• Strohfeuer oder Dauerbrenner? Diskussion in der fabrik

Kultur : Strohfeuer oder Dauerbrenner? Diskussion in der fabrik

um den Tanzplan Potsdam

Astrid Priebs-Tröger

In Frankreich herrschen paradiesische Zustände. Zumindest in Bezug auf den zeitgenössischen Tanz. Luc Paqiuer, der Leiter vom Bureau du Théatre et de la Danse präsentierte am Donnerstagabend im fabrik- Café stolz die Zahlen: In unserem Nachbarland gibt es 19 choreografische Zentren und etwa 350 Tanzcompagnien, die sich über ein- bis zweijährige Förderungen freuen können. Der französische Kulturetat soll 2011 um 2,5 Prozent steigen.

In Deutschland hingegen ist Nachwuchsförderung im modernen Tanz nur in Hamburg, Potsdam und Essen möglich. Da verwundert es nicht, dass das Team der Potsdamer fabrik die Öffentlichkeit sucht, um zu diskutieren, wie es nach dem Auslaufen der fünfjährigen Tanzplan-Potsdam-Förderung 2011 weitergehen soll. Zumal die fabrik mit dem Tanzplan „Leerstellen in der deutschen Tanzlandschaft gefüllt hat“, wie Pirkko Husemann vom Berliner Hebbel am Ufer (HAU) sagte. Das HAU sei nicht in der Lage, bei bis zu 600 Vorstellungen im Jahr, künstlerische Prozesse intensiv zu befördern und längerfristig zu begleiten.

Tanzplan Potsdam hat seit 2006 100 Tanz- und Performancekunstprojekte mit mehr als 400 beteiligten Künstlern mit Stipendien und Arbeitsaufenthalten in den gut ausgestatteten Studios unterstützt. Mehr als 60 Showings ermöglichten nicht nur für die Potsdamer Zuschauer einen Einblick in die aktuelle internationale Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes, sondern auch für die fabrik eine Einbindung in die internationale Tanztheaterlandschaft. Die Bewerberzahlen für eine Residenz in Potsdam haben sich seit 2008 versechsfacht.

Martin Gorholt, Staatssekretär im brandenburgischen Kulturministerium, kritisierte indes, dass in der hiesigen Politik immer von „Anschubfinanzierung“ geredet wird und sich kaum einer Gedanken darüber macht, wie es nach Auslaufen der Bundesfinanzierung weitergehen soll. Das Artists-in-Residence-Programm sei in einem Flächenland wie Brandenburg „elitär“, außer in Potsdam werde nur noch in Cottbus moderner Tanz öffentlich gefördert, 40 Prozent des Gesamtetats seines Ministeriums würden in der Landeshauptstadt ausgegeben. Er forderte eine neue Schwerpunktsetzung für nachfolgende Förderungen, die mit weit weniger Mitteln als bisher ausgestattet sein würden. Für innovative Projekte „Kultureller Bildung“ seien aber immer Projektförderungen möglich, so Gorholt. Ulrike Melzwig von Tanzplan Potsdam räumte ein, dass die Tanzplan-Förderung im gesamten Land nicht sehr sichtbar sei, wünschte sich aber trotzdem den Idealfall der Verbindung von Kunstproduktion und kultureller Bildung.

Tanzplan Deutschland-Projektleiterin Madeline Ritter fragte die anwesenden politischen Vertreter indes nach dem Zusammenspiel von Bund, Land und Stadt und regte an, dass sich die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg gemeinsam an die Kulturstiftung des Bundes wenden, um eine weitere Förderung des erfolgreichen Projektes zu erreichen. Potsdams Kulturbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU), die ebenfalls den „Geburtsfehler“ Anschubfinanzierung durch die Bundeskulturstiftung kritisierte, lud einen skeptischen Staatssekretär Gorholt ein, gemeinsam eine Förderung unter veränderten Akzenten beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien anzufragen und gleichzeitig an einem „Plan B“ zu arbeiten. Astrid Priebs-Tröger

Tanzplan Potsdam mit Aufführungen von „Dark Matter“ von Kate McIntosh aus Brüssel , Samstag 19.30 und Sonntag 18 Uhr, fabrik Potsdam Schiffbauergasse 10.

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