Kultur : Weitermachen erwünscht

Im „RockCamp“ im Lindenpark lernen Kinder, wie musikalische Teamarbeit funktioniert

Andrea Lütkewitz
Zusammenhalt zählt. Beim Music-Camp im Lindenpark lernen junge Musiker, wie das Business funktioniert. Auch mit dem Mangel an Proberäumen
Zusammenhalt zählt. Beim Music-Camp im Lindenpark lernen junge Musiker, wie das Business funktioniert. Auch mit dem Mangel an...

James Hetfields Art, Songs seiner Band Metallica breitbeinig auf der Bühne darzubieten, ist legendär. Jannes, Sänger der Band The Broken Voices, macht es am Donnerstagnachmittag im Lindenpark ganz ähnlich wie der Metal-Star: Selbstbewusst steht der Zwölfjährige ebenso breitbeinig mit seiner schwarzen Gitarre in der Mitte des Proberaums zwischen zwei Schlagzeugern und zwei Keyboardern und singt lautstark ins Mikrofon. Der Sound ist brachial, der Song mit Namen „Red and Blue“ – wie die Band – gerade mal ein paar Tage alt. Die jungen Musiker, alle zwischen elf und 13 Jahre alt, spielen erst seit Montag zusammen – mit sichtlichem Spaß, als würden sie sich schon ewig kennen.

Wie genau das ist, als Band und somit als Team zusammenzuarbeiten, ein Instrument zu erlernen, einen ersten Song zu schreiben und am Ende sogar auf der Bühne zu stehen, das erfahren Jannes und rund 40 andere Kinder zwischen zehn und 18 Jahren aktuell im Lindenparker „RockCamp“.

Hier zeigen professionelle Coaches – Berufsmusiker und Musikschullehrer – den Kindern, wie Bandgründung, das Spielen eines Instruments und Songwriting funktionieren. Mit einer klaren Intention: „Um das Kulturgut Musik zu bewahren, braucht es junge Menschen, die sich damit beschäftigen“, sagt Bendix Lippe, Sprecher des Vereins „Mach Musik“, der seit sechs Jahren mit der „Initiative Mach Musik“ das Camp organisiert.

Damit Kinder und Jugendliche aus ganz Brandenburg Lust aufs Musizieren bekommen, biete das Angebot der Initiative, das aus Workshops, Musikkursen, Bandcoaching und Camps besteht, viel kreative Freiheit und eine große Offenheit gegenüber den musikalischen Interessen der Teilnehmenden, so Lippe. Außerdem wolle der Verein, der seinen Schwerpunkt auf die Popularmusik legt, auch jenen Heranwachsenden einen Zugang zur Musik ermöglichen, deren Eltern keinen regelmäßigen Unterricht in einer Musikschule oder bei einem Musiklehrer finanzieren könnten.

In manchen Teilen der brandenburgischen Peripherie gibt es sogar gar keine Musikschulen – im „RockCamp“ finden sich auch deshalb Kinder von dort. Dass es in Potsdam nicht leicht ist, einen Proberaum zu finden, der längere Zeit von Bands genutzt werden kann, ist auch für den Verein ein Thema. „Wir können aktuell zwar jungen Musikern drei Proberäume in Potsdam zur Verfügung stellen, aber man kann sich der dauerhaften Nutzung nie sicher sein“, sagt Thomas Oestereich, Leiter der „Initiative Mach Musik“. Die Hoffnung liege deshalb auf einer starken fachlichen Vernetzung und der Sichtbarmachung, die den Zugang zur Musik auch auf dieser Ebene erleichtern sollen.

Ganz in diesem Sinne passiert es dann auch häufiger, dass die Bands nach dem Camp weitermachen, wenn auch manchmal nur in Teilformationen. So etwas würde sich zwar auch die 16-jährige Lena wünschen – doch ihr ist bewusst, dass es nach dem Camp schwierig sein wird, die frisch formierte Band „Leck mich doch am Ohr“ am Leben zu erhalten. Sie selbst kommt nämlich aus Dallgow-Döberitz und die anderen Mitglieder aus Potsdam und Schwerin. Dass sie sich weiterhin treffen können, hält Lena, die Ukulele spielt und singt, deshalb eher für unrealistisch. Was sie dann aus dem Camp für sich mitnehmen könne? „Es ist eine Riesenerfahrung in Sachen Teamarbeit“, sagt sie. „Man muss lernen, zusammenzuhalten.“

Dass die Band nun trotz allem erst einmal zusammengehöre, wollen sie beim großen Aufritt am Freitag allen zeigen und sich gleich ganz in Schwarz kleiden. „Wir sind inzwischen wie eine Familie“, sagt Lena.Andrea Lütkewitz

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