Lesermeinung : „Für Fairness - mit Gegnern und Befürwortern“

Das Nagelkreuz, weltweites Zeichen der Versöhnung, am Standort der Nagelkreuzkapelle in Potsdam.
Das Nagelkreuz, weltweites Zeichen der Versöhnung, am Standort der Nagelkreuzkapelle in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Zu „1000 Unterstützer pro Woche“ über die neue Initiative der Garnisonkirchenbefürworter vom 14.10.2014 und die Berichterstattung über das umstrittene Garnisonkirchen-Projekt.

Mit stetig steigender Ablehnung schlage ich jeden Morgen beim Frühstück die PNN auf, und nahezu täglich wird meine Erwartung erfüllt: Es steht was drin über die Garnisonkirche!

Und jedesmal wird der Beitrag mit dem Mantra-artig abgespulten Hinweis auf den Handschlag zwischen Hitler und Hindenburg vor der Kirche beendet. Als ob es in der ganzen Stadt noch irgendwen geben könne, der oder die das nun noch immer nicht wüsste! Neuerdings kommt jeweils noch ein „Rattenschwanz“-Satz dazu: der zur Unterschriften-Aktion, die nicht so erfolgreich wie geplant verlief.

Was mich ganz besonders ärgert, ist, dass diese beiden Schlussbemerkungen auch bei allem auftauchen, was auch nur im Entferntesten mit der früheren Garnisonkirche und dem geplanten Aufbau des Turms der Heiligkreuzgemeinde zu tun hat, zum Beispiel als Pfarrer Stinzing starb oder wenn heute angekündigt wird, dass ein reicher Ire Geld spenden wird. Ich bin ausgesprochen nicht für diesen Turmaufbau, sondern für den Erhalt der temporären Kapelle, die als Mahnmal viel Aufmerksamkeit erlebt in ihrer Fragwürdigkeit. Aber ich bin absolut für den Erhalt und Ausbau des Erinnerungs- und Versöhnungszentrums drinnen. Und ich bin, und das am allermeisten, für Fairness: im Umgang zwischen allen Menschen, auch zwischen Gegnern, und das schließt den Umgang der Presse mit den Befürwortern des Aufbaus und der Fördergesellschaft mit ein! Ich bitte Sie also um weniger einseitige Darstellung!

Angelika Weller-Eylert, Potsdam

Solche PNN-Beiträge empfinde ich als Medienkampagne im Sinne der Staatsräson. Bewusst gegen die Mehrheitsmeinung in der Stadt angelegt. Dass diese These zutrifft, lässt sich mit dem Meinungsbild im Verlaufe des Stadtschloss-Neubaues belegen. Da war mindestens die Hälfte der Einwohner, mit einem nachvollziehbaren Schwerpunkt im Süden unserer Stadt, der Auffassung: „Potsdam hat genügend Schlösser, wir brauchen keine neuen. Wir brauchen Sozialleistungen, soziale Projekte, Maßnahmen gegen Kinderarmut, gegen Altersarmut, gegen Langzeitarbeitslosigkeit.“

Analoges gilt für die Garnisonkirche. Hinzu kommt, dass Christen und Kirche vor einiger Zeit noch äußerten, es gibt keine Gemeinde für diese Kirche, sprich: keinen Bedarf. Diese Verlautbarung wurde sicherlich inzwischen durch Lobbyarbeit hinter den Kulissen „relativiert“.

Ich habe mir die Entscheidung zum Thema Garnisonkirche wirklich nicht leicht gemacht. Ausschlaggebend war, dass die, die heute Potsdam beherrschen, im Entscheidungszeitraum erstens kein überzeugendes Nutzungskonzept vorgelegt haben und zweitens sich nicht von Preußen-tümelnden Kriegervereinen distanzierten. Die Neonazi-Glatzen sind das eine, die erzkonservativen Deutsch-Nationalen in diesem Land das andere Problem.

Am Wochenende haben wir hochgradig interessierten Freunden aus Japan Potsdam gezeigt. Es ging auch um die Verluste durch den Bombenangriff vom 14. April 1945, den Verlust des französischen Viertels, die noch heute erkennbare Linie zwischen Dortustraße und Wilhelm-Staab-Straße, wo das Flächenbombardement einsetzte, die Garnisonkirche und so weiter.

Am Ende unserer großen Runde durch das heutige Potsdam habe ich es als historisch gerecht empfunden, dass die Friedenskirche von Sanssouci erhalten blieb und die Garnisonkirche in Schutt und Asche versank. Denn in der Potsdamer Garnisonkirche wurden Feldherren und Feldzüge gesegnet. Preußische Soldaten trugen direkt von der Potsdamer Garnisonkirche aus Krieg nach Europa: nach Schlesien, nach Sachsen, nach Böhmen ... – Der „Tag von Potsdam“ war das Auftaktsignal für die massive Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches und damit für den Zweiten Weltkrieg.

Bis jetzt ist aber für mich nicht erkennbar gesichert, dass sich eine wiedererrichtete Potsdamer Garnisonkirche von dieser verbrecherischen Tradition lösen und distanzieren würde. Daher erachte ich es im Moment für besser, sie nicht wiederaufzubauen.

Bernd-Reiner Paulke, Potsdam

Kürzlich las ich einen Artikel über ein Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam. Wenn ich mich recht erinnere, wurde schon im Jahr 2004 eine Fördergesellschaft zum Wiederaufbau gegründet. Sicher sind in den vergangenen Jahren schon Planungen und Voraussetzungen für die Bauarbeiten getroffen worden.

Wer sind die Leute, die nach zehn Jahren alles auflösen wollen? Haben sie kein Gefühl für Tradition und die Schönheit einer barocken Kirche? Es soll auch keine „Soldatenkirche“ werden! Der Wiederaufbau dient dem Frieden und der Versöhnung.

Was die Dresdener mit der Frauenkirche geschafft haben, müssten die Potsdamer doch auch können. Nur Mut!

Gisela Stahl, Merzig (Saarland)