• Neue Spielzeit im Nikolaisaal: Von Brahms bis Police

Neue Spielzeit im Nikolaisaal : Von Brahms bis Police

Nikolaisaal und Kammerakademie Potsdam gehen mit einem Mix aus Klassik und Populärem in die neue Potsdamer Spielzeit – die letzte von Andrea Palent.

Babette Kaiserkern
Die Kompanie Liaison Carbone gibt zum Jahreswechsel 2019 ihre Jonglierkunst im  Nikolaisaal zum Besten.
Die Kompanie Liaison Carbone gibt zum Jahreswechsel 2019 ihre Jonglierkunst im  Nikolaisaal zum Besten.Foto: Isabelle Bruyère

Chefdirigent Antonello Manacorda bringt es auf den Punkt: „Wir Künstler sind immer auf dem Weg. Wichtig ist nicht das Ankommen, sondern das Verändern, das Schaffen von Übergängen.“ Übergänge: Das Thema der neuen Saison passt gleich mehrfach. Andrea Palent, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Nikolaisaals, präsentiert zum neunzehnten und letzten Mal das neue Programm. Es sei von Anfang an ihr Ziel gewesen, aus dem Nikolaisaal ein Konzerthaus für alle zu machen, erklärt die gebürtige Leipzigerin, die das Potsdamer Musikleben mit ihren Programmen für Nikolaisaal und Musikfestspiele geprägt hat. Die Auslastung lag wie im Vorjahr erneut bei etwa 85 Prozent.

Andrea Palent liegt die Entwicklung der Zuhörer von morgen besonders am Herzen, wie sie betont. Auch in der neuen Saison stehen die beliebten Babykonzerte auf dem Programm – im Café Ricciotti, in der Alten Neuendorfer Kirche und jetzt auch in Teltow. Für alle Altersstufen gibt es abwechslungsreiche Veranstaltungen mit Singen, Spielen, musikalischen Reisen und Konzerten für die ganze Familie. Bedacht werden auch junge Leute, denen mit Mitsing-Projekten und Workshops bunte Angebote gemacht werden. Generell geht es im neuen Programm wie auch in den Vorjahren keineswegs ausschließlich um klassische Musik – und wenn, dann werden auch mal neue Wege erschlossen.

So erklingen die „Ungarischen Tänze“ bei einem Frühstückskonzert in einer Version für Mandoline, Police-Gründer Steve Copeland spielt mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und zu Silvester gibt es Jonglierkunst zu Barockmusik. Auch populäre Reihen wie die Crossover-Konzerte, The Voice in Concert und [email protected] werden fortgesetzt. Zu Neujahr heißt es dann auch mal in Potsdam (wie sonst in Wien): „Alles Walzer“, es spielt das Brandenburgische Staatsorchester.

Nach dem bewegenden Abschied von Howard Griffiths dürfen sich die Zuhörer auf Jörg-Peter Weigle, den neuen Chefdirigenten der Frankfurter, freuen. Ein besonderes Highlight verspricht das viertägige Brahms-Festival im März zu werden. Johannes Brahms sei eben nicht nur der hochromantische Rauschebart, betont Alexander Hollensteiner, der Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam (KAP). Brahms soll eine Verjüngungskur bekommen – mit einem Steh- und Wandelkonzert des jungen Stegreif-Orchesters, mit Liebesliedern und Walzern, kundig kommentierten Listening-Sessions und mit allen vier Symphonien, die von der Kammerakademie an zwei Abenden gespielt werden.

Bewusst setzt man sich damit der Berliner Konkurrenz aus. „Wir machen einen besonderen Brahmsklang auf unsere Art“, erklärt Antonello Manacorda selbstbewusst. Der Chefdirigent der KAP freut sich ganz besonders auf den neuen Artist in Residence: Cellist Steven Isserlis, ein Weltklassemusiker. Isserlis wird Cello-Konzerte von Carl Philipp Emanuel Bach, Luigi Boccherini und Camille Saint-Saëns spielen. Die Klarinettistin Sabine Meyer gibt ein Konzert mit Werken von Weber und Mendelssohn. Unter dem launigen Titel „Pahud-Ottensamer-Mayer im Dreierpack“ spielen drei Holzbläser-Solisten der Berliner Philharmoniker am Pfingstmontag 2019 auf. Mezzosopranistin Magdalena Kožená bestreitet einen Abend rund um antike Heldinnen und der Countertenor Bejun Mehta gestaltet ein reines Mozart-Konzert mit Gesang und als musikalischer Leiter. Mit den Geigern Julia Fischer und Daniel Hope sowie dem Pianisten Piotr Anderszewski kommen Meister ihres Fachs in den Nikolaisaal.

Erstmalig wagt sich die Kammerakademie gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin an die Aufführung von Beethovens Missa Solemnis. Ein Novum ist auch die Orchesterakademie, mit der die intensive Nachwuchsarbeit der Kammerakademie konsequent fortgesetzt wird. Weitgehend gleich geblieben sind die Eintrittspreise.

Insgesamt bleibt im Nikolaisaal auch in der Saison 2018/19 die bewährte Mischung aus Klassik und Nicht-Klassik erhalten – aber wie so oft lohnt sich der Blick aufs Detail, um Neuerungen aufzuspüren. Eine davon: Unter dem Titel „Lieblingsklassiker“ gibt es jetzt ein gemeinsames Abonnement für Veranstaltungen von Kammerakademie, Nikolaisaal und Hans Otto Theater.