• „Kontakte finden ist hier einfacher als in Berlin“ Arbeitsaufenthalt einer Künstlerin aus Chur

Kultur : „Kontakte finden ist hier einfacher als in Berlin“ Arbeitsaufenthalt einer Künstlerin aus Chur

Astrid Priebs-Tröger

Evelina Cajacob ist das erste Mal in Potsdam und sie fühlt sich sichtlich wohl hier. Das jedenfalls betonte die sehr zurückhaltende, schwarzgekleidete Frau, die sonst in der Nähe von Chur lebt, beim gestrigen Pressegespräch. Es gab Auskunft über den seit 2002 organisierten Künstleraustausch zwischen dem Schweizer Kanton Graubünden und der Landeshauptstadt Potsdam.

Evelina Cajacob ist die vierte Stipendiatin, die in den Genuss kommt, acht Wochen lang, Potsdam mit seinen Sehenswürdigkeiten und kulturellen Highlights sowie seiner regen Künstlerszene zu erkunden. Die Graubündener Malerin und Installationskünstlerin, die eigentlich von der Bildhauerei herkommt, hat dann auch sofort viele Anregungen und geistigen Austausch gefunden. Im Künstler- und Gründerzentrum in der Puschkinallee ergaben sich problemlos neue Kontakte. Sie traf auf die Fotografin Heike Isenmann, den Schriftsteller Martin Ahrends, die Designerin Christin Lau und die Malerin Erika Oeckel. „Das war hier viel leichter als in Berlin, wo man sich erst mal zurechtfinden muss“, meinte sie erleichtert, denn zwei Monate sind ja auch nicht so lang, um neue Kontakte zu knüpfen.

Cajacob genießt es, mit Künstlern aus den unterschiedlichsten Bereichen zu kommunizieren, und sie hat in den Gesprächen hier auch viel über das Leben vor der Wiedervereinigung Deutschlands erfahren. Etwas, was ihr bis dahin nicht so vertraut war.

Die 1961 in Graubünden Geborene studierte von 1988 bis 1993 an der Hochschule der Schönen Künste „Escola Massana“ in Barcelona. Sie beteiligte sich seitdem an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Frankreich, Spanien, Italien, der Slowakei und in der Schweiz. Es folgten Stipendien, Arbeitsaufenthalte und Förderpreise, wie der Aufenthalt in der Cite Internationale des Arts Paris, ein freies Stipendium des Kantons Graubünden und der Förderpreis der Stadt Chur.

Die Arbeitsweise von Evelina Cajacob ist einfach und komplex zugleich. Ausgehend von simplen Linien macht Cajacob die Zeichnung zur Installation. So brachte sie einige Fotos von Entwürfen mit, an denen sie zur Zeit arbeitet. Viele kleinformatige Zeichnungen, auf denen parallele oder ineinander verschlungene Bleistiftlinien zu sehen waren, werden zu einem raumgreifenden Ganzen zusammengesetzt, das dann auch schon mal die Ausmaße von fast sechzig Quadratmetern haben kann und über mehrere Museumswände reicht.

Außerdem gibt es von ihr großformatige Fotoinstallationen, die ebenfalls aus vielen gleich großen Einzelfotos beispielsweise von Grasstrukturen zusammengefügt sind. Oder Gemeinschaftsinstallationen mit anderen Künstlern, die in die Gebäude einbezogen werden, wie die Tür einer Synagoge im slowakischen Samorin aus dem letzten Jahr.

Was in den verbleibenden drei Wochen in Potsdam noch entsteht, vermochte sie gestern nicht abschließend zu sagen. Sie verriet aber, dass sie neben den gezeigten Linienstrukturen auch an einer Reihe von Selbstporträts arbeitet, wollte aber noch nichts Endgültiges präsentieren. Auf jeden Fall kann sie sich vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt eine eigene Ausstellung in Potsdam zu zeigen und die Kontakte zu den neuen Kollegen nicht abreißen zu lassen, sagte sie im Beisein von Kulturbeigeordnete Gabriele Fischer, die zu dem Gespräch eingeladen hatte. Jetzt genießt sie auf jeden Fall die „völlig andere Landschaft und Kultur“ und somit einen klassischen „Tapetenwechsel“, der über diesen sommerlichen Künstleraustausch möglich wurde. Und nicht zuletzt jeden Abend ein Bad im Heiligen See.Astrid Priebs-Tröger

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