• Potsdamer Illustrator Peter Menne: Kunst per Lieferservice

Potsdamer Illustrator Peter Menne : Kunst per Lieferservice

Museen und Galerien waren coronabedingt lange zu. Dann muss die Kunst eben zu den Leuten, dachte sich der Potsdamer Karikaturist Peter Menne und startete eine Kunst-Lieferaktion.

Steffi Pyanoe
Fritz Eckenga dichtet: "Zur Weihnacht brat ich Gans./ Ostern brat ich Lamm./ Zu Pfingsten wiegt mein Braten mal grad zweihundert Gramm./ Pfingsten brat ich lediglich,/ denn das befiehlt mein Glaube,/ Taube." Illustration Peter Menne.
Fritz Eckenga dichtet: "Zur Weihnacht brat ich Gans./ Ostern brat ich Lamm./ Zu Pfingsten wiegt mein Braten mal grad zweihundert...Foto: PROMO

Potsdam - Peter Menne ist ein Kunstarbeiter. Sein Werk braucht eine Aufgabe. Zahlreiche Bücher hat er illustriert oder komplett gestaltet. Er hat für Kalender, Plakate und Zeitungen gezeichnet. Und dann sind da noch die Sachzeichnungen für Arbeitsschutzbroschüren oder Gebrauchsanweisungen. „Für Beamte, das ist manchmal gruselig“, sagt Menne, aber auch so was gehört zum Brot-und-Butter-Geschäft. Der Mann muss diszipliniert sein, ahnt man, und sein Arbeitszimmer im Familienhaus in Babelsberg verströmt tatsächlich statt Bohème eher Klarheit, Fleiß und Unternehmergeist. „Als Illustrator ist man immer auch Dienstleister“, sagt er.

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Peter Menne, 57, stammt aus Delbrück in Westfalen. Und obwohl er bereits seit 25 Jahren in Potsdam lebt und vorher an der Kunsthochschule Berlin Weißensee studierte, fühlt er sich noch immer und eigentlich gerne in beiden Regionen beheimatet. Der westfälische Dickschädel hat allerdings bisher mehr in seine Kunst Eingang gehalten als Potsdamer Charaktere. Der Menschenschlag seiner alten Heimat, dralle, gesetzte, manchmal etwas introvertierte Gestalten, fließt ihm leichtgängig aus der Feder. Aber auch Potsdamer werden sich mühelos in den Bildern entdecken. Die Zeichnungen koloriert er meist mit „Schmuddelfarben“, sagt er, für die Patina. Er hat sogar schon mit Bitumen gemalt.

Peter Menne.
Peter Menne.Foto: Ottmar Winter

Liebhaberei und Geschenk: Kultur per Lieferservice

Jetzt leistet sich Menne selber einen Dienst, sich und allen anderen, die das möchten: „Kultur per Lieferservice“ heißt das aktuelle Projekt, bei dem er Kunstwerke, die jeweils aus einem Textbaustein und einer Zeichnung bestehen, an einen Liebhaberkreis verschickt. Kunden sind es nicht, denn die Kunst als auch der Lieferservice sind kostenlos. „Es ist eine Liebhaberei und ein Geschenk an alle, die jetzt zu viel zu Hause sitzen und Abwechslung gebrauchen können. Die Museen und Theater waren lange geschlossen, Lesungen wurden abgesagt, also kommt die Kunst zu den Leuten nach Hause“, sagt er. Auch als Lebenszeichen von ihm und seinem Autorenstamm hinaus in die Coronawelt ist es gedacht, eine Welt voller Auftrittsverbote. Die Kunstblätter werden zwei Mal in der Woche als Email verschickt, er hat bisher 1500 Empfänger in ganz Deutschland. Und er zeigt sie auf Facebook und Instagramm. Die Resonanz sei gut. „Viele Leute sind wirklich dankbar.“

Zu sehen gibt es Karikaturen und Cartoons, Bilder aus flotter Feder, die jeweils mit einem Stückchen Wortkunst kombiniert sind, ein Spruch, ein Vers, ein Aphorismus, ein kleines Gedicht. Die Autoren, Wortkünstler aus der Lyrik-, Kabarett- und Feuilletonbranche, sind handverlesen und nur die Lieblinge von Menne schaffen es in die Auswahl: Hubertus Janssen, Fritz Eckenga, Thorsten Trelenberg, Ulrich Straeter, Erwin Grosche. Spritzig und klug muss es sein. Und irgendwas mit der verrückten Zeit jetzt zu tun haben, ein augenzwinkernder Blick auf die Krise.

68er beim Kartenspiel, Menschen mit Zollstock

Also zeichnet Menne Menschen unter Auflagen, ob zu Hause auf Balkon und Garten, dem Partner ausgeliefert und ihren eigenen schrägen Psychosen. Malt den Mann mit Malerhut auf der Leiter, dazu Eckengas Spruch: „Die Psychologen sagen, man soll sein Leben strukturieren. Wollte sowieso renovieren. War jetzt im Baumarkt. Unfassbar: 56 Sorten Strukturtapete! Kann mich nicht entscheiden …“ Eine Runde Alt-68er beim Kartenspiel mit Rotwein, die noch mal von der Revolution träumen. Menschen, die nervös mit dem Zollstock hantieren, Abstand vermessen. Es geht natürlich auch die Angst vor Viren, aber der kann man mit Sekt begegnen, und dann gibt’s ja noch die alte Plattensammlung, die man jetzt endlich hören kann.

Jetzt kommen zwar die Lockerungen, aber deshalb müsse er ja die Kunstlieferaktion nicht beenden. Das Projekt soll weitergehen, neue Empfänger sind herzlich willkommen. Später könnte daraus außerdem ein Buch entstehen. Wer schon jetzt mehr Bilder von Peter Menne sehen will, kann die Räume des Ingenieurbüros Zauft in der Glasmeisterstraße 5+7 besuchen, das regelmäßig Potsdamer Künstler ausstellt.

Anmeldung für die Kunstlieferung an [email protected]

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