Kultur : Mit leichter Hand komponiert

„Im Garten vorgelesen“ auf dem Malzboden des Krongutes Bornstedt: Briefcollage „Mir ist“s mit Goethen wunderbar“

Astrid Priebs-Tröger

„Im Garten vorgelesen“ auf dem Malzboden des Krongutes Bornstedt: Briefcollage „Mir ist“s mit Goethen wunderbar“ Nachdem bei der letzten Veranstaltung der Reihe „Im Garten vorgelesen“ selbst „der Himmel sein Gewittervorhaben aufgab und sich für romantische Abendwolken entschied“, hatte Petrus am Freitagabend kein Erbarmen. Er setzte auf kühles und nasses Schauerwetter und die URANIA-Organisatoren zogen kurz entschlossen auf den Malzboden ins Krongut Bornstedt – hier wurde ihnen ganz spontan und unbürokratisch Hilfe gegeben. Die Lesung verzögerte sich etwas, weil immer noch Besucher eintrudelten, die, mit den nötigen Utensilien bewaffnet, eigentlich jedem Wetter trotzen wollten und erwartungsfroh einem Abend mit dem Titel „Mir ist´s mit Goethen wunderbar“ entgegen schauten, einer Collage aus Briefen, zusammengestellt von Klaus Büstrin. Nachdem alle herzlich begrüßt und sehr familiär mit den ungewohnten akustischen Verhältnissen vertraut gemacht wurden, ging“s um Goethe und die Frauen. Genauer gesagt, um den frühen Weimarer Goethe, seine Hoch-Zeit nach der Italienreise und seine Altersjahre bis hin zum „Westöstlichen Divan“. Der Damenreigen reichte von Charlotte von Stein über Christiane Vulpius bis hin zu Marianne von Willemer. Zu Wort kamen die „Betroffenen“ selbst sowie beobachtende Zeitgenossinnen und stets vorhandene Neiderinnen. Es wurden Ausschnitte aus Briefen gelesen, Gedichte rezitiert und sehr gehaltvolle Kommentare zum biographischen Hintergrund abgegeben. Köstlich die Geschichte der Eroberung eines unbekannten Mädchens in „Tagebuch“ und die verliebten Briefe der sinnenfreudigen („ich bin heute sehr häsig“) und lebenslustigen Christiane. Entstanden ist eine Collage, die mit leichter Hand komponiert, Goethes Verhältnis zur Weiblichkeit beleuchtet, mit Charme, Witz und Ironie. Und die deutlich macht, „es war immer nur ein Faden, den die Frauen in das Gewebe seiner Existenz knüpften, wenn dieser Faden auch kaum je ganz abriss“ (Georg Simmel). Am Beginn der Lesung stand die schwärmerische Charlotte von Stein mit „mir ist“s mit Goethen wunderbar“ und am Ende die abgeklärte Beobachterin Karoline von Herder mit „im Ganzen wird es mir nicht wohl mit ihm werden“. Kunstvoll verwoben wurde alles mit Musik von Violoncello (Karin Liersch) und Gitarre (Brigitte Breitkreuz). Sie spielten Werke von heute zumeist unbekannten Zeitgenossen von Goethe, die wunderbar mit der Stimmungslage der jeweiligen Geliebten oder des Dichters selbst harmonierten. Sehr gelungen auch die Eigenkompositionen von Karin Liersch „Intermezzo“ und „Oriental“. Vorgetragen wurden die Texte von Renate Siegl, Marion Wiegmann und Christiane Ziehl, Schauspielerinnen des Brandenburger Theaters. Sie lasen sehr einfühlsam und lebhaft und ließen die Höhen und Tiefen der Empfindungen, den Leichtsinn und die Schwermut der Liebenden lebendig werden. Nach einer guten Stunde gab“s sehr herzlichen Beifall und warme Worte für alle Beteiligten. Selbst die Gartenbesitzer Evelyn und Christian Fleming wurden noch mit Dank bedacht. Sie revanchierten sich mit einer spontanen Einladung für den Sonntag. Die zahlreichen lebens- und leseerfahrenen Besucher sahen“s gern und Petrus spielte sogar mit. Rund 50 Besucher kamen dann in den prall blühenden Garten. Es wurde sogar gelesen und musiziert. Astrid Priebs-Tröger Nächste Lesung: 30./31. Juli, 17 Uhr, Karl-Foerster-Garten, Bornim, Am Raubfang: Ein Sommernachtstraum von William Shakespeare/Franz Fühmann

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