• Neueröffnung der Schlossgalerie Haape in Caputh: Ein Refugium für märkische Kunst

Neueröffnung der Schlossgalerie Haape in Caputh : Ein Refugium für märkische Kunst

In Caputh ist eine neue Galerie entstanden. Wo einst der Maler Max Arenz arbeitete, soll künftig neue Kunst aus Brandenburg Platz finden. Am heutigen Samstagabend wird die Eröffnung gefeiert.

Richard Rabensaat
Refugium: Melanie Haape hat die Remise, in der die Schlossgalerie Haape untergebracht ist, 2001 neu aufgebaut.
Refugium: Melanie Haape hat die Remise, in der die Schlossgalerie Haape untergebracht ist, 2001 neu aufgebaut.Foto: Promo

Caputh - Auf einem Grundstück am Templiner See ist ein neues Refugium für zeitgenössische Kunst entstanden. Initiiert hat es die gebürtige Südafrikanerin Melanie Haape, eine ehemalige Wirtschaftsjournalistin. „Es gibt so viele gute und interessante Künstler in Brandenburg und auch hier in Caputh, denen möchte ich ein Forum geben“, beschreibt Haape ihre Ambitionen. 

„Das ist ein Neubau, die alte Remise war völlig baufällig“, beschreibt Melanie Haape die von ihr geschaffene Schlossgalerie, so benannt nach dem nahe anbei befindlichen Schloss Caputh. Im Jahr 2018 hatte sie den alten Bau abgerissen. Die Eröffnung des Neubaus war eigentlich früher geplant, musste aber wegen der besonderen Umstände während der Corona-Pandemie auf den jetzigen Zeitpunkt verschoben werden. Bei der Vernissage am heutigen Samstagabend werde den gegenwärtig herrschenden Sonderregelungen Rechnung getragen, versichert die Galeristin.

Von Max Arenz erbaut, von der Sowjetarmee beschlagnahmt

Die ursprüngliche Remise hatte um 1900 der Maler Max Arenz errichtet. Haus und Grundstück wurden mehrfach verkauft. Nach der Beschlagnahmung durch die sowjetische Armee lebten mehrere Jahrzehnte lang verschiedene Mietparteien auf dem Grundstück, bis es schließlich an die Tochter eines der Eigentümer rückübertragen wurde. Mittlerweile allerdings war das Haus völlig verfallen, ebenso der daneben stehende Schuppen, schildert Haape. Erst als sie und ihr Mann 2001 mit der Renovierung begannen, regte sich auch wieder künstlerische Leben in der vormaligen Künstlerresidenz. 

Einen ersten Schritt, um das kunstinteressierte Publikum nach Caputh zu bringen unternahm Haape schon mit der von ihr organisierten Kunst-Tour Caputh. Auch zuvor hatte es schon einige Ausstellungen in dem damals bestehenden Bau gegeben. Aber die Möglichkeiten dort auszustellen erwiesen sich zunehmen als recht begrenzt, zumal auch der Zustand des Bau immer desolater wurde. Der nun fertig gestellte Pavillon dagegen bietet einigen Ausstellungsraum. Große Fensterflächen garantieren einen guten Lichteinfall auch für fein strukturierte, kleinteilige Arbeiten. 

Viel Licht. Die erste Ausstellung in der neuen Schlossgalerie Haape in Caputh ist "Traumwelten" übertitelt.
Viel Licht. Die erste Ausstellung in der neuen Schlossgalerie Haape in Caputh ist "Traumwelten" übertitelt.Foto: Promo

„Traumwelten“ von Chris Hinze und Tatort-Regisseur Thomas Freundner

Wie die von Oda Schielicke, die in der aktuellen Ausstellung zu sehen sind. „Traumwelten“ ist der Titel der ersten Ausstellung in dem neuen Raum. Schielckes Malerei bewegt sich auf dem schmalen Grad zwischen reiner Abstraktion und gegenständlicher Darstellung. Auf den Bildern in der Galerie sind zwar einige Anklänge an Landschaft erkennbar, aber auch verspielte, wuselige Elemente tauchen auf und schaffen ein leichtfüßiges Bildgewebe, in dem glubschäugige Monster ebenso aus dem Bild blicken wie kleinteilig gemalte Gesichter von schwebenden Figurinen. 

Landschaftsdarstellungen bilden den Schwerpunkt dieser ersten Ausstellung in der Schlossgalerie Haape. Wälder, Meer und Blumen finden sich auf den Bildern von Thomas Freundner, der eigentlich als Filmemacher und Tatort-Regisseur bekannt ist, aber zuvor auch Malerei studiert hatte. Der Bildhauer Chris Hinze steuert einige seiner langgliedrigen in der Ausstellung zum Teil in tiefes Ultramarin getauchten Holzfiguren bei.

Brandenburgische Landschaften und sonnendurchglühte Wüstendünen

Zu sehen sind jedoch nicht nur Brandenburgische Landschaften, wie die teils neblig und verhangen wirkenden Flüsse und Seen von Sabine Kahle Wendrock, sondern auch sonnendurchglühte Wüstendünen. Diese stammen von Melanie Haape selbst. Bevor die Galeristin 1995 nach Deutschland kam, lebte sie in Südafrika. Haape, 1961 geboren in Lusaka, Sambia, wuchs zunächst in Botswana und dann in Südafrika auf. 

Von Sambia über Südafrika nach Caputh: Die Wirtschaftsjournalistin und Galeristin Melanie Haape.
Von Sambia über Südafrika nach Caputh: Die Wirtschaftsjournalistin und Galeristin Melanie Haape.Foto: Promo

Sie entschloss sich nach Deutschland auszuwandern, als sie das Gefühl hatte, das Leben in Afrika biete weder ihr noch ihren Kindern eine sichere Zukunft. „Als meine unmittelbaren Nachbarn in ihrem Haus ermordet wurden, war mir klar, das ich dort weg musste“, sagt Haape. Weil sie sich während ihres Studiums in Witwatersrand, Südafrika, kritisch über die Apartheit geäußert hatte, waren der Politikwissenschaftlerin einige Berufswege verwehrt. So entschloss sie sich Wirtschaftsjournalistin zu werden und schrieb in Südafrika und später auch in Europa für führende Printmedien. 

Ihren jetzigen Mann lernte Melanie Haape während eines Fluges kennen und entschloss sich mit ihm zusammen in Europa ein neues Leben anzufangen. Das Interesse der vierfachen Mutter verlagerte sich immer weiter vom Journalismus hin zur Kunst. „Nur wenn mir ein Thema wirklich unter den Nägeln brennt, schreibe ich noch“, sagt Haape. 

Eröffnung mit Besuch aus dem Museum Barberini

Wenn die Ausstellung am heutigen Samstag eröffnet wird, wird Daniel Zamani, Kurator am Barberini Museum Potsdam die Eröffnungsrede halten. Zwar ist Zamani nicht direkt in die Galeriearbeit eingebunden, aber als Melanie Haape ihn für eine Eröffnungsrede anfragte, zögerte der Monet-Experte nicht lange. Auch weitere Ausstellungen sollen künftig zeigen, dass in Caputh ein Hort für hochwertige Kunst wächst. 

So trägt sich Haape etwa mit dem Gedanken, ein qualifiziertes Kuratorium für kommende Ausstellungen einzurichten, bei dem Fachleute über die Auswahl und Zusammenstellung der Künstler entscheiden. Mit dem weiten Blick über den See und die schöne Ausstellungsremise ist der Ort wie geschaffen für eine weiteres Künstlerrefugium bei Potsdam. Womit Haape auch an die Tradition des Ortes anknüpft: Der erste Käufer des Grundstücks, auf dem sich im 19. Jahrhundert eine Bootswerft befunden hatte, war der Künstler Max Arenz.

„Traumwelten“, zu sehen in der Schlossgalerie Haape, Krughof 38, in Caputh. Geöffnet ab Sonntag, dem 23. August, jeweils samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr.

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