• Jutta Hoffmann im virtuellen Filmmuseum: Die dekadente Sirene

Jutta Hoffmann im virtuellen Filmmuseum : Die dekadente Sirene

Das Filmmuseum Potsdam feiert die große Schauspielerin Jutta Hoffmann zum 80. Geburtstag mit einer Filmreihe. Darunter auch zwei DEFA-Filme, die die DDR am Anfang und am Ende zeigen.

Mit „Julia lebt“ wurde Jutta Hoffmann 1963 einem Kinopublikum bekannt. 
Mit „Julia lebt“ wurde Jutta Hoffmann 1963 einem Kinopublikum bekannt. Foto: DEFA-Stiftung/Bergmann

Potsdam - Der „aparteste und sehenswerteste DEFA-Mauerfilm“, so lobt Filmhistorikerin Evelyn Hampicke den Film, mit dem Jutta Hoffmann 1963 kinobekannt wurde: Frank Vogels „Julia lebt“. Kino2Online, das virtuelle Angebot des Filmmuseums, zeigt den Film bis 14. April im Rahmen einer Reihe für „die Hoffmann“: Am 13. März wurde die Schauspielerin 80 Jahre.

„Julia lebt“ ist eine doppelte Entdeckung. Stilistisch betrat die DEFA mit dem in schillernden Schwarzweißbildern gedrehten Film Neuland, ideologisch bewegte sie sich in den alten Grabenkämpfen des Kalten Krieges, die sich hier trefflich studieren lassen. Eine junge Frau, Penny, Professorentochter und großbourgeoise Träumerin, die nicht arbeitet, sondern in einer schicken Villa in Mauernähe lebt, verliebt sich in einen Soldaten (Peter Sindemann) - der an der Mauer seinen Dienst tut. Und gar nicht ungern. 

Flirrend, leichtfüßig, verzweifelt

In Jutta Hoffmanns flirrende, leichtfüßige, verzweifelte Penny, eine „trotzige, dekadente Sirene“ (Hampicke) verliebt er sich trotzdem: Er will sie auf den rechten, den sozialistischen Weg bringen. Und noch eine jüngst 80 Gewordene, die einst in der DEFA groß wurde und sich in der BRD neu erfand, ist hier dabei: Angelica Domröse als arbeitsame Krankenschwester.

Filmisches Gegenstück zu „Julia lebt“ ist „Geschlossene Gesellschaft“ von Frank Beyer. Der 1978 für das DDR-Fernsehen gedrehte Film (Buch: Klaus Poche) läuft ebenfalls bis 14. April im Kino2Online. Er erzählt vom Ende einer Ehe und dem Ende des sozialistischen Traums. „Eine Parabel unserer Zeit“, sagte Hoffmann damals.

Eine Parabel der späten DDR

Als gedreht wurde, waren die Beteiligten, alle Biermann-Unterstützer, schon weitgehend isoliert: Armin Mueller-Stahl stand kurz vor der Ausreise, Beyers „Spur der Steine“ war verboten, „Das Versteck“ (1978) nur in wenigen Kinos gezeigt worden. Auch „Geschlossene Gesellschaft“ wurde nur spätabends gezeigt, ohne Ankündigung. Jutta Hoffmann spielt hierin eine Sozialarbeiterin, die mit Verzweiflung und Hingabe einen Herbsturlaub lang um ihre Ehe kämpft. Wenig später war sie nur noch in der BRD zu sehen. 

Die Filmreihe zu Jutta Hoffmann ist unter Bezahlung im Kino2Online zu sehen und wird regelmäßig durch weitere Filme ergänzt

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