Anwohner kritisieren Staub und Lärm : Streit um den Güterbahnhof Teltow

Seit Jahren sorgt der Umschlag von Schüttgütern am Güterbahnhof Teltow für Ärger bei den Anwohnern. Sie fürchten, dass die Belastungen noch zunehmen könnten.

Die Umschlagung der Schüttgüter sowie deren Transport in Lkws sorgt bei den Anwohnern für Unmut.
Die Umschlagung der Schüttgüter sowie deren Transport in Lkws sorgt bei den Anwohnern für Unmut.Foto: privat

Teltow - Bereits seit 2017 beschweren sich Anwohner rund um den Güterbahnhof Teltow über den Lärm und den Staub in ihrem Wohngebiet. Auf einem Areal nebenan soll in der Zukunft noch ein Transportbetonmischwerk errichtet werden. Außerdem ist in dem Industriegebiet eine Baustoffrecycling- sowie Betonbrechanlage geplant. Die Anwohner fürchten dadurch eine weitere Zunahme von Lärm, Staub und Verkehr. Am Donnerstag fand eine Begehung mit Anwohnern, dem Ordnungsamt, Kommunalpolitikern sowie Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) statt.

Anwohner beschweren sich über massiven Lärm und Staub

Der 1901 erstmals erwähnte Güterbahnhof gehörte bis 2005 der Deutschen Bahn AG und wurde dann von der Firma Klösters Baustoffwerke gekauft. Das Unternehmen stellt den Bahnhof und dessen Infrastruktur anderen Firmen zur Verfügung, die über die Schienen ihre Schüttgüter, also Zuschlagsstoffe für die Produktion von beispielsweise Beton oder Asphalt, anliefern lassen wollen. Am Bahnhof werden die Güter dann in Lkws umgeladen und zu den Produktionsstätten transportiert. 

Die Anwohner kritisieren vor allem den Lärm und den Staub, der durch den Bahnhofsbetrieb entstehe. 264 Unterschriften von unmittelbar Betroffenen wurden bereits gesammelt. Der Lärm werde etwa von den Baggern verursacht, die beim Entladen gegen die Wände und Böden der Waggons schlagen. „Das sind teilweise Geräuschspitzen, die kaum zu ertragen sind“, sagt Torsten Barthel stellvertretend für die Anwohner. Die Züge würden auch nachts, gegen 1 oder 2 Uhr, einfahren. „Man wird jede Nacht geweckt“, beklagt eine Anwohnerin. 

Die Lkws, die auch durch die Straße der Anwohner, die Robert-Koch-Straße und die Privatstraße von Klösters fahren, verursachten zusätzlichen Lärm. Die Anliegerstraße weist mittlerweile massive Schäden auf, auf die die Anwohner auch Bürgermeister Schmidt hinwiesen. Wenn die Lkws über die unebene Straße fahren, und das oft auch mit überhöhter Geschwindigkeit, wie einige Anwohner berichten, verursache das enormen Lärm. Beim Ent- und Beladen entstehe außerdem sehr viel Staub, desgleichen durch die Lkws, die auch durch die Anliegerstraße fahren. In der Vergangenheit waren manchmal selbst die parkenden Autos mit einer dicken Staubschicht bedeckt, wie auch Fotos zeigen. „Es gab Situationen, da fuhren die Lkws im Achter-Geschwader durch unsere Straße“, sagte Barthel.

Der Staub legt sich auch auf die parkenden Autos.
Der Staub legt sich auch auf die parkenden Autos.Foto: privat

Rechtlich darf der Bahnhof 24 Stunden unter der Woche genutzt werden

„Wir können die Anwohner verstehen“, sagte Stefan Schneider, Repräsentant und rechtlicher Vertreter der Firma Klösters, gegenüber den PNN. Durchschnittlich werde etwa ein Zug pro Woche entladen, so Schneider. Rein rechtlich dürfte der Bahnhof 24 Stunden unter der Woche für den Umschlag genutzt werden. Denn der Güterbahnhof Teltow gilt sowohl hinsichtlich seiner Anlagen und des Betriebes als sogenannt fiktiv planfestgestellt, wie Schneider erklärte. Der Bahnhof mitsamt seinen Anlagen ist historisch für Eisenbahnbetriebszwecke gewidmet und darf dementsprechend genutzt werden. 

Allerdings sei auch dem Unternehmen Klösters daran gelegen, den Anwohnern so wenig wie möglich Unannehmlichkeiten zu bereiten, sagte Schneider. So gebe es beispielsweise nachts nur extrem selten Entladungen der Güterwaggons. Zudem werde versucht, dass die Lkws statt durch die Robert-Koch-Straße durch eine Stichstraße auf die Mahlower Straße fahren. Dass jedoch die Güterzüge auch nachts einfahren, sei nicht anders möglich, sonst würde der Personenverkehr gestört werden, sagte Schneider. Auch eine Verlegung des Güterbahnhofs beziehungsweise des Umschlagplatzes, wie ihn die Anwohner ins Gespräch gebracht haben, werde nicht möglich sein. „Wir arbeiten derzeit mit dem Landesumweltamt zusammen, wie man den Güterbahnhof für die Anwohner erträglicher gestalten kann“, so Schneider.

Weitere Industrie will sich ansiedeln 

Die Anwohner haben ihre Beschwerden bereits mehrfach an das Landesamt für Umwelt in Potsdam, die Stadtverwaltung Teltow und die Stadtverordneten herangetragen. Sie fordern mit Blick auf die künftigen Bauvorhaben außerdem, dass die Kommunalpolitiker und die Stadtverwaltung über die im aktuellen Flächennutzungsplan ausgewiesenen Gewerbe- und Industriegebietsflächen nachdenken und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. 

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Ein Grundstück, das Klösters gehört, will die Firma Spenner Zementwerk Berlin GmbH & Co. KG pachten und ein Transportbetonmischwerk errichten. Die Wohnbebauung ist nicht weit entfernt. Die Anwohner fürchten noch mehr Lärm und Staub. Zudem ist etwas weiter außerhalb auf Klösters Areal eine Baustoffrecycling- und Betonbrechanlage der Firma Wesling geplant. Die Fläche ist im Flächennutzungsplan als Industriegebiet ausgewiesen. Beiden Vorhaben hatte die Teltower Stadtverwaltung eine Absage erteilt. Zuständig sind jedoch der Landkreis Potsdam-Mittelmark und das Landesumweltamt. Für die Pläne der Firma Wesling wurde keine Genehmigung erteilt. Das Verfahren liegt beim Verwaltungsgericht Potsdam.

Die Stadt kann nur wenig unternehmen

Das Gebiet um den Güterbahnhof mit der nahen Wohnbebauung sei historisch so gewachsen, sagte Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) bei der Begehung. Natürlich verstehe die Stadtverwaltung die Anwohner. Doch solange sich das Unternehmen an die vorgegebenen Auflagen halte, und die Belastung mit Lärm und Staub in den erlaubten Grenzwerten liege, könne man nichts unternehmen, so Schmidt. Denn auch die Firma habe Rechte. Um den Lkw-Verkehr ein wenig auszubremsen, hatte die Stadtverwaltung vor etwa zwei Wochen Poller in der Robert-Koch-Straße aufstellen lassen. Außerdem will die Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um zu prüfen, ob der Lkw-Verkehr über die B101 Richtung Großbeeren geleitet werden kann. Dazu finden bereits erste Gespräche mit der Firma Klösters, der Gemeinde Großbeeren und den zuständigen Behörden statt.

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