• Abstimmung in der Gemeindevertretung: Erfolgloser Protest gegen geplante Windräder in Ferch
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Abstimmung in der Gemeindevertretung : Erfolgloser Protest gegen geplante Windräder in Ferch

Rund 60 Menschen demonstrierten am Mittwoch vor der Sitzung der Gemeindevertretung gegen den Bau von Riesen-Windrädern in Ferch. Umstimmen konnten sie die Politiker nicht.

Winfried Ludwig, Vereinsvorsitzender Waldkleeblatt, bei der Demonstration gegen Windräder in Schwielowsee.
Winfried Ludwig, Vereinsvorsitzender Waldkleeblatt, bei der Demonstration gegen Windräder in Schwielowsee.Foto: Sarah Stoffers

Schwielowsee - Die Errichtung von sieben riesigen Windrädern im Schwielowseer Ortsteil Ferch wird immer wahrscheinlicher. Die Gemeindevertretung stimmte am Mittwochabend mit großer Mehrheit für einen dafür nötigen städtebaulichen Vertrag – obwohl Windkraftgegner öffentlichkeitswirksam vor der Sitzung protestiert hatten. Etwa 60 Demonstranten hatten sich vor dem Gemeindehaus versammelt und hielten Plakate in den Händen, auf denen unter anderem „Keine Windräder in Wäldern“ stand oder „Steig nicht hoch du Adler rot, am Windrad wartet dein Tod“. Der Vertrag wurde ohne Änderungen angenommen: 21 Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen.

Etwa 60 Demonstranten protestierten vor der Sitzung gegen den Bau der Riesen-Windräder.
Etwa 60 Demonstranten protestierten vor der Sitzung gegen den Bau der Riesen-Windräder.Foto: Sarah Stoffers

Das Potsdamer Unternehmen Notus Energy will die Windräder vom Typ V 150 des dänischen Herstellers Vestas mit einer Nabenhöhe von 166 Metern und einem Rotordurchmesser von 150 Metern ab 2022 nahe Glindow errichten.Die  Bürgermeisterin von Schwielowsee, Kerstin Hoppe (CDU, hatte kurz vor der Sitzung den PNN gesagt, mit der Zustimmung am Mittwochabend werde der gültige Flächennutzungsplan von 2014 erfüllt. Dieser weist das Areal wie berichtet explizit als Windradstandort aus. Außerdem gebe es entsprechende Forderungen des Landes Brandenburg. „Wenn wir nicht zustimmen, handelt es sich um eine sogenannte unzulässige Verhinderungsplanung“, warnte Hoppe.

Kerstin Hoppe (CDU).
Kerstin Hoppe (CDU).Foto: Ottmar Winter

Das Argument der Kritiker, dass der Regionalplan, der die Fläche als Windeignungsgebiet auswies, für ungültig erklärt wurde, ließ Hoppe nicht gelten. Dies greife ausdrücklich nicht, wenn es etwa einen rechtskräftigen Flächennutzungsplan gibt – wie hier der Fall. Auf den ungültigen Regionalplan hatte am Mittwoch unter anderem Hoppes CDU-Parteifreundin Saskia Ludwig hingewiesen. Außerdem bezeichnete sie die Pläne in einer Pressemitteilung kurz vor der entscheidenden Sitzung als „fatal für die touristische Entwicklung der gesamten Region“. Die Pläne für mehr Windenergieerzeugung in dieser Gegend sollten daher begraben werden, so Ludwig in einer Pressemitteilung.

Hoppe hingegen erinnerte daran, dass die Windräder neben der Autobahn entstehen sollen. Außerdem werde durch die Gewinnung von Windenergie nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, auch die Wälder profitierten: Als Ausgleich für die abgeholzten Kiefern müssen nämlich Mischwälder entstehen.

Höher, aber moderner

Ähnlich äußerte sich auch Matthias Fannrich, Vorsitzender der größten Fraktion in der Gemeindevertretung Bürgerbündnis Schwielowsee/Die Linke. Die beiden Unfälle in den Atomkraftwerken in Tschernobyl und Fukushima hätten gezeigt, wie notwendig die Energiewende sei. Zudem betonte er, dass die Windräder weit weg von der Wohnbebauung stehen sollen. „Wir unterschreiten nie die 1000 Meter“, sagte er, zu Bliesendorf seien es sogar 1300 Meter. Die heutigen Anlagen seien zwar höher als frühere Modelle, dafür aber moderner. So würden zum Beispiel die roten Warnlichter, die sonst immer nachts leuchten, nur per Radar ausgelöst werden. Dass für die Errichtung der Windräder wie vom Verein Waldkleeblatt befürchtet ein Hektar Wald gerodet werden muss, glaubt Fannrich ebenfalls nicht. Er ist der Ansicht, dass nur eine Schneise nötig sein wird.

Grafik TSP

Allerdings: Auch wenn die Gemeindevertretung dem städtebaulichen Vertrag nun zugestimmt hat, ist der Bau der Anlagen noch nicht endgültig entschieden, wie auch Notus-Projektleiter Mirko Hannemann den PNN auf Anfrage am Mittwoch bestätigte. Zunächst müsse das Landesumweltamt noch alle Stellungnahmen einholen, dann erfolge die öffentliche Auslegung des B-Plans. Die Anwohner können dann alle Planungen einsehen und Anregungen geben, die in die Umsetzung einfließen sollen. Auch Fachleute, wie etwa Schall- und Fledermausgutachter, werden dabei sein.

Das Landesumweltamt teilte den PNN auf Anfrage mit, dass neben den ausstehenden Stellungnahmen noch auch noch Nachforderungen von beteiligten Behörden gibt, die der Antragsteller nachliefern müsse. "Die Prüfung, ob die Genehmigungsvoraussetzungen vorliegen oder nicht, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erfolgen", so ein Sprecher.