Machtkampf in Brandenburg : CDU-Chef Ingo Senftleben wirft hin

Der CDU-Landesvorsitzende kündigt seinen Rücktritt von allen Ämtern an. Bundespolitiker Michael Stübgen wird Interims-Chef. Grüne sehen "Kenia"-Koalition in Gefahr.

Ingo Senftleben, CDU Brandenburg. 
Ingo Senftleben, CDU Brandenburg.  Foto: Christophe Gateau/dpa

Potsdam - Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben ist mitten in den Gesprächen über eine Beteiligung an der künftigen Regierung in Potsdam nach einem Machtkampf in seiner Partei zurückgetreten. Die Entscheidung des 45-Jährigen verkündete Generalsekretär Steeven Bretz am Freitag. Danach wird Senftleben am Dienstag nicht für den Fraktionsvorsitz kandidieren und das CDU-Sondierungsteam für die Regierungsbildung verlassen, wo er bisher Chefunterhändler der Christdemokraten war.

Nach der Landtagswahl in Brandenburg am vergangenen Sonntag, die die SPD knapp vor der AfD gewann, wäre Kenia die einzige Option mit einer stabilen Mehrheit von sechs Stimmen im Landtag. Rot-Rot-Grün hätte nur eine Mehrheit von einer Stimme. Am Freitag traf sich die SPD zunächst mit den Grünen, dann mit den Freien Wählern zu Sondierungsgesprächen.

"Aushängeschild einer liberalen und weltoffenen CDU"

Die Grünen zeigten sich besorgt über den Rücktritt. Senftleben sei für sie „das Aushängeschild einer liberalen und weltoffenen CDU“. Es sei diese CDU, „mit der wir uns eine Zusammenarbeit in einer Kenia-Koalition als eine von zwei Optionen bislang zumindest vorstellen konnten“, hieß es aus der Sondierungsgruppe, nicht aber mit dem rechtskonservativen Flügel.

SPD-Generalsekretär Erik Stohn rief die CDU auf, ihre Probleme zu lösen. „Die CDU muss für sich klären, ob sie ein stabiler Partner ist“, sagte Stohn in Potsdam. Dieser Prozess sei mit dem Rücktritt Senftlebens nicht abgeschlossen. Nun hängt es von den CDU-Fraktionswahlen am Dienstag ab, ob Kenia noch eine Chance hat.

Ludwig kommentierte den Rücktritt nur mit einem Wort

Nach PNN-Informationen hatte Senftleben am Donnerstagabend die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer über seinen Entschluss informiert. Bei den Landtagswahlen in Brandenburg war die Union mit Senftleben als Spitzenkandidaten nur auf 15,6 Prozent gekommen – das schlechteste Ergebnis seit 1990. Kurz vor der Sondierung von SPD und CDU versuchten in dieser Woche sechs Abgeordnete der 15-köpfigen CDU-Fraktion, vorgezogene Vorstandswahlen zu erzwingen und Senftleben abzulösen. Der Abgeordnete Frank Bommert und die frühere Landesvorsitzende Saskia Ludwig, die Mitglied der rechtskonservativen Werte-Union ist, hatten wegen der Wahlniederlage seinen Rücktritt gefordert. Am Freitag kommentierte Ludwig den Rücktritt nur mit einem Wort: „Respekt!“ Auch der Generalsekretär der Bundes-CDU, Paul Ziemiak, erklärte, Senftlebens Rücktritt verdiene Respekt. „Erst das Land – darum geht es jetzt in Brandenburg“, sagte Ziemiak der „Märkischen Oderzeitung“.

Michael Stübgen (M.), kommissarischer Parteivorsitzender der CDU Brandenburg, spricht nach dem Rücktritt des bisherigen Landesvorsitzenden Senftleben vor den Journalisten. Rechts Steeven Bretz, Generalsekretär der CDU Brandenburg, links Martin Burmeister, Pressesprecher.
Michael Stübgen (M.), kommissarischer Parteivorsitzender der CDU Brandenburg, spricht nach dem Rücktritt des bisherigen...Foto: Monika Skolimowska/dpa

In Potsdam überschlugen sich am Freitag die Ereignisse, nachdem die PNN Senftlebens bevorstehenden Rückzug von allen Ämtern publik gemacht hatte. Als kommissarischen Parteichef und Chefsondierer setzte das CDU-Präsidium Michael Stübgen ein, der Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium und bereits Mitglied im Verhandlungsteam der CDU ist. Auf dem kurzfristig anberaumten Pressetermin bekräftigte Stübgen das Ziel einer Regierungsbeteiligung der Union. Für die CDU gebe es die Chance, „in dieser Koalition für das Land etwas zu erreichen“, sagte Stübgen. Die Sondierungsgespräche in dieser Woche hätten ihn darin bestärkt. Allerdings sei es dafür unabdingbar, „dass sich meine Partei, meine Landtagsfraktion als Partner aufstellt, der zumutbar ist.“ Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der nach PNN-Informationen Kenia favorisiert, hat innere Stabilität der Union als Bedingung formuliert.