Kultur : Ganz in Familie

Die Klings aus Wilhelmshorst kamen zur Plauderstunde ins Filmmuseum Potsdam

Astrid Priebs-Tröger

Mütter probierten die Stühlchen der sieben Zwerge aus, Väter beklopften fachmännisch die Bäume des Märchenwaldes und gleich nebenan ließen sich kleine Mädchen in Prinzessinnen verwandeln. Nicht wenige Familien gingen am Samstagabend mit glänzenden Augen durch das „Märchenland Babelsberg“ und die fantastische Welt des Puppentrickfilms. Zur Kunst-Genuss-Tour, hatte auch das Potsdamer Filmmuseum die Türen seiner Ausstellungen weit geöffnet.

Im Mittelpunkt des Abendprogramms stand ebenfalls eine Familie: Die Klings aus Wilhelmshorst mit den aus Film und Fernsehen bekannten Schauspielerinnen Gerit und Anja, der Mutter Margarita, die ihre Töchter managt und Vater Ulrich, der seit 1964 im Filmgeschäft ist. Eine Filmfamilie, die eine ganz lange filmische Kontinuität aufzuweisen hat und so gar nicht in das landläufige Starklischee passt. Seit 45 Jahren und vier Wochen, so hat der bedächtige Ulrich Kling nachgerechnet, ist er in Babelsberg, zuerst als Student an der Filmhochschule, dann bei der DEFA und seit 1993 bei Studio Babelsberg. Kein Grund, das besonders herauszustreichen. Die attraktiven und talentierten Töchter wuchsen fast automatisch ins Geschäft, Gerit stand schon mit drei vor der Kamera, Anja zog später und sehr erfolgreich nach. Wenn man den Vieren zuhörte, und sie betonten das einhellig auch auf wiederholtes Nachfragen des Journalisten Knut Elstermann, ist das alles ganz normal. Auch wenn es gar nicht so geplant war, denn zumindest das Familienoberhaupt wollte nicht, dass alle beim Film landen. Und dann wohnen alle noch, zwar in zwei Häusern, aber auf dem gleichen Grundstück zusammen und das seit mehr als dreißig Jahren in Wilhelmshorst. Eine ganz normale Familie? Ja und nein. Sie sind gemeinsam stolz darauf, dass gerade sie als „Ossis“ die Wendewirren überstanden und zusammengehalten haben, dass sich die Töchter auch im vereinten Deutschland einen Namen machen konnten. Genauso wie beispielsweise Jan Josef Liefers, von dem keiner mehr weiß, dass er Ostdeutscher ist. Aber das sei für sie auch nicht mehr wichtig betonte Gerit Kling und bekannte: Wir sind Potsdamer! Und möglicherweise ist das ja das Geheimnis dieser Familie: Fest verbunden mit den Wurzeln gelingt der Sprung ins Weite und wieder zurück.

Doch man hätte sich in der Gesprächsrunde das eine oder andere spannungsvollere Detail gewünscht, denn das alles immer nur harmonisch abgeht, glaubt man selbst dieser „schrecklich netten Familie“ nicht. Elstermann hätte mehr „bohren“ können. Andererseits: Potsdam ist nicht Hollywood und Anja Kling, die von sich selbst sagte, dass sie im Umgang mit der Öffentlichkeit zurückhaltender als ihre Schwester sei, bekannte, dass sie hauptsächlich gute Filme machen will. Auch und gerade als Mutter von zwei Kindern. Und ohne Unterstützung durch die Familie sei das nicht denkbar. Wie zum Beweis hob sie ihr Partner am Ende des Gesprächs von der Bühne, da sie nach einem Unfall an zwei Krücken geht.

Im Anschluss gab es noch zwei kurze Filme zu sehen: Bonusmaterial zu den ehemaligen DEFA-Filmen „Zwei schräge Vögel“ von Erwin Stranka und „Grüne Hochzeit“ von Hermann Zschoche, in denen die Klingschwestern erste Kinorollen hatten. Zu später Stunde war dann noch „Irren ist sexy“ im Programm. Ein Film aus dem letzten Jahr, in dem Gerit und Anja gemeinsam spielen und sich als Kolleginnen noch besser als als Schwestern verstanden haben wollen. Wirklich beneidenswert. Astrid Priebs-Tröger

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