• Flötistin Bettina Lange von der Kammerakademie Potsdam im Porträt

Serie Köpfe der KAP : Keine Zauberei und doch magisch

Bettina Lange ist Flötistin bei der Kammerakademie Potsdam. Ihr Instrument hat einen verlockenden Klang und eine lange Geschichte. Am Sonntag ist sie beim Familiennachmittag im Nikolaisaal dabei. Mit der "Zauberflöte" natürlich.

Verführerisch. Bettina Lange hörte schon als Kind die Flötenstimme aus dem Orchester heraus. 
Verführerisch. Bettina Lange hörte schon als Kind die Flötenstimme aus dem Orchester heraus. Foto: Andreas Klaer

Die Flöte, dieses kleine Instrument. Flötisten reisen mit kleinem Gepäck. Die Flöte, Elternalbtraum jedes Instrumentenkarussells, angeblich. Diese Flöte, für die es kein nennenswertes, aufregendes Zubehör oder Prozedere braucht, reinpusten und fertig: Für Bettina Lange ist sie das aufregendste Instrument. Und das vielseitigste.

Es muss wie das Naschen vom großen Bunten Teller gewesen sein, als Bettina Lange nach einem Studium in der DDR nach England ging und in der Meisterklasse bei Trevor Wye studierte. „Er hatte zu Hause Hunderte Flöten, aus den verschiedensten Ländern und Zeiten, viele davon sehr kostbar. Und wir durften sie alle ausprobieren und spielen.“ Wenn Lange davon spricht, schwingt, nach all den Jahren, immer noch viel Begeisterung mit. „Aus dieser Zeit stammt meine Liebe zum Ausprobieren und Erforschen. Das hört nicht auf.“

Statt in die Kita ging sie ins Theater

Bis heute ist sie hungrig auf Neues, auf Experimente, Klänge, Herausforderungen. Deshalb engagiert sie sich, neben ihrer eigenen Konzerttätigkeit, viel für pädagogische Projekte und spielt sehr gerne für Kinder. Sie erinnert sich an ihren eigenen Zugang zu dem Instrument. Langes Mutter ist damals Gitarristin, ihr Vater Bühnen- und Kostümbildner am Nationaltheater in Weimar. „Ich war nie in einer Kita, sondern durfte immer meine Eltern begleiten, früh ins Theater, nachmittags in die Musikschule.“

Wenn sie bei Konzertproben dabei sein darf, begeistert sie sich vor allem für Flöte. „Ich habe sie immer herausgehört.“ In der direkten Begegnung gelingt es am besten, Kinder für Musik zu begeistern, sagt sie. „Kinder brauchen ein Aha-Erlebnis, sie müssen sehen und erleben, dass das keine Zauberei ist, sondern dass jeder so etwas lernen kann.“

Lange beginnt im Alter von sechs Jahren mit der Blockflöte. Als sie elf Jahre alt ist, wechselt sie zur Querflöte. Das geht erst ab einem bestimmten Alter, wenn die Zahnbildung beendet ist und die Lunge eine gewisse Größe hat. Querflöte spielen ist anstrengend. Aber es ist dieser Klang, den sie will. Der sie verzaubert hat. Nach einigen Jahren wechselt sie in Weimar auf eine Musik-Spezialschule und beginnt, da ist sie erst 17 Jahre alt, an den Musikhochschulen in Weimar und Dresden zu studieren. Mit 21 ist sie fertig und beginnt zu arbeiten. Ein DDR-typischer Ausbildungsweg. Der einen Drang nach Weiterbildung freisetzt.

Die Flöte, eines der ältesten Instrumente der Menschheit

Daraus entwickelte sich ihre offene Einstellung ihrem Instrument gegenüber. Wenn Lange darüber spricht, klingt es, als wäre die Flöte ein lebendiger Organismus, dem sie Lebensphasen, Stimmungswechsel, Entwicklungen und Veränderungen gerne zubilligt. Einen festgelegten Klang gibt es nicht. „Man muss offen sein für das, was im großen Klanggefüge entsteht.“ Gemeint ist das Zusammenspiel im Orchester.

Aber auch das Zusammenspiel von Instrument und Mensch. Die Flöte kommt mit einer Vergangenheit daher. Sie gehört zu den ältesten Instrumenten der Menschheit. Die waagerechte Haltung der Flöte ist dabei bei weitem keine moderne Erscheinung, erklärt Lange. Die ersten Seitenflöten waren vermutlich ausgehöhlte Knochen, die, vielleicht weil sie lange in der Sonne lagen, an einer Stelle einen länglichen Riss bekommen hatten. Hier konnte man den Mund ansetzen, quer natürlich.

In Potsdam spielte Friedrich II. ein Flauto Traverso, eine Barockflöte aus Holz. Diese Traversflöte hatte nur eine Klappe, erst zur Zeit der Klassik kommen mehr dazu. „Flötenbauer haben immer viel ausprobiert.“ Friedrichs Flötenlehrer Johann Joachim Quantz baute einige der schönsten Flöten dieser Zeit, sagt Lange. Und Quantz’ Flötenschule, in der vor allem die Verzierungen wie diverse Triller beschrieben werden, findet sie auch heute noch lesenswert. Ende des 19. Jahrhunderts werden mehr und mehr Querflöten aus Metall gebaut. Sie sind vor allem lauter. Und sie werden höher gestimmt, was dem Klang einen völlig anderen Charakter verleiht. Lange besitzt eine gut 100 Jahre alte Querflöte aus Holz und eine neue aus Gold mit silbernen Klappen. Eine kostbare, gut überlegte Anschaffung. „Man muss viele Flötenmodelle ausprobieren, um die eine zu finden, die zu einem passt.“

Am Familiensonntag begleitet sie Tamino und Papageno

In der Kammerakademie Potsdam ist sie eine von zwei Flötistinnen. Lange war von Anfang an Mitglied des Orchesters. Sie schätzt es, neben den Spielverpflichtungen in der KAP auch Zeit für weitere Projekte zu haben. Sie unterrichtet, auch an der Potsdamer Universität, und hat „Potsdams Tonträger“, den Musikvertrieb des Nikolaisaals, aufgebaut.

Sie findet es wichtig, sich mit Komponisten jeder Epoche zu beschäftigen, auch mit Neuer Musik. Jeder Komponist hat schließlich einst aktuell komponiert, und die Beschäftigung mit dem, was heute neu ist, helfe ihr, Zugang für Bestehendes zu finden. Mozarts Zauberflöte bleibt aber märchenhaft: Beim Konzert am Sonntag wird Langes Flöte das Schicksal von Tamino und Vogelfänger Papageno magisch begleiten. Steffi Pyanoe

Familiensonntag am Sonntag, 26. August ab 14 Uhr im Nikolaisaal, der Eintritt ist frei