• Satire von Choy Ka Fai auf den Potsdamer Tanztagen: Beim Onkel Doktor in der Tanzklinik

Satire von Choy Ka Fai auf den Potsdamer Tanztagen : Beim Onkel Doktor in der Tanzklinik

Choy Ka Fai präsentierte ein satirisches Stück auf den Potsdamer Tanztagen. Durchgehend überzeugend war das nicht.

Welches Geschlecht? Bei Choy Ka Fai antwortet KI.
Welches Geschlecht? Bei Choy Ka Fai antwortet KI.Foto: A. Gindac/promo

Potsdam - Mit der süßlich säuselnden Stimme eines futuristischen Sektenpapas versuchte der als Doktor verkleidete Choy Ka Fai sein Publikum am Mittwochabend in der fabrik um den Finger zu wickeln: „I had a dream: I wanted to be a choreographer.“ Unter anderem mit einem Rückblick in die eigene fiktive Vergangenheit, in der ihm vor allem eines den Erfolg gesichert habe: die künstliche Intelligenz Ember Jello. Zu seinen einleitenden Worten drehten sich 3D-Avatare auf einer Leinwand um die eigenen Achsen. Eine der Kunstfiguren samt üppiger Penisverlängerung. Das Programm könne folglich sogar die Spiritualität steigern, um sagenhafte 30 Prozent. Es wirkte fast so, als wollte der Künstler und Designer aus Singapur keinen einzigen Witz auslassen.

Kann künstliche Intelligenz den Tanz und insbesondere den Tänzer kontrollieren und verbessern? Und falls ja, braucht man dann überhaupt noch einen menschlichen Körper für eine Tanzperformance? Um diese zugespitzten Fragen geht es Choy Ka Fai. Mit seiner „Dance Clinic“, die er auf den Tanztagen präsentierte, hält er unter anderem dem Selbstoptimierungswahn den Spiegel vor, veralbert aber gleichzeitig jede Technikangst und schießt damit ein wenig über das Ziel hinaus. Ember Jello bestimmt, wo jemand die stärkste Bühnenpräsenz hat, definiert sogar die Sexualität. Erst musste die Tänzerin Kareth Schaffer eine Vorrichtung anlegen, um ihre Gehirnströme messen zu lassen, dann der Tänzer Paul Duncan. Und schnell stellte man fest: Alles Humbug, gemessen wird hier nichts. Die Balken auf der Leinwand bewegten sich willkürlich auf und ab.

Wann wird endlich getanzt?

Irgendwann hatte man sich eingelacht. Was als Satire begonnen hatte, wurde immer alberner. Und zwischendurch fragte man sich dann doch, wann denn endlich getanzt werden soll. Kurze Einlagen kamen vor, immer jedoch mit einer übergroßen Portion Ironie. Darlane Litaay aus Papua-Neuguinea kam gegen Ende mit einer Jesusmaske auf die Bühne und tanzte sich, umgeben von künstlichen Nebelschwaden, so sehr in Trance, dass das Computerprogramm zunächst wild ausschlug, um dann den endgültigen Kollaps zu erleiden. 

Zu viel Spiritualität hält also noch nicht einmal künstliche Intelligenz aus. Choy Ka Fais Beschäftigung mit dem zeitgenössischen Tanz ist interessant, seine Fragen können eigentlich auf jede Kunstform übertragen werden, auf das Verhältnis Mensch-Maschine an sich. Und auch der Tanz muss Parodie aushalten. Aber bei einer Stunde Bühnenprogramm hätte es doch mehr in die Tiefe gehen können.