Kultur : Tango für ein Altenheim

Benefizkonzert des Autonomen Frauenzentrums in der Friedenskirche

Astrid Priebs-Tröger

Benefizkonzert des Autonomen Frauenzentrums in der Friedenskirche Es war Rieta Mildebraths großer Abend. Sie war am Dienstag schier überwältigt vom Anblick der voll besetzten Friedenskirche, hatte sie doch in den letzten Wochen und Monaten ehrenamtlich und unermüdlich für „ihr“ Benefizkonzert geworben und nicht nur Zustimmung erfahren. Mit dem Konzert soll ein Projekt unterstützt werden: der Bau eines Altenheimes auf der Krim, für ehemalige KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiterinnen, von denen heute viele schwerstbehindert und hochbetagt sind und in zum Teil menschenunwürdigen Verhältnissen leben müssen. Der Fürstenberger Förderverein Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e.V. hat seit 1998 Kontakt zu der ukrainischen Initiatorin Sinaida Demjanenko, die im kleinen Dorf Solnetschnogorskoje, in der Nähe von Simferopol hilft. Sie braucht 300 000 Euro für diese, „ihre Lebensaufgabe“. Überall in der Welt, besonders in Deutschland, hat sie Unterstützung gesucht und gefunden: in Fürstenberg, beim Autonomen Frauenzentrum Potsdam, beim Büro für Gleichstellungsfragen und auch bei Oberbürgermeister Jann Jakobs, der die Schirmherrschaft für das Konzert in der Friedenskirche übernahm. Die couragierte und besonders in Ostdeutschland geschätzte Lyrikerin Gisela Steineckert hatte das anspruchsvolle Programm unter dem Titel „Lasst euch erinnern“ zusammengestellt und langjährige Weggefährten und Freunde dazu eingeladen. Warmherzig und kämpferisch führte sie durch den fast zweistündigen Abend. Zu Beginn wurde die ORB-Reportage „Das Leid nebenan – Sina baut ein Altenheim“ (2001) von Wolfram Böhme gezeigt. Den literarisch-musikalischen Programmteil bestritten abwechselnd Gisela Steineckert mit ihren gesellschaftskritischen Texten und die Sängerin und Schauspielerin Angelika Neutschel, die einfühlsam vom Pianisten und Komponisten Manfred Schmitz begleitet wurde. Neutschel sang poetische Texte, wie den von den „Schönen Wassern“ bis hin zum ironischen „Lied über die Raffgier“ und weiblich kämpferisch, aber auch mit einem Augenzwinkern „Die gefangene Lorelei“. Zu beiden gesellte sich der Bajanspieler Ilja Kurtev. Als Höhepunkt des Abends eroberte er mit einem Schlag die Herzen des Publikums. Auf dem Bajan ließ er ein Feuerwerk aus russischen Weisen, Musik von Schostakowitsch, Chatscharturjan und Tangos von Astor Piazzolla entstehen. Den krönenden Abschluss gestalteten Veronika Fischer und die Musiker Peter Klinke (Bass), Udo Weidemüller (Gitarre) und Andreas Bicking am E-Piano. Geradezu gegensätzlich temperiert zum Vorhergehenden wirkten ihre lyrischen Balladen „Es ist ein Schnee gefallen“ und „In einem bösen Traum“ bis hin zu ihrem ehemaligen Hit „Dass ich eine Schneeflocke wär“. Auch von ihrem unverwechselbaren, melancholischen Sound ließen sich die Zuhörer mitreißen und erklatschten sich die Zugabe „Kind, ich wünsch dir Frieden“. Zum Schluss gab es Ovationen und Sonnenblumen für alle Mitwirkenden. Und die freudige Nachricht für Rieta Mildebrath, dass als Erlös des Konzertes 5500 Euro zusammenkamen.Astrid Priebs-Tröger

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