Lesermeinung : Aus Schulen, Kitas und Vereinen

Theaterstück an der Waldorfschule

Mädchen in Sommerkleidern der 30er-Jahre stehen im Kreis und singen das jiddische Lied „Tumbalalaika“. Sie bewegen sich leicht tänzelnd, fast schwebend. Im Hintergrund nähert sich bedrohlich der Gleichschritt einer Horde Jung-Nazis: halblange Hosen, weiße Hemden, schwarzes Halstuch, streng gescheitelt das Haar. Eine beklemmende Szene, die unter die Haut geht – willkommen bei einer Schüleraufführung in der Potsdamer Waldorfschule.

Nein, leicht haben es sich die Schüler der 8. Klasse nicht gemacht, als sie sich für die Inszenierung von „Ab heute heißt du Sara“ entschieden haben. Das Stück erzählt von einer Jugend im Nationalsozialismus nach dem autobiografischen Bericht von Inge Deutschkron.

Leichte Muse war nicht zu erwarten. Akteure und Zuschauer gleichermaßen mussten schwer arbeiten. Sie sollten sich einlassen auf eine Zeit, die für viele von uns noch immer unbegreiflich ist. Und sie schafften es. Claudia Bathke ist es gelungen, gemeinsam mit den Schülern den richtigen Ton zu treffen. Die Szenen sind scharf geschnitten, nichts wirkt überdreht. Selbst als gegen Ende die Frauen ausgebombt werden und sie das Chaos hochleben lassen, spiegelt dies nur die Verzweiflung wider. Nachklingen wird auch die Schlussszene, in der die jungen Schauspieler gemeinsam das jiddische Lied „Shalom“ anstimmen und sich bei den Händen halten – Juden, HJ-ler, Mitläufer, „Stille Helden“, Spitzel und bestechliche Beamte eines Systems, das es niemals wieder geben darf.

Peter Poprawa, Zuschauer und Vater einer der jungen Akteure