Etwas HELLA : Verschwörung am Himmel

Wie kann es eigentlich sein, dass es in diesem Sommer nicht geregnet hat? Obwohl wir hier in Potsdam leben? Dafür kann es eigentlich nur eine Erklärung geben. 

PNN-Autorin Hella Dittfeld.
PNN-Autorin Hella Dittfeld.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Ufos und Aliens, Morde an prominenten Politikern. Ich finde Verschwörungstheorien eigentlich lächerlich. Aber sind sie das wirklich? Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Denn über Potsdam – ich habe deswegen schon Alpträume – hat irgendeine Geheimorganisation ein unsichtbares, aber undurchdringliches Netz aufgespannt, dass zwar Licht und Wärme (uff, seufz), aber keinen Regen durchlässt. Das bisschen Nass vom Himmel, das in diesem Jahr unsere Region erreicht hat, machte nicht etwa einen Bogen um unsere Stadt und regnete sich ganz zufällig in Berlin oder Werder oder Michendorf ab. Nein, eine unsichtbare Glocke, errichtet durch eine Geheimorganisation, hat das Himmelsnass von unserer Stadt ferngehalten. Ich habe die regenwilligen Wolken gesehen. Gerade wieder. Aber nichts geschieht.

Ich nehme nicht an, dass diese Abschirm-Attacke mir persönlich gilt und zur Erhöhung meiner Wasserkosten beitragen soll. Die Mahnrufe, dass wir Potsdamer zu wenig Wasser verbrauchen und es deshalb teurer werden könnte, haben dank der vielen Zuzüge längst aufgehört. Ich denke eher, wir Potsdamer sind Teil eines großen Experimentes beziehungsweise einer Verschwörung, die die Planwirtschaft wieder einführen will. Die hat zwar zu DDR-Zeiten auch nicht funktioniert, aber Potsdam wurde als Probefeld ausgesucht, weil langfristige Planung schon immer eine städtische Spezialität war und viele gute Erfolge erzielt hat.

Zum Beispiel bei den Verkehrsbetrieben. Die haben das Dilemma mit zu wenig Fahrern zwar nicht vorausgesehen und konnten das bestimmt auch nicht, wer weiß schon, wann wer krank wird, aber nun haben sie in weiser Voraussicht mit einer vorausschauenden Planung begonnen. Ab 2019 sollen neue Fahrer ausgebildet werden. Wenn zwischendurch wieder zu viele krank werden, ist das auch eine Verschwörung. Glauben Sie mir. Oder die zu geringe Zahl von Schulplätzen für Kinder. Niemand konnte doch nur im Entferntesten ahnen, dass neugeborene Kinder älter und schulpflichtig werden. Auch auf die dicke Luft durch Autoabgase in der Zeppelinstraße hat Potsdam blitzartig und planvoll reagiert und nicht etwa Drohungen der EU nachgegeben. Der Verkehr und die schlechten Luftwerte sind entschärft. Die Autos warten jetzt sinnvollerweise vor den Toren der Stadt. Denn dort kann der Feinstaub ungehindert abziehen und staut sich nicht mehr unter der Dunstglocke.

Vielleicht ist meine Verschwörungstheorie aber auch nur ein Hirngespinst und ich sollte es in Sachen Regen erst mal mit ganz einfachen Methoden versuchen. Hua, hua, hu – Regenbeschwörungstanz rechtsrum, linksrum – morgen wird es regnen, sagen nicht die Götter, sondern der Wetterbericht. Und wenn nicht, mache auch ich einen Plan und stelle wieder den Rasensprenger an.

Unsere Autorin ist langjährige Redakteurin und jetzt freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Potsdam

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