Lesermeinung : Langsamer ist leiser?

„Mehr Tempo-30-Zonen gegen Krach“ und „Dringend geboten“

vom 14. Februar 2017

Meine Empfehlung an die Stadt: stellt an allen Ortseingängen der Stadt ein 30-Zone-Schild auf. So muss sich der ganze Kraftverkehr nicht permanent auf neue Geschwindigkeiten einstellen. Die Anfahrtzeiten für Einsatzkräfte werden sich verlängern, da eine Geschwindigkeitsüberschreitung trotz Sonder- und Wegerechte um mehr als 20 Prozent laut Rechtsprechung im Schadensfall als grob fahrlässig gelten. Ich möchte nur daran erinnern, dass die Stadt sogar Wohnungsbau an der Schnellstraße genehmigt hatte.

Dieter Springer, Stahnsdorf

Ich kann Ihre Meinung zu den uferlosen Tempo 30-Beschränkungen sachlich nicht nachvollziehen. Wer tatsächlich in der alten Bezirkshauptstadt wohnt, hat die Erfahrungen gemacht, dass ab 21 Uhr die Stadt quasi wie ausgestorben ist. Im Quervergleich zu anderen Städten ist Potsdam im wahrsten Sinne verschlafen, keine Staus oder permanenter Verkehr, wie so oft von den selbsternannten „Verkehrsgurus“ umschrieben. Es wohnt auch niemand im Zelt neben einer Hauptstraße, so dass die Lärmbelastung als eher gering beziehungsweise zumutbar einzustufen ist.

Verursacht ein Fahrzeug wirklich erheblich mehr Immissionen, bei einer um 20 Kilometer pro Stunde erhöhten Geschwindigkeit. Die Antwort ist nein. Es kommt hoffentlich auch niemand auf die Idee, den Busverkehr in den Nachtstunden auch noch zu unterbinden, wegen der hohen Geräusch- und Abgasentwicklung, denn diese in wirklich wahrnehmbar. Potsdam ist die einzige Landeshauptstadt bundesweit, die über keine „Grüne Umweltzone“ verfügt. Unverändert qualmen Diesel, Zweitakter und Benziner durch die Innenstadt, da sich die Stadt verweigert, allgemeine Standards für den Innenstadtbereich anzuwenden. Ebenso hat erheblich die Durchfahrt von Schwerlastverkehr, auch in den Nachtstunden, zugenommen. Dies betrifft zu jeder Tages- und Nachtzeit die Behlertstraße, die Pappelallee und die Potsdamer Straße in Bornstedt und Bornim, da viele Spediteure den Weg nach Wustermark oder Spandau über das Stadtgebiet Potsdams nutzen. Eine erhebliche Belästigung stellen weiterhin die Motorräder dar, deren jugendliche Fahrer durch besonders hochtouriges Fahren auf der Friedrich-Ebert- Straße mit Imponiergehabe auf sich aufmerksam machen.

Die Tempo-30-Zonen auf Hauptstraßen bewirken eher ein längeres Verweilen von Fahrzeugen auf den entsprechenden Straßenabschnitten. Zudem muss auch beachtet werden, dass ein Tempo von 30 Kilometer pro Stunde oftmals im zweiten Gang absolviert wird, also mehr Immissionen als im niedertourigen Bereich des dritten Ganges bei 50 Kilometer pro Stunde entstehen. Zur negativen Umweltbilanz der Stadt Potsdam tragen zudem die vielen unkoordinierten Ampelschaltungen bei, die den Verkehrsfluss stark einschränken und zur Staubildung beitragen. Obwohl zu den Nachtstunden viele Ampeln abgeschaltet sind, versteht kein Mensch die überlangen Umschaltzeiten an der Beampelung an der Alexandrowka.

Diese katastrophale Verkehrspolitik muss bei den nächsten Oberbürgermeisterwahlen auf den Tisch, damit der Wähler entscheiden mag, was hier wirklich verändert werden soll und welche Stadtverordneten Mandat erhalten sollen. Viele Bürger haben die Nase voll von den Willküranordnungen dieser Verwaltung. Wer unsicher ist, sollte eine Bürgerbefragung initiieren, über den Zufriedenheitsgrad mit dieser Verkehrspolitik und dem Kundenverhalten der Stadtverwaltung; ich bin mir sicher, Herr Jakobs würde sich wundern.

Reinhard Peterson, Potsdam

Hallo, richtig so, kann die Pläne nur befürworten. Ich wohne selber an einer Hauptstraße; nur muss es auch konsequent kontrolliert werden. Die Stadt und der Landkreis machen nämlich ab 22 Uhr so gut wie keine Geschwindigkeitskontrollen. Fragen Sie mal dort nach. Ich hatte mich mal selber mit den Herren, die am dem Straßenrand blitzen, unterhalten. Es ist der Verwaltung schlicht zu teuer (es müssen ab 22 Uhr immer zwei Leute sein und dann kommen noch die Zuschläge dazu). An der Hauptstraße an der ich wohne, sind ab 22 Uhr auch nur 30 Kilometer pro Stunde erlaubt, aber daran hält sich keiner.

Frank Sponer, Kleinmachnow

So toll ich Tempo-30-Zonen finde, so ernüchternd ist die Bilanz: Ich wohne in der Steinstraße, anliegend an der Haltestelle am Gehölz. Die hier geltenden 30 werden weder von den Pkw eingehalten, noch von den sechs Bussen, die stündlich hier entlang brausen. Neue Siedlungen an der Jet-Tankstelle und eine vermeintliche Abkürzung nach Babelsberg und Berlin sind die Ursachen. Die Stadt könnte hier eher mit Straßeneinengungen, Straßenanhebungen zur Geschwindigkeitsreduktion oder mit einer Einbahnstraße helfen. Nicht kontrollierte 30 helfen gar nicht.

Marko Buchta, Potsdam