• Werk von Sergey Parajanov im Filmmuseum Potsdam

Politische und religiöse Motive : Das Werk von Sergey Parajanov im Filmmuseum

Der sowjetisch-armenische Regisseur Sergey Parajanov inspirierte Fellini – und Madonna. Im Filmmuseum Potsdam ist er wiederzuentdecken.

Holger Cathenhusen
Fremde Welt. Sergey Parajanovs „Die Farbe des Granatapfels“.
Fremde Welt. Sergey Parajanovs „Die Farbe des Granatapfels“.Foto: S. Parajanov Museum

Es sind Szenen aus einer fremden Welt. Und aus einer Zeit, die längst vergangen scheint. Da werden Folianten auf dem Dach eines Klosters getrocknet, Frauen in langen Gewändern weben Stoffe, Menschen kommen in goldfarbenen Trachten zusammen. Immer wieder sind kultisch verwendete Geweihe zu sehen. Und Granatäpfel. Gleich zu Beginn des Films „Die Farbe des Granatapfels“ verströmen diese blutroten Früchte auf eine unwirkliche Weise ihre Farbe. Für den Betrachter erscheint es, als würden sie einfach so auslaufen, ihren Saft hergeben, so wie das Blut aus einem geschlachteten Schaf oder einem Huhn rinnt, dem man gerade den Kopf abgetrennt hat. Was dann ebenfalls später im Film tatsächlich mehr oder minder deutlich zu sehen ist.

Sowjet-Zensoren wenig begeistert

Mit seinem Werk „Die Farbe des Granatapfels“ aus dem Jahre 1969 hatte der sowjetisch-armenische Regisseur Sergey Parajanov einst dem im Kaukasus bekannten Dichter und Komponisten Sayat Nova ein filmisches Denkmal gesetzt. Parajanovs in weiten Teilen geradezu surreales Werk über den armenischen Künstler Sayat Nova, der im 18. Jahrhundert lebte, wirkt von seiner Choreographie her wie eine Mischung aus Operninszenierung und Musikvideo. Doch in der Sowjetunion stieß der avantgardistische Streifen auf den großen Widerwillen der Zensoren und wurde dort viele Jahre nicht gezeigt.

Zeichnungen und Collagen

Regisseur Parajanov hat in seinen Filmen immer wieder die klassischen Erzählstrukturen verlassen, sich von der Realität gelöst und dem Traumhaft-Unwirklichen einen Raum gegeben. Momentan widmet sich das Potsdamer Filmmuseum mit einer kleinen, ja wirklich sehr überschaubaren Ausstellung im Foyer des Hauses dem Wirken Sergey Parajanovs. Gezeigt werden Zeichnungen und Collagen, die der vielseitig begabte Filmregisseur einst schuf. So ist unter anderem eine Collage – leider, wie auch andere Werke, nur als Druck – zu sehen, die in wesentlichen Teilen aus Scherben bunt bemalten Porzellans besteht. Der Titel: „Großmutters Walnuss-Schüsselchen“.

Mehrfach verhaftet

Doch es ist nicht etwa beschauliche Volkskunst, die gezeigt wird. Politische und religiöse Motive ziehen sich durch sein Werk. Und ganz und gar wenig beschaulich war auch sein Leben. Am 9. Januar 1924 im georgischen Tiflis geboren, studiert Parajanov in seiner Heimatstadt zunächst Musik und Tanz. Im Jahr 1945 schreibt er sich im Staatlichen Filminstitut in Moskau ein. 1950 heiratet der Christ Parajanov die muslimische Tatarin Nigjar Kerimova, die wegen ihrer Ehe mit ihm als Christen von Familienmitgliedern ermordet wird. Später heiratet Parajanov die Ukrainerin Svetlana Sherbatiuk.

Mehrfach wird Parajanov inhaftiert, unter anderem wegen Homosexualität, angeblicher Vergewaltigung und Beamtenbestechung. International bekannte Filmkünstler wie Andrei Tarkovsky und Jean-Luc Godard protestieren gegen seine Inhaftierung. In der Zeit der Gefangenschaft entstehen viele Hundert Zeichnungen und Collagen. Lange Zeit erhält Parajanov ein Arbeitsverbot, ab 1984 darf er dann wieder Filme drehen. Am 21. Juli 1990 stirbt Parajanov in Jerewan.

Das Filmmuseum begleitet die Ausstellung mit einer kleinen Filmreihe. Nach „Die Farbe des Granatapfels“ werden zum Abschluss der Schau am 6. Januar 2019 die Filme „Feuerpferde“ und „Kerib, der Spielmann“ zu sehen sein. In „Feuerpferde“ wird eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der urtümlichen Lebenswelt des Volks der Huzulen in den Karpaten entfaltet. „Kerib, der Spielmann“ taucht in die schillernde Welt von Tausendundeiner Nacht ein.

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Berühmte Regisseure wie Andrei Tarkovsky und Federico Fellini sollen Parajanov bewundert haben. Auch die Popdiva Madonna fand offensichtlich Gefallen an seinem filmischen Werk. In ihrem Musikvideo zu „Bedtime Story“ nimmt sie unverkennbar Anleihen an „Die Farbe des Granatapfels“. Holger Cathenhusen

„Sergey Parajanov. Kunst ohne Grenzen“, bis 6.1. im Foyer des Filmmuseums