Kultur : Gestrandet

Die Philippinen zu Gast in der Bibliothek

Astrid Priebs-Tröger

Die Philippinen: mehr als 7000 Inseln aus Feuer und Wasser geboren, exotischer Archipel im westlichen Pazifischen Ozean, immerwarme Trauminsel mit faszinierenden Menschen vieler Nationen. So oder ähnlich könnten die Verheißungen von Reiseanbietern lauten. Am Donnerstagabend aber standen bei der Eröffnung der Philippinen-Ausstellung des Potsdamer Konsulats nicht so sehr die touristische Attraktivität des südostasiatischen Landes im Vordergrund, sondern mehr seine Geschichte und Kultur.

Manfred Hans Schnell, der seit neun Jahren als Honorarkonsul in der Hans-Thoma-Straße residiert, engagiert sich unermüdlich dafür, „dass die Potsdamer etwas mehr erfahren über das Land, das ihm selbst so sehr ans Herz gewachsen ist.

Als Auftakt der Aktivitäten in diesem Jahr wurde durch den Minister Counsellor Leslie Baja, von der Philippinischen Botschaft in Berlin und durch die Potsdamer Beigeordnete Gabriele Fischer die Ausstellung in der Stadt-und Landesbibliothek eröffnet. Auf großen Schautafeln gibt es ein historisches Mosaik über den fünftgrößten Inselstaat der Welt, mit viel Platz für den Nationalhelden Dr. José Rizal (1861-1896), den Journalisten und Herausgeber Marcelo del Pilar (1850-1893) und auch für die politischen Entwicklungen seit der Unabhängigkeit von den USA 1946. Außerdem werden einzelne Regionen, ethnische Gruppen und modernes Kunstschaffen und seine Wurzeln erläutert. Doch all dies allein bliebe doch etwas anstrengend zu lesen, wenn nicht auch die Sinne zu ihrem Recht kämen.

Zur Eröffnung waren ehemalige Insulaner erschienen und präsentierten ihre Künste: der Musiker Abelardo Galang II und die Malerin Razel Gstrein Gonzales. Der junge temperamentvolle Pianist, der seit mehreren Jahren in Berlin lebt, beeindruckte das zahlreich erschienene Publikum mit zwei philippinischen Volksliedern, die sehr europäisch anmutende Motive enthielten.

Und von der Malerin, die in einem kleinen Fischerdorf auf Cebu geboren wurde und inzwischen auf der ganzen Welt zu Hause ist, kann der Besucher etwas mehr als ein Dutzend Bilder betrachten. Sie male ausschließlich ihre Vergangenheit, sagte die 35-jährige Razel Gonzales, deren Werke bereits in den USA, Frankreich, Italien und Japan ausgestellt wurden. Und so sieht man ein kleines Mädchen mit seiner Mutter am Strand, ein geborstenes Schiff mit schlaff herabhängendem Segel oder auch ein Kind, das mutterseelenallein, doch konzentriert und selbstvergessen im Sand malt. Schöne, zeitlose Motive in erdigen Farben, die aber von Melancholie durchzogen sind, vor allem, wenn sie die Einsamkeit des Kindes und der Erwachsenen zeigen. Dazwischen gibt es als Kontrast immer wieder abstrakte Farbexplosionen (Acryl auf Leinwand) mit großen Kreisen, die vielleicht eher etwas von der Quirligkeit der jetzigen Weltreisenden preisgeben.

Der Abend wurde gekrönt mit dem Auftritt von Stella Schnell, der philippinischen Ehefrau des Honorarkonsuls, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Sie stellte zum ersten Mal in der Öffentlichkeit ihr im letzten Jahr erschienenes Buch „Potsdam Diaries“ vor. Mit berührenden Worten zeigte sie, wie sich ihr „Gefühl der Zugehörigkeit“ zu ihrer neuen Heimat entwickelt hat. Die vierzig, mit eigenen Händen gepflanzten Bäume waren ein schönes Bild dafür.

Alle Beteiligten wünschten sich, dass möglichst viele Besucher der Bibliothek diese philippinische Insel im Herzen Potsdams mit eigenen Augen wahrnehmen, um den hochglänzenden Reiseprospekten eine weitere Dimension hinzuzufügen. Astrid Priebs-Tröger

Ausstellung ist geöffnet zu den üblichen Bibliotheksöffnungszeiten bis 15. Februar 2006.

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