• Von Astrid Priebs-Tröger: Geträumte Wege und gelebte Utopien

Von Astrid Priebs-Tröger : Geträumte Wege und gelebte Utopien

Urania-Führung durch den Siam-Garten von Sanssouci

Astrid Priebs-Tröger
Blick auf die Römischen Bäder.
Blick auf die Römischen Bäder.Foto: A. Klaer

Am Anfang war ein Plan. Nicht nur bei Friedrich Wilhelm IV., der die treibende Kraft unter den königlichen Gestaltern der Potsdamer Kulturlandschaft war. Ihm zu verdanken sind unter anderem die Neue Orangerie, das Belvedere auf dem Pfingstberg, die Heilandskirche Sacrow und auch die Friedenskirche von Sanssouci. Der Romantiker (1795-1861) auf dem Thron, ein Künstler, der nicht zuerst zum Staatsmann geboren war, stand mit seinem Siam-Garten – Schloss Charlottenhof samt Römischen Bädern – auch im Mittelpunkt der Parkführung, die von der Urania am Donnerstagnachmittag veranstaltet wurde. Deren Geschäftsführerin Karin Flegel stand zu Beginn ebenfalls vor einem Plan und erläuterte die Symmetrien dieses nach Süden ausgestülpten Gartenteils.

Dann schritt sie gemeinsam mit den Besuchern dessen Ost-West-Achse ab und wusste auf diesem, an Metern relativ kurzen Weg ein reichhaltiges Panorama von Architektur-, Kultur- und Kunstgeschichte vor ihren interessierten Zuhörern auszubreiten. Auf Schritt und Tritt spürte man ihre tiefe Begeisterung für dieses klassizistische Gesamtkunstwerk, das durch das kongeniale Dreigestirn Friedrich Wilhelm IV., der sich mit unzähligen Skizzen beteiligte, Karl Friedrich Schinkel und Peter Joseph Lenné verwirklicht wurde. Die außergewöhnlich schöne Anlage verkörpere darüber hinaus ein fernöstliches Landschaftsidealmodell, das von Friedrich Wilhelm IV. Siam, das „Land der Freien“, wo Herrscher und Beherrschte in Harmonie miteinander leben sollten, benannt wurde, so Karin Flegel auf der Insel im Maschinenteich. Eine schöne und ausgesprochen romantische Utopie. „Angetrieben“ wurde alles durch die erste preußische Dampfmaschine, die mit ihrer Rauchfahne ästhetisierend auch auf Zeichnungen aus der damaligen Zeit zu entdecken ist und von der heute noch eine Brunnenschale und das „Albanische Gitter“ am Maschinenteich künden.

Wie sehr moderne Technik und antike Mythologie miteinander harmonieren, wurde im dahinter liegenden Rosengarten bewusst, in dem man gern noch länger verweilt hätte. Doch das Thema Leben und Vergänglichkeit schlug sich nicht nur in der ausgeklügelten Architektur der gesamten Schloss- und Gartenanlage nieder, sondern ereilte die interessiert lauschenden Besucher in dem von Hopfen und Lilien begrenzten Hippodrom, als der erste Teil der zweistündigen Führung bereits überschritten und die Vertreterin der Kastellanin der Römischen Bäder, Friedhild-Maria Plogmeier, herbeieilte.

Mit ihr spazierte man gleich darauf an den Wiesen, die heute noch über 200 Gräsersorten zählen und von denen jetzt einige in Gelb, Pink und Violett leuchten, direkt auf den wasserspeienden Butt am Eingang des Hofgärtnerhauses der Römischen Bäder zu. Und sie begann ihren mitreißenden Vortrag mit der kleinen Anekdote, dass der kunstsinnige und körperlich ziemlich kräftige Kronprinz sich selbst als Butt bezeichnete und teilweise auch so seine Briefe unterschrieb.

Gleich darauf präsentierte sie in der aktuellen grafischen Ausstellung Bleistiftzeichnungen des Herrschers, die er in seiner auffälligen Kurzsichtigkeit winzig klein auf einem Predigtzettel vom 11. November 1832 skizzierte. Pläne entwerfen und zeichnen scheint damals eine Lieblingsbeschäftigung gewesen zu sein. Den Zeitgenossen zum kultivierten Zeitvertreib, den Nachgeborenen zum beredten Zeugnis. Ist doch aus ihnen beispielsweise zu erfahren, dass die Friedenskirche unweit des Grünen Gitters eigentlich zum Ensemble von Römischen Bädern und Alter Meierei am Kuhtor gehört und in deren unmittelbarer Umgebung gebaut werden sollte.

Von hochfliegenden Plänen zeugt auch die Anlage der eigentlichen Bäder, in der jedoch nie gebadet wurde, sondern pompejische Wandmalereien und eine riesige Wanne aus Bandjaspis ihren Platz fanden. Und für die Besucher gab es dann zum Abschluss sogar noch einen Blick in das sonst verschlossene und zu rekonstruierende Billardzimmer.

Die nächste Führung „Die Muschelgrotte am Jungfernsee“ findet am 21. Juli, um 16 Uhr, Treff Schloss Cecilienhof, statt.

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