• Kunst in Potsdam: Das Kapital der Kunst

Kunst in Potsdam : Das Kapital der Kunst

Kunst ist Kapital, behauptete schon der Künstler Joseph Beuys. Die aktuelle Ausstellung „Das andere Kapital“ im Landtag Brandenburg, initiiert vom Frauenfördernetzwerk Gedok (kurz für: Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden) bebildert die These. Eine hochaktuelle Diskussion im Landtag.

Richard Rabensaat

Kunst ist Kapital, behauptete schon der Künstler Joseph Beuys. Die aktuelle Ausstellung „Das andere Kapital“ im Landtag Brandenburg, initiiert vom Frauenfördernetzwerk Gedok (kurz für: Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden) bebildert die These. Eine Veranstaltung anlässlich der Ausstellung sollte noch einmal deutlich machen, wo das andere Potenzial der Kunst denn liegt. Mit Texten, musikalischer Performance und einigen Erklärungen zu den ausgestellten Werken der Künstlerinnen.

Dass der Sinn der Kunst nicht im ökonomischen, im Streben nach materiellem Gewinn, sondern in eher ideellen Werten liege, vermutete der Vizepräsident des Landtages Brandenburg Dieter Dombrowski. Kunst sei ja eher eine Berufung als ein Beruf. Davon leben könne eigentlich niemand, wiederholte Dombrowski das bekannte Klischee. Die Bildhauerin und Zeichnerin Christine Düwel widersprach mit Hinweis auf die ideelle Wichtigkeit und gelegentlich auch pekuniäre Werthaltigkeit der Kunst.

Der bunte Abend brachte einen munteren Strauß von künstlerischen Darbietungen. Dies war spaßig, als die von der Sängerin AnniKa von Trier vorgetragenen Chansons und Texte ausgesprochen unterhaltsam und intelligent auf das bekannte Monumentalwerk des Philosophen Karl Marx Bezug nahmen. Weniger lustig war die Erforschung der materiellen Werthaltigkeit der Kunst in einer Podiumsbefragung der Künstlerinnen durch Düwel. Der materielle Gewinn sei es nicht, der sie ansporne, bekannten die Gefragten. Vielmehr eine allgemeine Sorge um Menschheit und Natur, und die Möglichkeit der Artikulation von Wahrnehmungen, die im alltäglichen Getriebe häufig untergehen würden, für die der Künstler und die Künstlerin aber sensibilisiert seien.

Lange habe sie sich gefragt, wie sie die Natur unmittelbar in ihre Werke integrieren könne, so die Künstlerin Gudrun Schlemmer. Eisblumen waren die Lösung. Papierblätter, bei Frost in die Natur gelegt, vom Wetter gestaltet, Farbe zu kristallinen Formen erstarrt, das habe eine Schönheit, die sie nicht weiter verbessern könne, so Schlemmer. Abseits des Zufalls aber erfordere die Kunst schlicht das Handwerk zu beherrschen, wusste Düwel. Der Siebdruck, die Radierung, die Ölmalerei, die Anatomie, all dies wolle gelernt sein. Dennoch liege das Besondere der künstlerischen Arbeit eben in dem nicht so recht Planbaren, dem Zufälligen: „Je mehr ich scheitere desto mehr lerne ich“, zitierte eine der anwesenden Künstlerinnen den Bildhauer Alberto Giacometti.

Die Stellungnahmen ergaben letztlich: Nicht das Geld verlockt die Künstlerinnen der Gedok, weiter ihrer Kunst nachzugehen. Sondern das Streben nach Formen und Erkenntnissen, die zunächst keinen konkreten Zweck oder ein Ziel haben, die vielmehr dem freien Schaffen und der ungebundenen Suche dienen. Dennoch sei es natürlich schön, wenn künstlerische Projekte auch wahrgenommen würden, so wie gegenwärtig im Landtag, konstatierte die Vorsitzende der Gedok Brandenburg, Gerlinde Förster. Auch eine hinreichende Finanzierung größerer künstlerischer Vorhaben sei wünschenswert. Am Geld allerdings müsse gegenwärtig nichts scheitern, warf daraufhin der Landtagsvorsitzende ein. Denn die Kassen seien gut gefüllt, Potsdam und Berlin würden boomen. Da müsse eigentlich auch für die Kunst etwas abfallen, konterte Dombrowski.