Kultur : Vielfältig, witzig, intelligent

Die 4. Brandenburger Ökofilmtour ging mit der Preisverleihung im Filmmuseum zu Ende

Astrid Priebs-TrögerD

Weder Stars noch Sternchen und auch kein sonstiger Glamour. Selbst ein roter Teppich ist am Mittwochabend im Filmmuseum nicht zu entdecken. Doch die Brandenburger Ökofilmtour unterscheidet sich nicht nur in solchen Äußerlichkeiten von anderen renommierten Filmfestivals. Sie tourt jetzt seit vier Jahren jeweils ein Vierteljahr durch das gesamte Land Brandenburg und zeigt hauptsächlich an Orten, an denen sonst kaum Kino stattfindet Filme, die im weitesten Sinne ökologisch zu nennen sind.

In diesem Jahr waren das 40 verschiedene Produktionen – von der halbstündigen Fernsehdokumentation bis zum abendfüllenden Spielfilm – die an 60 Orten gezeigt und von mehr als 8000 Zuschauern gesehen wurden. Das waren wiederum 1000 mehr als im Vorjahr, wie Festivalleiter Ernst-Alfred Müller sagte, und nicht nur diese steigende Resonanz zeigt, wie bedeutsam die Tour inzwischen für Brandenburg ist. Zur Preisverleihung im Rahmen der Abschlussveranstaltung wurden in insgesamt sechs Kategorien die Preise verliehen.

Darunter den der Stadt Potsdam für die beste künstlerische Leistung, den der 2007 von Daniel Kunle und Holger Lauinger gedrehte Dokumentarfilm „Neuland“ errang. Der zeigt, und das ist typisch für die diesjährigen Preisträger, nicht nur die Schattenseiten von Globalisierung und Umweltzerstörung, sondern vor allem neue und bisher unerschlossene Möglichkeitsräume und ihre fantasievollen Protagonisten. In „Neuland“ sind das Menschen, die in der ostdeutschen Transformationslandschaft ihre ungewöhnlichen Projekte – von Schneckenfarmen über Ökodörfer – aus eigener Kraft und oft gegen äußeren Widerstand entwickeln.

Einen ebenfalls mit 5000 Euro dotierten Preis erhielt als bester Naturfilm der Streifen „Wölfe auf dem Vormarsch“ von Sebastian Koerner und Holger Vogt. Der leistet Pionierarbeit für den Artenschutz, denn es gelingt ihm, die extrem scheuen Tiere, deren Akzeptanz in der Brandenburger Bevölkerung noch immer schwierig ist, mit der Kamera einzufangen. Der Biologe Sebastian Körner beobachtet die nach Brandenburg zurückgekehrten Tiere seit mehr als zehn Jahren und es ist ihm eine Herzensangelegenheit, wie auch auf der Preisverleihung zu spüren war, ihre Rückkehr als Chance für unsere Region sichtbar zu machen.

Eine Chance für Menschen in der ägyptischen Wüste ist auch die biologisch-dynamische Farm „Sekem“, die der Dokumentarfilm „Sekem – Mit der Kraft der Sonne“ von Bertram Verhaag porträtiert. Der Autor und Regisseur errang damit den erstmals von der Deutschen Umwelthilfe vergebenen Hoimar-von-Ditfurth-Preis für die beste journalistische Leistung. Gewürdigt wird damit nicht nur der berühmte Wissenschaftspublizist und Fernsehmoderator, sondern auch der kühne Visionär Ibrahim Aboulleish, der sich vor 35 Jahren in die ägyptische Wüste aufmachte und seitdem ein blühendes Paradies für mehr als 2000 Menschen schuf.

Wie vielfältig, witzig und intelligent die gesamte Auswahl des diesjährigen Jahrgangs der Ökofilmtour war, bewiesen auch die Ausschnitte aus den anderen Preisträgerfilmen: Der beste Kinder- und Jugendfilm ist eine französische, wunderbar poetisch-dramatische Geschichte über einen Fuchs und ein Mädchen, Publikumsliebling „Leroy“ erzählt auf angenehm komödiantische Art über alltäglichen Rassismus und „Räumkommando Riesenratte“ über großartige Tiere, die in Mozambique bei der Beseitigung von Landminen helfen.

Das Festival geht heute zu Ende, aber morgen geht es weiter, sagte rbb-Moderator Hellmuth Henneberg: Sämtliche Festivalfilme können im Haus der Natur in der Lindenstraße weiterhin angesehen werden. Astrid Priebs-Tröger

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