Kommentar zum Landesparteitag der SPD : Mehr Gefühl

Brandenburgs SPD scheint begriffen zu haben, dass sie geschlossen auftreten muss. Auch wurde offenbar verstanden, welche Themen die Menschen im Land bewegen. Aber das allein wird nicht reichen für den Wahlsieg 2019. Ein Kommentar.

Marion Kaufmann
SPD-Landesparteichef Dietmar Woidke (SPD, r.) und Generalsekretär Erik Stohn.
SPD-Landesparteichef Dietmar Woidke (SPD, r.) und Generalsekretär Erik Stohn.Foto: Foto: Christoph Soeder/dpa

Potsdam - Eine Partei, die mit dem Slogan „EIN Brandenburg“ in den Wahlkampf zieht, muss, um glaubwürdig zu sein, genau das auch selbst demonstrieren: Zusammenhalt. Das ist der Brandenburger SPD am Samstag bei ihrem Parteitag zumindest nach außen gelungen. Keine offen ausgetragenen Konflikte, kein Grundsatzdisput und akzeptable 80,8 Prozent für Dietmar Woidke bei seiner Wiederwahl zum Landesparteichef. Das ist zwar etwas weniger als 2016, aber von einem Denkzettel angesichts der derzeit schlechten Umfragewerte oder einem Aufstand der Basis gegen den Kurs der Führungsspitze kann nicht die Rede sein. Das war Anfang des Jahres, als auch in Brandenburg innerparteilich hart um die Wiederauflage der Groko gestritten wurde, nicht gesichert. Doch zehn Monate vor der Landtagswahl haben die Genossen offenbar begriffen, dass es für sie diesmal um alles geht, darum, den Machterhalt nach 28 Jahren zu sichern – und dass da interne Scharmützel nur schaden und die Wahl mit Brandenburger Themen gewonnen werden muss. 

Marion Kaufmann.
Marion Kaufmann.Foto: Sebastian Gabsch

Aber: Die mitreißendste Rede bei diesem Parteitag in Potsdam, sie hielt ein Hannoveraner. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil mahnte, die Gefühle der Menschen ernst zu nehmen.  Es gebe keine falschen Gefühle. Emotion, Empathie – das kam in den Reden von Woidke und Generalsekretär Erik Stohn zu wenig zum Ausdruck. 

Was den Menschen unter den Nägeln brennt

Attacken gegen die AfD zu reiten und verstanden zu haben, was den Menschen unter den Nägeln brennt – Altersarmut, hohe Mieten, Migration – reicht nicht. Das muss in den kommenden Monaten auf den Marktplätzen auch vermittelt werden. Mit mehr Gefühl.