Kultur : Zeitlos

Volkslieder neu eingespielt – und Klaus Büstrin liest

Babette Kaiserkern

Wenn sogenannte Volkslieder für eine CD aufgenommen werden, muss es meistens gleich ein ganzer Chor sein, wenn nicht mit Erwachsenen, dann zumindest ein Kinderchor.

Diese CD geht anders vor. Ganz allein stimmt die Potsdamer Sopranistin Gabriele Näther die schönsten und bekanntesten deutschen Lieder an. Viele stammen aus der künstlerisch so fruchtbaren Epoche der Romantik. Vom Lenz, der grüßen lässt, über die rechte Gunst Gottes, den Bauern im Märzen, die aufgehenden Sternlein, den guten Mond bis hin zur Ruhe über den Gipfeln reicht das Repertoire mit über zwanzig Liedern. Mit ihrer glockenreinen, anmutigen Stimme verleiht Gabriele Näther, die vielen Potsdamern noch aus ihrer Zeit am Hans-Otto-Theater in guter Erinnerung ist, jedem Lied klingenden Ausdruck ohne Biedermeierei und Überzuckerung. Dazu spielt der Pianist und Komponist Matthias Suschke eigens arrangierte, ebenso sensible wie sinnfällige Begleitungen. So werden aus den kurzen Stücken knackige Charakterminiaturen.

Dass Märchen gut zu Volksliedern passen, liegt auf der Hand. Klugerweise beließ es Klaus Büstrin nicht dabei, sondern liest mit sonorer Stimme außer einem Märchen der Gebrüder Grimm die märchenhafte Erzählung „Der siebte Zwerg“ von Franz Hessel und den „kleinen Häwelmann“ von Theodor Storm vor. Die so entstandene individuelle kleine CD ragt aus dem üblichen Angebot positiv heraus. Leider werden weder die Komponisten noch die Verfasser der Lieder genannt. Dabei legten nicht zuletzt Dichter wie Matthias Claudius, Johann Wolfgang von Goethe, Joseph von Eichendorff, Hoffmann von Fallersleben und Heinrich Heine mit ihren Versen die Basis, dass aus schlichten Liedern zeitlos beliebte Volkslieder werden konnten. Babette Kaiserkern

— Guter Mond, du gehst so stille. Lieder und Märchen der Romantik.

Mit Gabriele Näther (Gesang), Matthias Suschke (Klavier), Klaus Büstrin (Sprecher). Canticus Verlag 2016, 14,99 Euro