und Radwegbrücke, die parallel zu den Eisenbahnbrücken die Autobahn überspannt. Der Rohbau steht zwar schon. „Es gibt aber Verzögerungen bei der Lieferung des Geländers“, so der Projektleiter. Auch muss noch eine Asphaltschicht auf die Brücke, die zudem noch einmal angestrichen werden muss. Wann die Arbeiten fertig sind, sei daher noch unklar. Eigentlich sollte die Brücke, über die man von Michendorf nach Neuseddin kommt, jetzt schon fertig sein.