Kultur : Schlagfertig

Das Duo DoubleBeat in der Friedenskirche

Das Arsenal von Schlagwerkinstrumenten war überschaubar: Diverse Trommeln und zwei Marimbaphone benötigte das Percussion-Duo DoubleBeats, um eine klangreiche Performance zu präsentieren. In der Friedenskirche Sanssouci waren die Chinesin Ni Fan und der Deutsche Lukas Böhm zu Gast. In dem Benefizkonzert, das jährlich unter anderen von den Lions- und Rotary-Clubs Potsdam veranstaltet wird, musizierten sie für den Landesverband Brandenburg e.V. der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft. 2014 war es bereits das zwölfte Mal, dass die Eintrittskarten-Erlöse aus einem Konzert der Service-Clubs sozialen Projekten und Einrichtungen zugutekommen.

Die Musikakademie Rheinsberg mit ihrer Direktorin Ulrike Liedtke ist bei der Auswahl von Musikern von Anfang an prägend. Auch diesmal hatte sie nicht nur ein Gespür für das wunderbare Talent der Musiker, sondern auch das Wissen um deren Ausstrahlung. Ni Fan und Lukas Böhm studieren noch an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und werden künstlerisch von international bekannten Percussionisten betreut, unter anderen von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Renommierte Preise konnten sie bereits gewinnen.

Verächter von ohrenbetäubenden Donnerschlägen brauchten sich an diesem Konzertabend nur einmal zu fürchten. Für das Stück „Gyro“ des israelischen Percussionisten und Komponisten Tomer Yariv strahlte „DoubleBeats“ expressive Spannungsfelder ab. Eruptive Entladungen, naturhafte Magie, wilde archaische Tanzrhythmen wurden durch den explosionsartig-virtuosen Wirbel auf Trommeln zum Erlebnis. Das Gros des Abends wurde auf zwei Marimba-Instrumenten bestritten. Auch auf ihnen bewiesen Ni Fang und Lukas Böhm souveräne Könnerschaft. Sie spielten mit einer rhythmischen Exaktheit, dass es eine wahre Freude war. Dabei beherrschen sie die gesamte dynamische Bandbreite ihrer Instrumente. Zwischen Free Jazz, Pop, Alter und Neuer Musik sowie einem afrikanischen Rhythmusgefühl changierten die Kompositionen des Franzosen Emmanuel Sejourné, des Deutschen Matthias Schmidt, des Israelis Adi Morag sowie des Brasilianers Ney Rosauro. Sie hatten dadurch etwas Kommunikatives, bei denen auffahrende Expressivität, humorvolles Lächeln, Sanftheit und leise, Trost spendenden Passagen zu hören waren. Die extrem komplexe Rhythmik ließ das Duo oftmals ganz einfach und melodisch erklingen. Dann klangen die Marimba sogar wie Streicher oder eine Orgel. Das waren die bewegendsten Momente.

Gegen Hörgewohnheiten schien die Aufnahme von zwei Sätzen aus dem Italienischen Konzert (BWV 971) gewesen zu sein, das Johann Sebastian Bach ursprünglich für ein Tasteninstrument komponiert hat. In der Tat, man musste sich an den Marimba-Klang erst einmal gewöhnen. Die Sätze wirkten dabei leicht verfremdet und manche Strukturen erschlossen sich erst nach und nach. Das Publikum war hellauf begeistert und spendete lang anhaltenden Beifall. Klaus Büstrin

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