Kultur : Ohne Mehltau der Jahrhunderte

Bilder, Skulpturen und Kostüme von Christine Jaschinsky in der Sanssouci-Orangerie

Astrid Priebs-Tröger

Noch wurde gebohrt und gehämmert am gestrigen Vormittag, noch mussten sie ins rechte Licht gerückt oder mit Beschriftungen versehen werden: die Bilder und Exponate der Potsdamer Malerin und Grafikerin Christine Jaschinsky, die ab morgen in den zwei Räumen der Turmgalerie der Orangerie im Park Sanssouci zu sehen sind. Doch schon jetzt wurde deutlich, wie intensiv und einfühlsam sich die bildende Künstlerin in den faszinierenden Bereich des barocken Theaters hineinbegeben hat.

Christine Jaschinsky ist m Mitbegründererin des freien Potsdamer Opernensembles „I Confidenti“. Für die Kostüme und die kompletten Bühnenbilder ist sie dabei verantwortlich. Die meisten wurden im Schlosstheater im Neuen Palais gezeigt, so für „Capriole d´ amore“ (2002), „La Pazzia Senile“ (2003) und „L“ amore pastorale“ (2004). Fünf Jahre fruchtbarer Zusammenarbeit und das diesjährige Mozartjubiläum waren dann auch die Auslöser, die jetzige vielfarbige und formenreiche Exposition in der Turmgalerie zu präsentieren.

Aus Anlass der Einladung von „I Confidenti“ zu Barockmusikfestivals in Montreal und Vancouver entstand in den letzten Monaten die Inszenierung „Mozart a Milano“: Ein theatralisches Fest und eine Hommage an den Meister mit verschiedenen Events, in denen sich nicht nur Musiktheater und Tanz verbinden. Man spielt Szenen aus den frühen Mozartopern „Lucio Silla“ und „La finta Giardiniera“ und als wirkungsvollen Kontrast dazu Kirchenmusik. Mehrere Entwürfe von Kostümen dieser, demnächst in Potsdam zu erlebenden Inszenierung und einige Aufführungsfotos der Kanada-Premiere sind jetzt schon in der Ausstellung zu sehen.

Um Kontraste, ja beinahe Gegensätze geht es generell in den Bühnenbildern und Kostümen von Christine Jaschinsky. Einerseits sind da die üppigen und überbordenden barocken Formen und Materialien, anderseits arbeitet hier eine, von der Bauhaustradition inspirierte Künstlerin, die an der Kunsthochschule Berlin studierte und lehrte, und, nicht zuletzt die Erfordernisse eines „modernen Wandertheaters“.

Christine Jaschinsky erzählte, dass sie, seit das Potsdamer Opernensemble mit renommierten internationalen Künstlern zusammenarbeitet, meistens nur Fotos und Maße zugesandt bekommt, und dann hier vor Ort ein Kostüm anfertigen muss, dass auch dann noch passt, wenn jemand drei Kilo zugenommen hat. Auch die Transportkapazitäten in Flugzeugen für Bühnenbilder und Reifröcke sind nicht unbegrenzt. So hat man aus der Not eine ansehnliche und praktische Tugend gemacht: Die opulenten Formen gibt es auch bei ihr, aber sie setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen, sind zerlegbar und zudem untereinander kombinierbar. Auch Bühnenprospekte werden nicht mehr von Hand gemalt, sondern nach den Entwürfen und unter ständiger Einbeziehung der Künstlerin in einer Stahnsdorfer Druckerei hergestellt. Die Wirkung ist verblüffend: Barocke Anmutung ohne den Mehltau der Jahrhunderte.

Und dieKünstlerin geht noch weiter. So ist zum Beispiel ein raumgreifendes Gemälde mit dem Titel „Tanzendes Kleid“ (2001) zu sehen, auf dem dieses, augenscheinlich einer Inszenierung entsprungen, ein Eigenleben als Skulptur zu führen beginnt. Womit sich die Kostüm- und Bühnenbildnerin dann doch wieder in ihren „ureigenen“ Bereich begeben hat, ohne sich nicht auch noch an sogenannten „stillen Mitspielern“ - überlebensgroßen fantasievollen Tierfiguren oder einer barbusigen Schönen – als Plastikerin versucht zu haben.

Die Idee des Gesamtkunstwerkes, bei dem alle Partner gleichberechtigt zusammenarbeiten, war es dann auch, die Christine Jaschinskys Begeisterung für das barocke Theater auslöste und weiterhin nährt. Bis 15. Oktober in der Turmgalerie, Di- So, 10- 17 Uhr; Aufführung „Mozart a Milano“ im Schlosstheater am 1. und 3. September

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