• Longlist des Deutschen Buchpreises 2019: Ein Jahrgang der starken jungen Frauen

Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 : Ein Jahrgang der starken jungen Frauen

Diese Woche erschien die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019. Potsdamer Buchhändler haben einen gemeinsamen Favoriten: „Miroloi“ von Karen Köhler.

Vier Titel der Longlist 2019. 
Vier Titel der Longlist 2019. Foto: Sarah Kugler

Potsdam - In einem sind sich die Potsdamer Buchhändler einig: Die diesjährige Longlist des Deutschen Buchpreises, die diese Woche veröffentlicht wurde, repräsentiert ein vielseitiges Bild der deutschsprachigen Literatur. Welche Bücher sie dringend empfehlen und auf welche sie sich selbst noch freuen, darüber geben sie hier Auskunft.

Internationales Buch

Inhaber Stefan Bellin empfiehlt einen Titel, der sich allgemein als Potsdamer Favorit herauskristallisiert: „Miroloi“ von Karen Köhler. Der Roman ist erst Anfang dieser Woche bei Hanser erschienen und gilt auch unter vielen Buchbloggern schon als Favorit. Im Feuilleton wurde er indes teilweise vernichtend besprochen – zu Unrecht. Denn Köhler erzählt eine berührende Geschichte über eine utopische patriarchische Gesellschaft, in der eine junge Frau um ihre Unabhängigkeit kämpft. Mit einer klugen, poetisch-leichten Sprache verbindet sie gekonnt große Themen, wie Feminismus, Machtmissbrauch, Religiosität und eine bezaubernde Liebesgeschichte. 

Wie Stefan Bellin erzählt, habe seine Kollegin sehr viel Spaß beim Lesen gehabt. Und darauf komme es schließlich an. Überhaupt freut er sich über die vielen jungen Autoren auf der Longlist, die auch „richtig gute Ideen“ haben. Alexander Osang zählt zwar nicht mehr zu den ganz Jungen, ist aber laut Bellin mit seinem aktuellen Roman „Die Leben der Elena Silber“ auch ein viel diskutierter Favorit der Longlist. Er erzählt darin die Geschichte von fünf Generationen zwischen Deutschland und Russland vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Jahr 2017. 

Wist – Der Literaturladen

Auch für Buchhändler Felix Palent ist Alexander Osangs Roman einer der großen Favoriten. „Das ist schon interessant, weil er hier an seine eigene Existenz, die Historie seiner eigenen Geschichte rangeht.“ Auch „Herkunft“ von Saša Stanišic findet er wegen der „Leichtigkeit, fast Flapsigkeit“ ganz gut. Der eigensinnigste männliche Longlistenautor sei aber Emanuel Maeß mit seinem Debütroman „Gelenke des Lichts“, der eine Mischung aus Liebes- und Bildungsroman sei. „Die Geschichte beginnt mit einem total schönen Bild von einem Mond, das ist sehr interessant“, sagt Palent. 

Emanuel Maeß' "Gelenke des Lichts" ist im Wallstein Verlag erschienen.
Emanuel Maeß' "Gelenke des Lichts" ist im Wallstein Verlag erschienen.Foto: Sarah Kugler

Insgesamt sei die Longlist aber ein Jahrgang der starken jungen Frauen. Auch unter seinen Favoriten ist Karen Köhlers „Miroloi“, die am 3. Dezember vom Literaturladen mit dem hauseigenen Literaturpreis „Kleiner Hei“ ausgezeichnet wird. Weil der Roman eben so viel vereint, ohne doof zu sein, wie Palent sagt. Knapp verpasst hat diese Auszeichnung Miku Sophie Kühmel mit ihrem Debüt „Kintsugi“, das Ende August erscheint. „Ein wunderschönes Buch“, schwärmt Palent. „Die Entscheidung lag sehr dicht zwischen den beiden.“ Erzählt wird darin von einem Wochenende am See und der Liebe in all ihren Facetten. 

Bereits im Jahr 2015 hat den „Kleinen Hei“ Katerina Poladjan erhalten, die jetzt mit ihrem berührenden Roman „Hier sind Löwen“ auf der Longlist steht. Darin wird von der Buchrestauratorin Helen erzählt, die in Armenien nach ihren Wurzeln sucht. Für dieses Buch schwärmen Felix Palent und Carsten Wist schon seit seinem Erscheinen. „Das wäre eine super Wahl als Preisträgerin“, sagt Palent. 

Viktoriagarten

Für Buchhändlerin Stefanie Müller war „Hier sind Löwen“ eine echte Überraschung – und ist ebenfalls ein heißer Favorit für den Buchpreis. „Das Buch hat Suchtfaktor“, sagt sie. Allein die knappe Sprache mit den lakonischen Dialogen und der behutsame Umgang mit ernsten Themen sowie der Vergangenheitsbewältigung habe sie begeistert. Unbedingt lesen möchte sie ebenfalls noch „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel. Schon allein wegen des Titels, der eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik bezeichnet. 

Außerdem freut sie sich über die Nominierung von Jackie Thomaes „Brüder“. Erzählt wird darin von zwei Männern, die in der DDR aufwachsen und später ganz unterschiedliche Leben führen, aber mit den gleichen Problemen kämpfen. Schon der Vorgängerroman „Momente der Klarheit“ hat ihr sehr gut gefallen. „Sie hat eine ganz tolle Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis“, sagt Müller. Auch Nora Bossongs „Schutzzone“, das im September erscheint, und Tom Zürchers „Mobbing Dick“ möchte sie noch lesen. Bis zu der Verleihung des Deutschen Buchpreises am 14. Oktober ist dafür auch noch genug Zeit. 

Kollegin Andrea Schneider, die ein Fan von Saša Stanišic ist, freut sich besonders über die Nominierung seines Romans „Herkunft“. Lola Randls „Der Große Garten“ hat sie auch sehr gerne gelesen, weil es davon erzählt, wie man in der Welt und auch mit sich selbst zurecht kommt. Ob es allerdings unbedingt auf der Longlist stehen muss, bezweifelt sie. Dafür ist auch sie sehr begeistert von Karen Köhlers „Miroloi“.