• Zum Gedenken an Pfarrer Robert Stupperich

Kultur : Zum Gedenken an Pfarrer Robert Stupperich

Günter Wirth

Am 13. September diesen Jahres wäre der Kirchenhistoriker und Pfarrer Robert Stupperich 100 Jahre alt geworden. Am 4. September 2003 verstarb er jedoch. Mit seinem umfassenden wissenschaftlichen Werk (Reformationsgeschichte und russische Orthodoxie) erwarb er sich große Verdienste. Mit der Stadt Potsdam war Stupperich sehr eng verbunden. In und von ihr aus wirkte er. Der in Moskau Geborene war Apothekersohn. Mit Kriegsbeginn 1914 kam die Familie ins Gouvernement Ufa und lebte dort unter „Tataren und Baschkiren“. 1918 zogen die Stupperichs nach Berlin um. Nach dem Abitur nahm Stupperich das Theologiestudium an der Friedrich-Wilhelm-Universität auf. Es lag nahe, dass er die Vorlesungen des Osteuropahistorikers Otto Hoetzsch besuchte. Stupperich hegte die Hoffnung, über ein russisch-orthodoxes Thema bei dem Kirchenhistoriker Karl Holl promovieren zu können. Durch dessen plötzlichen Tod war dies aber nicht möglich. Als Stupperich nach Vikariat und einer Tätigkeit an einer Auslandsgemeinde nach Berlin-Köpenick als Hilfsprediger entsandt wurde, kam es zu einer folgenschweren Begegnung mit Generalsuperintendent Otto Dibelius: er erhielt die Berufung zum Provinzialvikar der Kurmark, was er bis zur Absetzung des Generalsuperintendenten im Kirchenkampf blieb. In einem autobiografischen Text schreibt Stupperich. „Ich wurde nach Potsdam geschickt und hatte auch hier dem alten Pfarrer Theodor Krummacher in der Pfingstgemeinde zu helfen. Besonders gern hatte ich die Arbeit mit der Gemeindejugend ... Etwas später begann die Arbeit beim Generalsuperintendenten ...“ Während des ersten Höhepunkts im Kirchenkampf 1933 engagierte sich Stupperich beim Aufbau der Bekennenden Kirche um Martin Niemöller und Otto Dibelius. „Anfang Januar 1934 bat mich Superintendent Werner Görnandt in Potsdam ... seine Stelle an der Nikolaikirche zu verwalten. Seiner nicht ,arischen Frau“ wegen ging er nach Kopenhagen ... Ich begann meinen Dienst in Potsdam an St. Nikolai und hatte u.a. den Konfirmandenunterricht für 40 Mädchen zu halten.“ Aber die DC-Vertreter (Deutsche Christen d.R.) an St. Nikolai verdrängten ihn. Auf Bitten von Eltern führte er für acht Mädchen privat den Unterricht weiter und konfirmierte sie in der Heiligengeistkirche. Danach ging er als Pfarrer nach Hohennauen bei Rathenow. Auf Umwegen kam er an die Berliner Universität als Dozent. Während des Krieges wurde er Russischdolmetscher. Stupperich muss damals in Babelsberg gewohnt haben, denn er in seinem autobiografischen Text ist zu lesen, dass durch Kriegseinwirkung seine ganze Bibliothek in Babelsberg verloren gegangen sei. 1945 in englische Gefangenschaft geraten, wurde er danach Pfarrer in Ostfriesland, 1964 Professor in Münster. Stupperich wurde der Biograf von Otto Dibelius. 1953 kam er in Kontakt mit der Humboldt-Universität Berlin. Auf Initiative des Dekans ihrer Theologischen Fakultät, Walter Elliger, erhielt Stupperich 1953 den Dr. h.c. der Universität. Günter Wirth