Lesermeinung : Fortschritt in Krampnitz

Zu „Die bewegte Geschichte der Kaserne Krampnitz“ vom 22. Januar

Gestatten Sie mir zu Ihrem interessanten Bericht über das Kasernen-Areal Krampnitz einige Ausführungen zu ergänzen: Man suchte lange, ehe man am Krampnitz- und Jungfernsee ein passendes Areal für die – bis dato in Hannover beheimatete – Kavallerieschule des Reichsheeres als zentrale Ausbildungsstätte der Kavallerie, auch mit der Nähe zu Berlin, fand. Hier gab es ausreichende Erweiterungsmöglichkeiten, alle Sparten der Kavallerie und wenig später auch motorisierter Truppen an einer Stelle ausbildungsmäßig zusammenzufassen. Luxuskasernen gab es in der Wehrmacht nicht – aber großzügig bemessene Schuleinrichtungen, wie auch die neue Kriegsschule für Fahnenjunker der Infanterie an der heutigen Kirschallee. Der Umzug nach Krampnitz erfolgte in Etappen bis 1939.

Es musste in Krampnitz den Bedürfnissen recht unhomogener Waffengattungen Rechnung getragen werden. Der Kriegsanfang Herbst 1939 änderte alles: Bezeichnungen, Neuaufstellungen, Umgruppierungen änderten sich ständig. Die Wohnsiedlungen für Offizier- und Unteroffizierfamilien (Schul- u. Stammpersonal) waren sehr fortschrittlich und die Uffz’e hatten kleine Gärtchen und einen Stall für Kleinvieh – so etwas war neu. Das Offizierskasino ist das einzige Gebäude, was wirklich einen gewissen Luxus ausstrahlte, Treffpunkt von Lehrpersonal und kommandierten Offizieren, wie noch heute in allen Armeen. Übrigens wurde der damalige Schulkommandeur im Rahmen der Ermittlungen zum Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 vor ein Kriegsgericht gestellt und vom Oberst zum „gemeinen“ Schützen degradiert – er überlebte wie durch ein Wunder den Krieg.

Matthias W. Moritz, Bergisch Gladbach, Mitglied der Dt. Gesellsch. f. Heereskunde, Fachgebiet Garnison- u. Formationsgeschichte Potsdams, Offizierpersonalien