Kultur : Pikante Häppchenkultur

Auf „Liebespfaden“ im Buga-Park

Astrid Priebs-Tröger

Verliebtsein und Naschen gehören zusammen. Denn wenn man jemanden noch nicht gut kennt, testet man erst mal aus, was derjenige mag. Nicht nur beim Essen und Trinken ist das so, auch bei allen anderen Dingen, die Frischverliebte irgendwann gemeinsam tun.

Am Samstagabend hatten sich viele Paare eingefunden, die auf den „Liebespfaden“ im sogenannten Waldpark wandeln und einen Varietéabend mit Akrobatik, Schauspiel, Tanz, Gesang und Poesie gemeinsam genießen wollten. Sie kamen in trauter Zweisamkeit oder schon mit Kind und Kegel, waren mit Picknickkörben und -decken, Rotweinflaschen und Mückenspray versehen. Und hatten die Qual der Wahl.

Auf zehn Bühnen wurden in knapp dreieinhalb Stunden fünfzehn verschiedene Programme präsentiert: Vom modernen Tanz, über Fechtkampf zu ebener Erde und Akrobatik in der Luft bis hin zu Orientalischem Tanz, Improvisationstheater und Musik-Comedy. Jede Nummer dauerte höchstens fünfzehn Minuten und dann musste man mit „Wanderkarte“ versehen sofort die nächste Bühne ansteuern, um nicht irgendetwas zu verpassen. Denn obwohl die meisten Vorstellungen dreimal gezeigt wurden, gelang es nicht, sie alle zu besuchen. Schade eigentlich, denn viele der Darbietungen hatten einen ganz eigenen Bezug zum Thema „Liebe“ und wurden mit Leichtigkeit und Witz aufgeführt.

Besonders herausragend sämtliche Akrobatiknummern, angefangen bei der Paarakrobatik von „equi-libre“, die zu Tangomusik eine artistisch anspruchsvolle Choreographie mit viel Spannkraft und Seele interpretierten. Oder bei den zwei geschmeidigen Kobras von „Sol’ Air“ aus Berlin, die am Vertikalseil einen wilden Dschungeltanz vollführten. Und nicht zuletzt Mikhail Stepanov, der an zwei Vertikalseilen brillierte. Das alles geschah ohne Worte und offenbarte, wie viel Leidenschaft in Paarbeziehungen stecken kann. Damit es jedoch zu solchen erst einmal kommen kann, sollten Mann oder Frau auf die Suche gehen. Und wenn das aus irgendeinem Grunde nicht klappt, ist vielleicht eine Kontaktanzeige ratsam. Sie oder Er muss ja nicht gleich eine ähnlich komische „Strippnummer“ wie der verrückte Typ mit Anzug und Perücke alias Leon Düvel hinlegen und sich dabei vollends zum „Horst“ machen.

Vielleicht hat dem Einen oder Anderen auch das Improtheater von drei Berliner „Gorillas“ auf die Sprünge geholfen. Wenn nicht, auch gut. Denn was aus Liebespaaren werden kann, war dann bei „Evi“ und ihrem „Tier“ zu erleben, Musik-Comedy voller Anspielungen, mit kraftvollem Körper- und Stimmeinsatz. Und natürlich Leidenschaft pur. Die vermutet man auch immer im schönen Italien und so wurde der ganze Abend auf der Hauptbühne von der Band „Marinafon“ mit ihrer Sängerin Mona Stinelli umrahmt, italienische Ohrwürmer über Sehnsucht, Lust und Traurigkeit inklusive.

Einige der anderen Häppchen, wie die Spontansongs von Mark Scheibe, waren nicht ganz so schmackhaft oder konnten wie die erotische Lesung von Leopold Altenburg wegen fortschreitender Sättigung nicht mehr verspeist werden.

Beinahe ganz zum Schluss gab es aber doch noch ein wohlgeratenes „Betthupferl“: Eine spannungsreiche Tanzdarbietung der „wee dance company“ aus Berlin. Zwei Männer und eine Frau in einer prickelnden Dreiecksbeziehung, modern choreografiert zu Musik von Georg Friedrich Händel. Auch dies ein Kosthappen, der Appetit auf mehr machte und den Abend im Volkspark rundete.

Vielleicht gibt es ja im nächsten Jahr eine Fortsetzung dieser vom Entwicklungsträger Bornstedter Feld und Gernot Frischling organisierten Veranstaltung, auch als Gegenstück zur Schlössernacht im historischen Parkambiente.

Wenn aber Liebe bekanntermaßen auch durch den Magen geht, sollte man die Lieblingshappen noch gezielter auswählen und dem Publikum ein bisschen mehr Zeit lassen, diese zu genießen und zu verdauen.

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